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Tagblatt Online, 3. Juli 2012, 07:34 Uhr

Bühnenstar Ivan dank Operation gerettet

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Eine grosse Narbe am Bauch zeugt von der Operation. Mini-Pig Ivan sonnt sich auf der Wiese im Tierspital Zürich. (Bild: Rosmarie Langjahr)

RÄUCHLISBERG. Schlecht stand es um den Mini-Pig-Star vom Räuchlisberg: Eine Form von Darmverschluss kostete ihn beinahe das Leben. Im Tierspital Zürich ist das Schweinchen, das auch schon im Stadttheater Zürich auftrat, inzwischen zum Liebling von Ärzten und Pflegepersonal geworden.

RITA KOHN

Nur noch wenige Tage, dann darf Ivan wieder nach Hause. Das Mini-Pig vom Räuchlisberg musste vergangenen Mittwoch operiert werden, weil sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechterte. Eine Form von Darmverschluss machte dem elfjährigen Eber zu schaffen. «Wäre die Ursache für seine schlechte Verfassung nicht rechtzeitig gefunden worden, wäre er gestorben», sagt Besitzerin Rosmarie Langjahr, die nach dem überstandenen Schrecken wieder aufatmen kann.

Rudolf und Rosmarie Langjahr freuen sich darüber, dass es ihrem Star wieder besser geht. «Wir haben uns grosse Sorgen gemacht», bekennt die Besitzerin und sagt mit einem Schmunzeln: «Inzwischen zeigt Ivan im Tierspital bereits wieder Starallüren.»

«Er war völlig matt»

Fast zwei Wochen ist es nun her, seit Rosmarie Langjahr sich über Ivans Lustlosigkeit wunderte. «Normalerweise kommt er mich begrüssen. Da aber lag er nur in seinem Häuschen und reagierte auf nichts mehr.» Sofort rief die besorgte Tierhalterin den Arzt. Dieser konnte sich die Mattigkeit des Mini-Pigs nicht erklären. «Wir gingen davon aus, dass Ivan die Hitze zu schaffen macht.» Eine Spritze sollte dem Tier helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Doch abends ging es Ivan noch schlechter, so dass Rosmarie Langjahr erneut den Tierarzt kommen liess.

Einen Tag später musste Ivan dann ins Tierspital eingeliefert werden. Zunächst habe der Tierarzt den Eber nach Müllheim in eine Kleintierklinik einweisen wollen. Doch diese sei nur auf kleine Tiere bis 15 Kilo eingerichtet. «Unser Ivan wiegt stolze 60 Kilo», sagt Rosmarie Langjahr. Also fuhren sie mit dem inzwischen apathischen Tier nach Zürich. «Dort wurde er wie ein alter Bekannter begrüsst.» Alle wussten, wer Ivan ist.

Das Tier einschläfern

Keiner der Untersuche im Tierspital brachte den Grund für Ivans Zustand an den Tag. «Da erklärte mir die Ärztin, dass die letzte Möglichkeit eine Operation sei, bei der die Ärzte direkt im Bauch nach den Ursachen forschen.» Eine Operation aber ist mit Risiko verbunden – und letztlich auch kostenintensiv. Als Alternative stand im Raum, Ivan einzuschläfern. Immerhin hat Ivan mit elf Jahren bereits ein fortgeschrittenes Alter aufzuweisen.

Die Frage belastete Rosmarie Langjahr. «Ich war mir bewusst, dass eine Operation unser Budget sehr belasten wird. Viel wesentlicher war für mich aber die Überlegung, ob es richtig ist, jede medizinische Möglichkeit auszuschöpfen, um ein Tier zu retten, wenn in anderen Ländern nicht mal genügend medizinische Versorgung besteht, um Kriegsverletzte zu verarzten.» Mit dem Wissen, dass sie bei einer Ablehnung der Operation keinem einzigen Menschen würde helfen können, stimmte sie schliesslich zu. «Unser Ivan hat das verdient!»

Mit Joghurt aufpäppeln

Bei der Operation wurde denn auch tatsächlich die Ursache für Ivans Krankheit gefunden. «In einem Darmstück von gut 20 Zentimetern hat sich alles zusammengeklumpt. Es war also eine Form von Darmverschluss», sagt Rosmarie Langjahr.

Inzwischen geht es dem Eber wieder besser. «Er bekommt vom Tierspital sogar sein Joghurt, das er so liebt», sagt die überglückliche Rosmarie Langjahr. Und auch täglichen Auslauf bekommt der Eber. Denn er weigert sich standhaft, sein Geschäft in einer Boxe oder einem Gebäude zu verrichten. «Er will ins Freie geführt werden.» Zudem sei es dem Star des Kleinzirkus Rodolfo auch langweilig. Für Rosmarie Langjahr keine Überraschung: « Er ist sich gewöhnt, zu arbeiten. Das macht ihm Spass.» Wird er nicht beschäftigt, wird er unwirsch.

Alle fragen nach Ivan

Langjahrs freuen sich darauf, Ivan nach Hause zu holen. «Schon jetzt fragen uns die Leute, wo Ivan denn geblieben ist.» Nicht erst seit das Schweinchen zum Star geworden ist, ist er der Liebling der Besucherinnen und Besucher.

«Für das Kasperli-Theater, in dem Ivan ja immer mitgespielt hat, musste ich mir eine andere Lösung einfallen lassen», sagt Rosmarie Langjahr. Aber auch da kamen die Fragen nach Ivans Verbleib. Mit einem Schmunzeln sagt Rudolf Langjahr: «Sie werden ihn wohl fast nicht wiedererkennen, wenn er zurückkommt. Während der Narkose wurden ihm nämlich auch gleich die Hauer gestutzt.»



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