Vielfältigen Stadtraum erhalten

WIL ⋅ Vor zwei Jahren wäre die Altstadtvereinigung fast aufgelöst worden, doch unter der neuen Führung von Simon Lumpert und dem Vorstand kamen frische Impulse, um das Leben in der Altstadt attraktiver zu machen.
30. November 2017, 07:00
Roland P. Poschung

Roland P. Poschung

redaktion@wilerzeitung.ch

«Die Wege zur Wiler Altstadt, eine der besterhaltenen der Ostschweiz, und zu den dortigen Geschäften und Restaurants mag aufsteigend und steinig sein, aber die Vielfalt, Kompetenz und Originalität des klassischen Kleingewerbes sind hervorragend», sagt Simon Lumpert, der seit 2015 Präsident der Altstadtvereinigung ist und ein fünfköpfiges Vorstandsteam führt. H&M, Migros oder Coop hätten keinen vergleichbaren Gegenwert als Einkaufsladen. Hier stünden 115 Firmen, das kleine Gewerbe, gemütliche Restaurants und Raritäten im Vordergrund. Diese hätten einen anderen Charme als «Einkaufparadies». Einziges Problem: «Wir wollen vermehrt das Einkaufspublikum und die Geniesser mit speziellen Aktivitäten und Angeboten in die Altstadt locken», sagt Lumpert.

Von der Oberen Bahnhofstrasse aus betrachtet, dürfe der Prachtbau der Kantonalbank und der Finnshop, eingangs der Marktgasse und Kirchgasse, für die Besucher und Einheimischen nicht Endstation sein.

800 bis 900 Personen leben in der Altstadt

Befindet man sich einmal in der Wiler Altstadt mit ihren geschichtsträchtigen Häusern und geniesst dort die Ruhe und Gelassenheit, so fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Heute ist das Gebiet ein vielfältiger Stadtraum, der zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Flanieren und Verweilen einlädt und dabei vielfältige Nutzungen in grosser Dichte vereinigt. Zwischen 800 und 900 Personen und Familien leben in der Altstadt. Mit Blick auf das Leitbild der Stadt Wil, welches partizipativ in mehreren Prozessen erarbeitet wurde, ist sich Simon Lumpert bewusst, dass sich die Altstadt und die umliegenden Stadtquartiere gegenseitig beeinflussen: «Mit der Stadt und den übrigen Quartiervereinen haben wir ein gutes Verhältnis. So treffen wir uns regelmässig zu einem Austausch. Es ist im Interesse aller, dass wir koordinieren und uns gemeinsam weiterentwickeln».

Drei Ziele stünden beim Leitbild im Mittelpunkt, um die Altstadt und die Vorstädte in ihrer Nutzungsvielfalt zu erhalten und zu fördern: Es gehe darum, Vielfalt an Wohnen und Einkaufen in Altstadt und Vorstädten zu unterstützen, Altstadt und Vorstädte vielgestaltig mit der Stadt zu vernetzen und vielfältige Begegnungen in der Altstadt und in den Vorstädten zu ermöglichen.

Wohnverträgliche Mischnutzung anstreben

Diese Wirkungsziele sind in sechs Handlungsfeldern mit fast 30 strategischen Zielen verbunden. Wichtig sei unter anderem, dass eine wohnverträgliche Mischnutzung angestrebt werde, erklärt Simon Lumpert. Das historische und kulturelle Zentrum solle gepflegt werden, der Strassenraum zum Lebensraum aufgewertet und funktional und gestalterisch verbunden werden. Zudem wolle man die Aufenthaltsqualität in der Altstadt erhöhen und die öffentlichen Räume vielseitiger nutzen. Die Altstadtvereinigung Wil betrachtet sich selbst als «Exot», weil sie sich sowohl als Quartierverein wie auch als kleiner Gewerbeverein und Hauseigentümerverein sieht.

Sie hat mit neuen Impulsen das Leben in der Altstadt innovativ beeinflusst. Im Vorjahr wurden zwei neue Anlässe lanciert: «Lesebank plus», eine Aktion mit der Stadtbibliothek Wil, sowie mit «Buch und Brot», ein Anlass in Zusammenarbeit mit der Feinbäckerei Dietsche. In diesem Jahr präsentiert sich das Event-Programm wesentlich umfangreicher und auch 2018 und in naher Zukunft will die Altstadtvereinigung weitere Aktivitäten ideenreich umsetzen.

Hinweis

Dieser Artikel ist der sechste Beitrag der Serie über die Wiler Quartiervereine.


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