Mit Speed-Dating den Traumberuf finden

WIL ⋅ Weshalb Spengler niemals verregnet werden, Mechatroniker Fahrstunden bezahlt bekommen und Logistiker ein vielfältiger Beruf ist: Dies erfuhren Schüler aus erster Hand von Lehrlingen an einem Informationsanlass des BIZ.
01. Dezember 2017, 05:19
Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Das Berufsinformationszentrum (BIZ) Wil veranstaltete diese Woche eine Art Speed-Dating zur Berufswahl. Dabei konnten die Schüler jeweils zehn Minuten Lernende aus verschiedenen technischen Berufen befragen. «Ziel des Anlasses ist es, dass die Schüler in kurzer Zeit viele verschiedene Berufe kennenlernen», sagt Myriam Städler, Berufs- und Laufbahnberaterin des BIZ Wil. Denn viele wüssten nicht, welche Tätigkeiten und Anforderungen für einen bestimmten Beruf wichtig seien.

Wie beim richtigen Speed-Dating, ist auch bei den Lernenden und Schülern anfangs eine gewisse Nervosität spürbar. «Habt ihr eine Ahnung, was ein Spengler macht», fragt Manuel Hinder, der zurzeit das dritte Lehrjahr bei der Waga Spenglertechnik in Sirnach absolviert. Die beiden Schüler schweigen und suchen eine Antwort. Hinder beruhigt sie. «Ich wusste das bis zu meiner Schnupperlehre selbst nicht», gesteht er. So entsteht schnell eine lockere Atmosphäre und ein angeregtes Gespräch zwischen den Schülern und dem Lernenden. Auch bei anderen Gruppen ist das zu beobachten. «Das war ein Grund, wieso wir diese Veranstaltung durchgeführt haben. Wenn die Schüler mit Lernenden sprechen, sind weniger Hemmungen vorhanden, als wenn sie sich mit Ausbildungsverantwortlichen unterhalten. Dann entsteht bei den Schülern schnell der Eindruck, es handle sich um ein Bewerbungsgespräch für eine Schnupperlehre, bei dem sie nicht Falsches sagen dürfen», erklärt Myriam Städler.

Während die Schüler vor allem Fragen nach den Anforderungen des Berufs, der Schwierigkeit, eine Lehrstelle zu finden oder Weiterbildungsmöglichkeiten beschäftigen, machen die Lernenden Werbung für ihre Berufe. Als Spengler beispielsweise würde man nie verregnet werden, sagt Manuel Hinder. «Mal ist man auf der Baustelle, dann wieder im Betrieb. Da man sich das einteilen kann, bleibe ich bei Regen im Trockenen.» Ein Vorteil des Automechatronikers sei, dass die Betriebe einem einen Teil an die Fahrprüfung bezahlen würden, erklärt ein Lernender von der Larag. «Ausserdem sind Automechatroniker gesucht.» Auch die Arbeit als Logistiker biete Einiges, sagt Max Zimmermann von der Hollenstein AG. So gebe es verschiedene Berufsfelder: Logistiker, die vornehmlich im Lager arbeiteten oder jene die im Postwesen oder im Bahnverkehr beschäftigt seien. Dementsprechend vielfältig seien die beruflichen Perspektiven.

Technische Berufe bleiben Männerdomäne

Was sich an der Berufsinformation zeigt, ist, dass sich immer noch hauptsächlich Männer für technische Berufe interessieren. Nur eine Schülerin war an diesem Nachmittag anwesend, um sich über Berufe wie Logistikerin, Polymechanikerin oder Mechatronikerin zu erkundigen.

Berufe aus dem technischen und handwerklichen Bereich scheinen allgemein auf weniger Interesse zu stossen als Jobs im Dienstleistungssektor. Am nächsten Mittwoch findet ein weiterer Speed-Dating-Anlass zur Berufsfindung im BIZ statt. Dieser widmet sich Berufen wie Fachperson Betreuung, der kaufmännischen Lehre und Pharma-Assistentin. Und im Vergleich zum Informationsanlass der technischen Berufe ist dieses Event mit 40 Schülern komplett ausgebucht.


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