Digitalisierung: Die Zeit drängt

WIL ⋅ St. Gallens Schulen hinken bei der Digitalisierung hinterher. Deshalb will die Regierung 75 Millionen Franken in eine IT-Bildungsoffensive investieren. Regierungsrat Stefan Kölliker warb vor Schulpräsidenten für Zustimmung.
30. November 2017, 07:00
Christof Lampart

Christof Lampart

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Der kantonale Bildungschef sprach am Dienstagabend im Rahmen des Foren-Zyklus «Gut zu Wissen», der von der auf Schulmaterial spezialisierten Bischoff AG organisiert wird, zum Thema «Informatik-Bildungsoffensive: Wie machen wir die Schulen fit für die Herausforderungen der Digitalisierung?» Er redete vor einem Publikum, dass vor allem aus Gemeinde- und Schulpräsidenten bestand.

Stefan Kölliker betonte, dass an der IT-Bildungsoffensive kein Weg daran vorbeiführe. Die 75 Millionen Franken, welche die auf acht Jahre angelegte Digitalisierung des sanktgallischen Schulwesens kosten werde, seien zwar ein «rechter Brocken», zugleich aber «bestens angelegtes Geld», weil am Endpunkt eine Bevölkerung stehe, die profitiere. Denn diese komme dann nicht nur in den Genuss von besser bezahlten Jobs, sondern generiere auch für den Kanton höhere Steuereinnahmen – womit am Ende alle etwas davon hätten, fasste Kölliker zusammen.

Ärzte und Informatiker selber ausbilden

Dass die Schaffung von diversen neuen Ausbildungsstätten und Lehrgängen im Informatikbereich – so ist unter anderem an der HSG ein Masterstudiengang «Management und Informatik» geplant, welcher neun Lehrstühle umfassen soll – dafür sorgen könnte, dass dereinst bestens ausgebildete Akademiker später mehrheitlich nach Zürich, Basel oder Genf zögen und nicht mehr in die Heimat zurückkehrten, hält Kölliker für unwahrscheinlich. Natürlich gebe es immer ein Risiko, doch würden für St. Gallen die Chancen überwiegen. Dies gelte übrigens auch für die Ausbildung als Joint Medical Master, mit der man jungen Ärzten die Ostschweiz als Arbeits- und Wohnort schmackhaft machen wolle.

«Es ist eine Tatsache, dass wir einen Mangel an Ärzten und Informatikern haben. Diesen Mangel wollen wir nun gezielt beheben – und zwar mit Programmen, wie es sie woanders nicht gibt.» Nichts tun, oder darauf warten, dass die St. Galler Wirtschaft die Initiative ergreife, sei für ihn keine Option, denn die Schulen seien Sache des Kantons. «Wenn sich die Wirtschaft oder auch bildungsnahe Stiftungen aber dazu bereit erklären, Teile der Programme finanziell zu unterstützen, dann sage ich nicht Nein», so Kölliker.

Den Weg, den man jetzt eingeschlagen habe, sei – auf allen schulischen Stufen – der richtige, denn «wenn wir die jungen Leute nicht ausbilden, sondern schon im Vorfeld Forfait geben, dann haben wir eh keine Chance». Man könne sich heute nicht mehr darauf verlassen, dass man, wie noch vor ein paar Jahren, gut ausgebildete Ärzte und Informatiker in die Schweiz holen könne, denn auch andere Länder hätten die Rahmenbedingungen für ihre Fachkräfte verbessert.

Altersguillotine bei Lehrerweiterbildung?

An die Schulpräsidenten gerichtet, erklärte Kölliker, dass die Digitalisierung vor keiner Schulstufe und vor keinem (Lehrer-)Alter Halt mache. Dennoch sei die Frage erlaubt, wie intensiv Lehrerinnen und Lehrer ab einem gewissen Alter noch in Sachen Informatik weitergebildet werden sollen und müssen. «Ich könnte es mir vorstellen, dass Lehrer um die 55 nicht mehr alle Module machen müssen», sagte Kölliker.

Bei jüngeren Semestern sei das hingegen keine Frage: «Die sind mit Informatik und Internet gross geworden», so der St. Galler Bildungschef. In einem war sich Kölliker jedoch ganz sicher: «Wir müssen mit der Digitalisierung vorwärts machen, denn die Zeit drängt.»


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