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Tagblatt Online, 4. September 2008, 01:05 Uhr

Nicht nur geben, auch nehmen

Elsbeth Brocker engagiert sich seit 18 Jahren im Asylwesen

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Elsbeth Brocker ist seit 18 Jahren Helferin im Asylbereich. (Bild: Bild: alb.)

kirchberg. Freiwilligenarbeit im Asylwesen entlastet die Gemeinde. Elsbeth Brocker kümmert sich seit 18 Jahren um Asylsuchende in der Gemeinde Kirchberg.

Albert Büchi

Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet und möglicherweise traumatisiert sind, brauchen eine spezielle Betreuung, um sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Das Sozialamt einer Gemeinde kann diese kaum im nötigen Mass gewährleisten. Glücklicherweise kann die Behörde auf die Unterstützung durch freiwillige Helferinnen zählen. Die weibliche Form ist hier durchaus angebracht, denn Männer sind in diesem Bereich eine Ausnahme.

Vielfältige Aufgaben

Bereits seit 18 Jahren engagiert sich Elsbeth Brocker in der Betreuung von Asylsuchenden. Damals war sie Mitglied der Kirchenvorsteherschaft und besuchte Einführungsabende der Kantonspolizei.

Als ein Jahr später die Gemeinde Kirchberg Freiwillige suchte, stellte sie sich zur Verfügung. In der Drittwelt-Gruppe war man zum Schluss gekommen, dass die Hilfe nicht nur ins Ausland gehen sollte, sondern auch in der Schweiz wichtig sei.

Jede Gemeinde ist verpflichtet, ein gewisses Kontingent an Asylsuchenden aufzunehmen, das sich aus der Einwohnerzahl errechnet. In der Gemeinde Kirchberg sind es derzeit 31 Personen aus verschiedenen Nationen. Sie wohnen in Kirchberg, Bazenheid und Gähwil. Demnächst wird eine Familie aus Serbien-Montenegro einziehen. Der Zuzug von Asylsuchenden bedeutet den besonderen Einsatz der freiwilligen Betreuerinnen.

Zusammen mit dem Sozialamt suchen die Betreuerinnen eine Wohnung, vorzugsweise in älteren Blöcken. Im Brockenhaus schauen sie sich nach Möbeln um und richten die Wohnung ein. Elsbeth Brocker freut sich, dass auch immer wieder aus der Bevölkerung nützliche Gegenstände abgeben werden. In der Kirche darf sie Sachen horten, die vielleicht später verwendet werden können. Die aufzunehmenden Personen werden der Gemeinde aus einem der derzeit drei Durchgangszentren zugewiesen. Für die Koordination ist Caritas Toggenburg zuständig. Nach ihrem Eintreffen und dem Wohnungsbezug zeigen die Betreuerinnen die Gemeinde, erledigen Administratives und führen in den Haushalt ein. Schulpflichtige Kinder werden beim Schulsekretariat angemeldet. Die Betreuerinnen begleiten die Asylsuchenden im Alltag, etwa bei einem Arztbesuch.

Genügend Interesse

Bis jetzt hatte Kirchberg Glück bei der Suche nach freiwilligen Helferinnen. Es fanden sich genügend Interessentinnen für dieses Amt. Mit 18 «Dienstjahren» ist Elsbeth Brocker weitaus am längsten dabei. Das Sozialamt kann aber auch auf die Dienste von Vreni Metzger, Kirchberg, Yvonne Karrer, Schalkhausen, Cornelia Rutz, Bazenheid, Dorothea Naeff, Kirchberg, Margrit Wuchert, Bazenheid, und Käthi Gubser aus Bazenheid zählen.

Eine eigentliche Ausbildung besteht nicht. Das Bundesamt für Migration veranstaltet jedoch gesamtschweizerische Kurse. «In erster Linie braucht es Freude, andere Menschen zu begleiten», erklärt Elsbeth Brocker, die seit acht Jahren dem Schulrat Kirchberg angehört. Selbstverständlich gibt es auch schwierige Situationen. So zum Beispiel bei stark traumatisierten Personen, oder wenn jemand, der längere Zeit hier lebte, ausgewiesen wird. Die Betroffenen schätzen die Dienste der freiwilligen Helferinnen sehr, ersuchen manchmal auch um Rat, nachdem sie bereits eine Aufenthaltsbewilligung erhalten haben.

Kommunikation

«Es ist aber nicht nur ein Geben», hält die 53jährige Kirchbergerin des Jahres 2007 fest, «die Arbeit gibt auch etwas. Ich erfahre menschlich sehr grosse Wertschätzung.» In den 18 Jahren ihres Wirkens erlebte Brocker kaum bedrohliche Situationen.

Bei Männergruppen fühle sie sich jedoch nicht sehr wohl, gesteht sie. Hier gehe man zu zweit oder überlasse die Betreuung dem Sozialamt. Nebst verschiedensten Mentalitäten ist auch die Sprache eine Hürde. Zwar geniessen die Asylsuchenden in den drei bis fünf Monaten im Durchgangszentrum Deutschunterricht und kennen einige Ausdrücke, doch ist eine Verständigung nicht einfach. Mit Hilfe eines Wörterbuches, ein paar Fetzen in der Sprache der Betreuten sowie «den sprichwörtlichen Händen und Füssen» klappe es jedoch recht gut.



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