Tagblatt Online, 03. Februar 2012 08:03:00
Dieses Datum will angestrichen werden
Notabene
Den Fastnachtsbeginn sollte man sich dunkelrot in der Agenda eintragen. Und das möglichst lange im voraus. Dies kann verschieden relevante Beweggründe haben. Für die einen ist es entscheidend, den Start des närrischen Treibens auf keinen Fall zu verpassen, für andere kann es wichtig sein, noch rechtzeitig die Flucht davor ergreifen zu können. Die Wiler Kunsthalle hat diese jährliche Agendaeintragpflicht offensichtlich nicht ernst genommen. Denn dort findet eine öffentliche Führung durch die aktuelle Ausstellung mehrerer Künstler doch tatsächlich am Gümpelimittwoch statt. Als wäre die für Wil denkbar schlechte Terminwahl nicht schon genug, startet die Führung auch noch um 19 Uhr. Also exakt zu jenem Zeitpunkt, an dem die Wiler Tüüfel aus dem Hof springen, wo Leute mit Pauken und Trompeten auf dem Hofplatz warten, um schliesslich lautstark in der Äbtestadt die Fastnacht zu eröffnen. Nur einen Steinwurf davon entfernt werden sich zur gleichen Zeit in der Kunsthalle Menschen über bildende Kunst unterhalten, während auf dem Hofplatz hinter Masken getarnte Leute die Sau rauslassen. Immerhin haben die Kunst und die Fastnacht einen gemeinsamen Nenner: Sie beide nehmen nicht alles bitterernst und reflektieren das gesellschaftliche, kulturelle oder gar politische Leben, zeigen teilweise Missstände auf und können Leute zum Narren halten. Aber letzteres schaffen bekannterweise auch noch ganz andere Stellen – immer wieder und nicht nur während der Fastnacht.
Silvan Meile
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