Gefrorenes «Boot» für die Spinne

REGION ⋅ Wie verbringen eigentlich Schnecken, Würmer, Käfer und Ameisen die Wintermonate? Sie alle haben beeindruckende Tricks und Techniken. Von Schlafkammern aus Kot bis hin zu körpereigenem Frostschutzmittel.
01. Dezember 2017, 05:19
Mengia Albertin

Mengia Albertin

redaktion@wundo.ch

Während der Wintertage läuft die Zeit für einmal etwas langsamer – zumindest für Tiere. Igel, Fledermaus und Murmeltier halten Winterschlaf. Dachs und Eichhörnchen gönnen sich Winterruhe. Fische, Frösche, Schildkröten und Eidechsen verfallen in Winterstarre. Doch wie verbringen eigentlich Schnecken, Ameisen, Regenwürmer, Käfer und Spinnen die frostigen Monate? Auch sie passen sich perfekt den harten Gegebenheiten der Natur an.

Schnecke beginnt im Herbst eine Winterhöhle zu bauen

Während einige Spinnenarten wegen der Kälte nicht überleben, tun es dafür ihre Nachkommen, die in den Eiern überwintern. Wolfspinnen, Winkelspinnen und Kreuzspinnen suchen sich im Herbst eine Stelle, an der sie vor winterlichen Temperaturen geschützt sind. Zum Beispiel in Erdspalten, zwischen Steinen oder unter Gerümpel im Gartenhäuschen. Wieder andere Spinnenarten finden Verstecke in Ecken, Kellern, dunklen Räumen oder Estrichen. Der Ort muss feucht sein, denn sonst trocknen die Spinnen aus.

Wasserspinnen haben eine ganz besondere Methode für die Wintermonate entwickelt. Auf dem Boden von Gewässern finden sie leere Schneckenhäuser, füllen diese mit Sauerstoff und verschliessen die Öffnung mit einem Gespinst. Mit dem Schneckenhaus lassen sie sich dann an die Oberfläche treiben und frieren dort im Eis ein.

Ein Grossteil der Schneckenarten kann überwintern. Weinbergschnecken, welche auch im Werdenberg anzutreffen sind, haben ein besonders hoch entwickeltes Überwinterungsverhalten. Sie können Frosttemperaturen von bis zu unter 40 Grad Celsius ertragen, ohne zu erfrieren. Sie verschliessen die Öffnung ihres Häuschens mit einem luftdurchlässigen Deckel aus Kalk und ziehen sich zurück. Den ganzen Winter bleiben sie in selbstgegrabenen Erdhöhlen, welche mit Moos ausgekleidet sind. Da Schnecken bekanntlich etwas langsam sind, beginnt die Weinbergschnecke mit sämtlichen Vorbereitungen schon im Herbst.

Um den Energieverbrauch während dieser Kältestarre gering zu halten, werden alle überflüssigen Körperfunktionen der Schnecke reduziert. Die Herzschlagfrequenz sinkt stark. Damit reduziert sich der Sauerstoffverbrauch auf zwei Prozent des Verbrauchs einer aktiven Schnecke. Viele Nacktschnecken-Arten überleben den Winter nicht. Bevor sie im Herbst das Zeitliche segnen, legen sie aber an geschützten Orten ihre Eier. Damit ist auch ihre Art für das Frühjahr bestens gerüstet. Ein durchaus kreativer Zeitgenosse ist ebenfalls der Regenwurm. Er zieht sich tief unter den Boden zurück und fällt in eine Art Winterschlaf. Seine «Schlafkammer» kleidet er mit Wurmkot aus und kringelt sich darin ein. Damit wird seine Oberfläche reduziert und folglich trocknet er weniger schnell aus – bestenfalls gar nicht bis zum Frühling.

Duftstoff rettet Artgenossen das Leben

Ameisen begeben sich für vier bis sechs Monate in Winterruhe. Sie besitzen dabei eine Art körpereigenes Frostschutzmittel. Das Insekt bewegt sich in dieser Zeit nur langsam und der Stoffwechsel ist stark eingeschränkt. Anders als bei vielen Wespen- und Bienenarten überwintern bei den Ameisen nicht nur die Königinnen, sondern auch die Arbeiterinnen und sogar oftmals die Larven, allerdings nicht so bei den Waldameisen.

Marienkäfer überwintern nur einmal in ihrem Leben. Wenn es kalt wird, finden sie sich in grossen Gruppen zusammen. Ihr gemeinsames Winterquartier richten sie unter Laubhaufen oder Holzbeigen ein. Damit ein einsamer Marienkäfer auch die Chance auf das Überleben im Winter hat, sendet so eine Marienkäferkolonie einen speziellen Duftstoff aus, dem der einsame Käfer folgen kann.


Leserkommentare

Anzeige: