Weltcup-Premiere für Wattwiler Langläufer

HEIMRENNEN ⋅ Bei Davos Nordic am nächsten Wochenende skatet der 21-jährige Wattwiler Langläufer Beda Klee über 15 Kilometer. Der mehrfache Schweizer Meister erhofft sich bei seinem Weltcup-Début eine Top-30-Klassierung.
04. Dezember 2017, 14:35
Urs Huwyler
An den Resultaten gemessen hätte Beda Klee (SC Speer Ebnat-Kappel) schon in der vergangenen Saison im Weltcup starten können. Doch der 21-jährige Wattwiler Realist wollte zuerst auf der zweithöchsten Stufe konstante Leistungen zeigen, bevor der nächste Karriereschritt eingeleitet werden sollte. Schon vor den Rennen in Ulrichen wurde ihm der Startplatz zwar zugesichert, aber Beda Klee wartete für die Zusage die Tests im Wallis ab. 

Die Auftritte am vergangenen Wochenende fielen beeindruckend aus. Im Sprint, seiner nominell schwächsten Disziplin, belegte er Rang zwei, über 15 Kilometer klassisch verlor der Allrounder als Dritter lediglich 16 Sekunden auf Toni Livers. «Zweimal auf dem Podest zu stehen, hätte ich nicht erwartet. Damit werde ich beim Heim-Weltcup über 15 Kilometer in der freien Technik starten. Die Form stimmt, ich fühle mich gut», erklärt der nun zwei Tage auf der Panoramaloipe in Scherb Hemberg trainierende Toggenburger.


Klassierung in den Punkterängen als Ziel

Beda Klees Werdegang lässt erahnen, dass er sich vor heimischem Publikum nicht nach dem Motto «Dabei sein ist alles» auf den hinteren Positionen herumquälen möchte. «Die ersten Dreissig erhalten Weltcuppunkte, also muss der 30. Rang das Ziel sein. Ob es schliesslich reicht», so der Athlet aus dem Micarna-Team, «hängt von vielen Faktoren ab. Die Startnummer, die äusseren Bedingungen, das Material, ob ich alleine laufen muss oder sich eine Gruppe bildet, alles spielt eine Rolle.»

Momentan wird der Weltcup durch den Norweger Johannes Hoesflot Klaebo fast nach Belieben dominiert. Er gewinnt Rennen um Rennen, führt im Weltcup, wird als Jahrhunderttalent betitelt. Auf Rang drei der Gesamtwertung folgt der Russe Alexander Bolshunov. Beide haben wie Beda Klee Jahrgang 1996, waren an der Junioren-WM 2016 in Rumänien erstmals Gegner des hoffnungsvollsten Schweizer Nachwuchsläufers.

Klaebo kehrte damals als dreifacher Weltmeister in die Heimat zurück. Er sicherte sich auch Gold im Rennen über 10 km klassisch, das Beda Klee 31 Sekunden hinter dem Norweger sensationell als Vierter (sechs Sekunden fehlten zu Bronze) beendet hatte. Bolshunov, Mitglied der russischen Silber-Staffel, schaffte es im gleichen Bewerb auf Rang elf. Der damals zweitklassierte Koreaner Magnus Kim krebst dagegen im Weltcup auf den hintersten Plätzen herum. Die Quervergleiche illustrieren, wie schnell sich die Ausgangslage ändern kann. 

«Würde ich in Davos wie an der WM eine halbe Minute auf Klaebo verlieren, wäre ich ganz vorne klassiert», sagt der mehrheitlich in Davos lebende Klee mit einem Augenzwinkern und betont, das sei undenkbar. «Bei Johannes wurde schon an der Junioren-WM deutlich, über welches Potenzial er verfügt. Doch die Art und Weise, wie er dominiert, ist schon unglaublich beeindruckend.»


Die Ruhe vor dem Weltcup-Sturm

Noch herrscht bei Beda Klee bezüglich Nervosität und Vorfreude die Ruhe vor dem Weltcup-Sturm am 9. und 10. Dezember im Landwassertal. Ab Mittwoch oder Donnerstag, wenn er in Davos Quartier bezieht, dürften die (An-)Spannung und das Kribbeln im Bauch steigen. Wobei Nervenstärke und Gelassenheit neben dem Renninstinkt zu den (vielen) Qualitäten des B-Kader-Läufers aus dem Toggenburg zählen. Den Druck von aussen wird er verkraften. Erstens steht Olympiasieger Dario Cologna im Rampenlicht, zweitens erwartet der talentierte Biker von sich so oder so eine weltcupwürdige Leistung.
 

Nachfolger von Christoph Eigenmann

Zu den langjährigen Förderern von Beda Klee gehört neben dem rasenden Volksläufer Reto Hänni (Ebnat-Kappel) auch der dreifache Olympia-Teilnehmer Christoph Eigenmann (Wattwil). Er bestritt am 15. Dezember 2013 in Davos sein letztes von insgesamt 83 Weltcuprennen. Der Kreis schliesst sich damit aus Toggenburger Sicht. Wobei es für den «Jungen» schwierig werden könnte, in der Erfolgsspur des «Alten» zu laufen. Sprinter Eigenmann gewann das einzige im Münchner Olympiastadion ausgetragene Weltcuprennen (2006) und wurde im gleichen Jahr Zweiter in China. Zwischen 2003 und 2011 wurde Christoph Eigenmann für acht Weltmeisterschaften selektioniert. (uhu)


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