Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 27. Januar 2012 09:01:00

Täglich zehn bis zwanzig Lawinen

Zoom

Tägliche Kontrolle: Der Wildhauser Peter Diener beobachtet die Schneedecke und beurteilt im Auftrag des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung die Lawinengefahr. (Bild: Katharina Rutz)

OBERTOGGENBURG. Rund 20 Schneesportler sterben jährlich durch Lawinenabgänge in der Schweiz. 90 Prozent davon lösen die Lawine selbst aus, meldete die Beratungsstelle für Unfallverhütung am Dienstag. Auch in der Region Obertoggenburg ist die Lawinengefahr zurzeit erheblich.

KATHARINA RUTZ

«Für Schneesportler abseits der gesicherten Pisten oder unterhaltener Wege ist die Situation zurzeit heikel», weiss Peter Diener. «Fast täglich kann ich 10 bis 20 Lawinen registrieren; während des Sturmtiefs Joachim im Dezember 2011 zählte ich über 170 Lawinen im oberen Toggenburg und nördlich der Alvierkette, und dabei habe ich nicht einmal alle erfassen können.» Der Regionalbeobachter des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF sammelt nebenamtlich täglich Informationen über Lawinenabgänge, die Schneedecke und deren Aufbau. Seine Einschätzung über die Lawinengefahr in der Region teilt er jeden Morgen bis spätestens 6.30 Uhr online den Lawinenprognostikern des SLF mit. Daraus entsteht das Lawinenbulletin, das täglich um 8 und 17 Uhr herausgegeben wird.

Für die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann ist er zusammen mit vier weiteren Spezialisten zudem für die Gefahrenbeurteilung von Lawinen im Siedlungsgebiet aktiv. «Wir versuchen, die Gefahren für Strassen, von der Gemeinde unterhaltene Winterwege und Wohnhäuser zu ermitteln und geben Empfehlungen an den Gemeinderat weiter», sagt der Experte. Für den Siedlungsraum besteht derzeit keine Gefahr.

Lawinengefahr ernst nehmen

Schneesportler sollten allerdings die erhebliche Lawinengefahr, Stufe drei auf einer fünfstufigen Skala, ernst nehmen. Die Hauptgefahr geht zurzeit vom Triebschnee aus, welcher sich oberhalb von 1800 m ü. M. vermehrt und durch den Wind immer wieder ablagert. Triebschnee entsteht, wenn der stürmische Wind den frischen oder bereits abgelagerten Schnee davon bläst und die Schneekörner im Windschatten wieder ablagert. Der Triebschnee bildet eine verbundene Schicht. «Manchmal reicht das Gewicht eines einzelnen Schneesportlers und die ganze Triebschneeschicht gleitet ab», erklärt Peter Diener. Durch die grossen Schneehöhen seien auch viele Gleitschneerisse entstanden. Dabei gleitet die Schneedecke als Ganzes auf dem Boden langsam ab. Es entstehen Risse, die immer breiter werden, bis plötzlich eine Lawine abgeht. Peter Diener warnt: «Der Aufenthalt unterhalb solcher Risse ist gefährlich. Triebschnee kann wieder überschneit werden, was ein Erkennen schwierig macht. Es braucht deshalb Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr, Zurückhaltung und Verzicht auf das Befahren von sehr steilem Gelände.» Das Besuchen eines Lawinenkurses ist ein erster Schritt, Erfahrungen zu sammeln. Peter Diener freut sich über das Interesse der Schneesportler an den Kursen. «Viele wollen sich ausbilden.» Auch Roland Düsel von der Rettungskolonne Piz Sol schätzt, dass die Zahl an Lawinenopfern in den letzten Jahren zurückgegangen ist. «Heute sind die Informationen leicht zugänglich und die Schneesportler bereiten sich besser vor», sagt er. Seine Rettungskolonne hatte diesen Winter auf jeden Fall noch keinen Einsatz.

Viele Lawinen, keine Verletzten

In Peter Dieners Gebiet gab es einige Auslösungen von Lawinen durch Personen. «Zum Glück wurde niemand mitgerissen und verschüttet», so Diener erleichtert. Auch seien kleine Lawinen auf gesperrte Strassen niedergegangen. Verglichen mit anderen Wintern fällt dem Lawinenbeobachter auf, dass im Januar mehr Niederschlag fiel als sonst. Auch die vielen Kaltfronten mit Sturmtiefs aus Nordwest, begleitet mit relativ hohen Temperaturen und stürmischen Winden, sind für Peter Diener bemerkenswert. Sonst sei der Januar meistens trocken und kalt, unten Nebel, oben sonnig. Die Schneehöhen bezeichnet der Wildhauser zwar als überdurchschnittlich, aber von Rekordwerten könne nicht gesprochen werden.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: