Tagblatt Online, 25. Januar 2012 08:49:00
«Der Räuber ist ein Läuber»
Die Logopädinnen: Dagmar Leroux, Karen Gruno, Marina Raschle, Sabine Haugg und Nicole Wagner (von links). (Bild: Sebastian Keller)
TUFERTSCHWIL. Nach der Delegiertenversammlung des Logopädischen Dienstes Unteres Toggenburg (Loduto) erzählten die Logopädinnen von ihrer Arbeit. Vor allem, wie sie herausfinden, wann ein Kind eine logopädische Therapie benötigt.
SEBASTIAN KELLER
Sprachverständnis, Wortschatz, Aussprache. In diesen und weiteren Bereichen können Kinder Probleme haben. Und hier setzt die Logopädie an. Im Kindergarten testen die Logopädinnen alle Kinder. Innerhalb von 20 bis 40 Minuten können sie Auffälligkeiten in der Sprache des Kindes ermitteln. Dazu nutzen die sechs Frauen des Logopädischen Dienstes Unteres Toggenburg (Loduto) verschiedene Methoden – hauptsächlich spielerische. Sie zeigen beispielsweise dem Kind ein Tierbild, und das Kind muss sagen, was es auf dem Bild sieht. So klappern sie alle Laute der Sprache ab. Und auch der Wortschatz kann damit überprüft werden. «Im Idealfall merkt das Kind gar nicht, dass es getestet wird», sagt eine Logopädin.
Wer beisst? Wer wird gebissen?
Auch das Sprachverständnis testen die Logopädinnen. So erzählen sie dem Kind eine Geschichte und stellen ihm danach Fragen: Welches Tier beisst? Welches Tier wird gebissen? Auch erteilen die Logopädinnen dem Kind eine Aufgabe und prüfen, ob es diese ausführen kann. «Verzögerungen von Sprachverständnis muss früh therapiert werden, sonst haben sie die ganze Schulzeit Mühe», weiss eine Logopädin. Die Kinder würden Strategien entwickeln, mit denen sie sich über die gesamte Schulzeit durchmogeln können. Abschreiben und Verstecken seien Beispiele dafür.
Die Logopädinnen machen beim Untersuch auch andere Beobachtungen, die Rückschlüsse auf den Stand des Spracherwerbs schliessen lassen: Ob das Kind beim Thema bleiben kann, ob es Blickkontakt aufnimmt, ob es flüssig spricht. Auch das Spielverhalten des Kindes sage viel über das Sprachverständnis aus.
Auch früher oder später
Wenn sich Eltern Sorgen um die Sprachentwicklung ihres Kindes machen, kann auch bei älteren Kindern eine Abklärung gemacht werden. Auch bei einem Schulwechsel oder auf Anregung des Arztes oder einer Lehrperson könne das gemacht werden. Diese Abklärung dauere länger, so zwischen einer und zwei Stunden. «Wir machen uns ein Bild des Kindes und seiner Geschichte», sagt eine Logopädin. Auch die Möglichkeit einer Abklärung bei Kindern im Vorschulalter existiere: Wenn ein Kind zwischen zwei und drei Jahren beispielsweise stottert. In diesem Fall werde getestet, ob das Kind auf seinen Namen hört. Und auch motorische Fähigkeiten prüfen die Logopädinnen. Ob es beispielsweise einen Drehverschluss öffnen kann.
Nach Abschluss jeder Abklärung folgt ein Gespräch mit den Eltern und der Lehrperson. Die Logopädinnen schreiben einen Bericht. Dann werden die Massnahmen – und die Sprache des Kindes – an die Hand genommen.
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