Kein Geschenk, sondern Anerkennung

KULTUR ⋅ «Auf diesem Level in diesem Genre» könne sich ein Unternehmen in der Unterhaltungsbranche nicht bloss durch Eintritte finanzieren. Rigolo-Geschäftsführerin Nuria Eugster freut sich deshalb über Unterstützung aus dem Lotteriefonds.
02. Dezember 2017, 08:02

In der vergangenen Novembersession hat der Kantonsrat zum Wochenbeginn die Beitragsgesuche an den Lotteriefonds behandelt und alle genehmigt. Mit dabei war auch ein Gesuch über 150000 Franken an die Produktion Wings des Wattwiler Rigolo Swiss Nouveau Cirque, die zurzeit in St. Gallen läuft. Gechäftsführerin Nuria Eugster ist erfreut über die Zusprache.

Nuria Eugster, was bedeutet Ihnen der vom Kantonsrat gesprochene Beitrag?

Der Beitrag bedeutet uns sehr viel. Es ist Anerkennung für unser Schaffen in den letzten 40 Jahren und vor allem für die aktuelle Produktion Wings. Mit dem Zuspruch zeigt uns der Kanton St. Gallen, dass er die hohe Qualität der Produktion schätzt, was uns mit Stolz erfüllt.

Wie werden Sie diese Summe einsetzen?

Das Geld hilft die horrenden Kosten, die unter anderem für die hochstehende Technik, die Weltklasse-Artisten und auch das Marketing anfallen, zu decken. Der Beitrag stopft die unumgänglichen Defizite der Tournee. Es gibt sowieso kein Theater, das einzig mit den Eintrittspreisen seine Kosten tragen kann. Das ist auch bei Produktionen des Rigolo nicht anders.

Im Verhältnis zu den Produktionskosten von 2,66 Millionen Franken sind diese 150000 eine «milde» Gabe. Kann damit dennoch etwas bewegt werden?

Anders als bei wohl allen grossen Theatern ist der Anteil der Zuwendungen beim Tourneetheater Rigolo mit zehn Prozent eigentlich klein. Umgerechnet bedeutet es, dass jedes verkaufte Ticket von Wings in St. Gallen mit fünf Franken subventioniert wird. Beim Stadttheater zum Beispiel ist es ein Mehrfaches. Es könnte sich herausstellen, dass das zu wenig ist.

Kann sich ein Unternehmen in der Unterhaltungsbranche durch Eintritte finanzieren?

Unmöglich, auf diesem Level in diesem Genre. Um die gewünschte Qualität der Show gewährleisten zu können, müssen sehr grosse Ausgaben getätigt werden. Diese Kosten können leider nicht durch die Eintritte gedeckt werden. Das Ticket käme wahrscheinlich auf das Doppelte zu stehen. Wir sind angewiesen auf Zuwendungen der öffentlichen Hand und Stiftungen sowie auf die Unterstützung von grossen Sponsoren.

Was sind die grössten Aus­gabenposten bei einer ­Produktion wie «Wings»?

Die Bauten wie Bühne, Tribüne und die ganze Technik – Licht, Ton, Projektion sowie die Kosten für die Gastspielstätte sind, nebst den Löhnen der Beteiligten die grossen Posten. Aber auch die Kosten des Marketings betragen pro Vorstellung mehrere Tausend Franken.

Wie läuft «Wings» in St. Gallen?

Das Echo ist extrem gut. So tolle Resonanz hatte Rigolo noch nie. Die herzergreifend schönen Rückmeldungen von Besuchern geben uns Kraft für unser Schaffen. Trotzdem bleiben noch ­Plätze frei. Das ist ein Glück für Leute, die an die Abendkasse kommen und noch Karten bekommen. Wir wünschen uns noch etwas mehr Publikum aus dem Toggenburg – es hat noch Tickets.

Wo wird die Show nächstes Jahr zu sehen sein?

Vorgesehen sind weitere Schweizer Städte. Allerdings ist auch Interesse aus dem Ausland da. Also besser jetzt nach St. Gallen oder zwischen Weihnacht und Neujahr in die Samsung Hall nach Zürich kommen! Sonst muss man dann vielleicht Rigolo nach Rio de Janeiro nachreisen. (pd)

Die Tanz-Theater-Artistik-Show «Wings» gastiert noch bis zum 17. Dezember in der Olma-Halle 1.1 (Eingang Nordseite) in St Gallen. Vorstellungen jeweils Donnerstag bis Samstag um 20 Uhr, Sonntag um 18 Uhr. Tickets sind unter www.rigolo.ch erhältlich.


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