Bütschwiler Durchgangsstrasse soll sicherer werden

VERKEHR ⋅ Wenn die Umfahrung Bütschwil erstmal gebaut ist, werden die Durchgangsstrassen durchs Dorf angepasst. Das Vorhaben soll mehr Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer bieten und das Ortsbild aufwerten.
07. Dezember 2017, 05:20
Anina Rütsche

Das Interesse am zweistündigen Infoanlass «Flankierende Massnahmen» in Bütschwil war am Dienstagabend so gross, dass in der Turnhalle Dorf zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt werden mussten. Insgesamt erschienen über 200 Besucherinnen und Besucher, um mehr über das Vorprojekt zu erfahren, das Mitarbeitende der in Wattwil und Herisau stationierten Firma Schällibaum – Ingenieure und Architekten ausgearbeitet hatten. Konkret geht es um Arbeiten, die nach Eröffnung der Umfahrungsstrasse im Jahr 2020 an den bisherigen Ortsdurchfahrten vorgenommen werden sollen, dies auf der Strecke zwischen dem Einlenker Ottilienstrasse in Bütschwil und der Thurbrücke in Dietfurt. Projektleiter Stefan Dietz und sein Stellvertreter Roman Waller von «Schällibaum» brachten eine Fülle an Fakten, Plänen und Karten mit, um das Ganze zu veranschaulichen.

Pünktlich begrüsste Gemeindepräsident Karl Brändle das Publikum. Er betonte, dass es sich bei den vorgestellten Massnahmen nicht um ein definitives Bauprojekt handle, sondern um ein Vorprojekt. «Die flankierenden Massnahmen sind eine Auflage des Kantons, beziehungsweise des Kantonsrats», sagte er.
 

Zuständigkeiten werden abgetauscht

Dann ergriff Projektleiter Stefan Dietz das Wort. Er wies darauf hin, dass die 6,7 Meter breite Fahrbahn in ihrem heutigen Zustand für die schwächsten Verkehrsteilnehmer äusserst unattraktiv sei. «Zudem hat sie in den Dörfern eine trennende Wirkung», führte der Experte aus. «Das ist nicht ideal.» Laut Stefan Dietz wurden an der erwähnten Stelle 16000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. 65 Prozent davon ist Durchgangsverkehr zwischen Wil und Wattwil. «Diese Autos und Lastwagen fallen weg, sobald die Umfahrung eröffnet ist», sagte Stefan Dietz. Es sei daher bald möglich, in den «alten» Verkehrsweg zu investieren und diesen sicherer zu machen. Für Fussgänger werde es mehrere Zebrastreifen mit Schutzinseln geben, für Velofahrer teilweise eigene Spuren. Der Bauingenieur hob aber auch hervor, dass die Strasse nach wie vor für grössere Verkehrsaufkommen gerüstet sein müsse. «Sie wird als Ausweichroute dienen, wenn auf der Umfahrung ein Unfall passiert.» Im Zuge der flankierenden Massnahmen wird es auf der Verkehrsachse laut Stefan Dietz einen Abtausch der Zuständigkeiten von Kanton und Gemeinde geben. Heute, ohne Umfahrung, ist die Ottlienstrasse als Verbindung zwischen Mosnangerstrasse und Wilerstrasse eine Gemeindestrasse. Das Vorprojekt sieht vor, die Ottlienstrasse nach Eröffnung der Umfahrung zur Kantonsstrasse zu machen. Im Gegenzug sollen der untere Teil der Mosnangerstrasse, die Kirchgasse sowie die Landstrasse zu Gemeindestrassen werden – hier ist derzeit der Kanton zuständig. Anschliessend präsentierte Bauingenieur Roman Waller einige Details sowie den Zeitplan des Vorprojekts.
 

Ausführung nach Eröffnung der Umfahrung

An sieben von 27 Verkehrsknoten zwischen den beiden Dörfern sind Rechtsvortritte geplant, unter anderem an der Bahnhofstrasse Süd und Nord in Bütschwil. An 17 Stellen sind Trottoirüberfahrten vorgesehen. Gemäss kantonaler Unfallstatistik seien Rechtsvortritte und Trottoirüberfahrten sicherer als «Stop» oder «Kein Vortritt», erklärte der Experte. Zum Schluss ging Roman Waller auf die Kosten des Vorprojekts ein. Es wird von 4,1 bis 6,1 Millionen Franken ausgegangen. Darin sind Landerwerb, Werkleitungen, Beleuchtungen und Grünkonzept allerdings nicht berücksichtigt. Das Bewilligungsverfahren und das Auflageprojekt stehen 2019 auf dem Programm. Die Ausführung findet nach der Eröffnung der Erfahrung statt, das ist laut Roman Waller Ende 2020 oder 2021.

Nach diesen Ausführungen hatte das Publikum Zeit, die Übersichtspläne und Karten zu studieren, die in der Turnhalle aufgehängt waren. Zwanzig Minuten später begann die Fragenrunde. Vierzehn Wortmeldungen wurden gezählt. Mehrere Votanten schätzten das Vorprojekt als zu teuer und zu aufwendig ein. «Wir müssen aufpassen, dass wir uns damit nicht selber ein Ei legen», sagte ein Einwohner. Eine andere Stimme zeigte sich skeptisch gegenüber dem Austausch der Zuständigkeiten zwischen Gemeinde und Kanton. Bravorufe und Applaus erntete ein Dietfurter, der auf das Beispiel Bazenheid einging: «Bei der Umfahrung Bazenheid wurden Fehler gemacht. Das darf sich bei uns nicht wiederholen.»

Strecke mit drei Abschnitten

Das von «Schällibaum» geplante Vorprojekt splittet die Strecke aufgrund der unterschiedlichen Massnahmen in drei Abschnitte. Teil eins führt von der Ottilienstrasse in Bütschwil bis zur Feldgarage, Teilstück zwei von der Feldgarage bis zur Verzweigung Feldeck und Teil drei von der Verzweigung Feldeck bis zur Thurbrücke in Dietfurt. Im ersten Abschnitt, der sich im Zentrum Bütschwils befindet, sind flache Randabschlüsse und beidseitige Gehwege geplant. Zudem soll es sogenannte «breite Bänder» geben – das sind rutschfeste und 50 Zentimeter breite Markierungen am Strassenrand, welche die Fahrbahn optisch einengen. Im zweiten Abschnitt sollen ein einseitiger Radstreifen sowie ein- oder beidseitige Gehwege entstehen. Auf dem dritten Abschnitt schliesslich umfasst der Plan einen einseitigen Radstreifen und einen Gehweg, auf dem Velofahrer gestattet sind. Ebenso stehen für jene Stelle ein- oder beidseitige Gehwege im Konzept. Zum Abschnitt drei hat «Schällibaum» zwei Varianten ausgearbeitet, eine kurzfristige und eine langfristige. (aru)


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