Die Zukunft der Landwirtschaft sichern

TOGGENBURG ⋅ Die Weichenstellung der Agrarpolitik stand im Mittelpunkt der Wildhauser Tagung. Mit Bernhard Lehmann war ein Kenner der Materie im Toggenburg.
04. Dezember 2017, 05:18
Adi Lippuner

Die ständigen Anpassungen der Agrarpolitik machen den Landwirten, die mit ihren Produktionsbetrieben auf längerfristige Planung ausgerichtet sind, zu schaffen. Für die traditionelle Wildhauser Tagung der Freisinnigen wurde deshalb das Thema «Agrarpolitik 2022+ – die Weichen werden bereits gestellt», gewählt.

Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands, konnte am Samstagvormittag im Hotel Hirschen den Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Bernhard Lehmann, begrüssen. Als Referent waren auch Thomas Roffler, Präsident des Bündner Bauernverbands und Lukas Kessler, stellvertretender Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands, anwesend. Eine stattliche Zahl aktiver Bauern und interessierter Zuhörer – die Tagung ist öffentlich – wollten die Ausführungen der Referenten hören.

Trotz mehrfach gehörter Befürchtungen der Bauernvertreter auf allen Ebenen, sieht der BLW-Direktor die Zukunft der Landwirtschaft positiv. Er relativierte auch die Aussage von Bundesrat Johann Schneider-Ammann vom 1. November zur Öffnung des Grenzschutzes. «Es ist ein langfristiger Plan und das Konzept AP 2022+ ist eine Vision.»
 

«Probleme offen ansprechen ist wichtig»

Für Bernhard Lehmann ist es wichtig, die Probleme der Landwirtschaft, welche sich im Spannungsfeld von Produktion, Umwelt und Markt bewegen, offen anzusprechen. «Dies tut unser Bundesrat und das ist wichtig, denn Schweigen bedeutet lügen.» In seinem knapp 45 Minuten dauernden Referat streifte Bernhard Lehmann verschiedene Themen und betonte: «Wir müssen Regulierungen zurückbauen, ohne die Ziele aus den Augen zu verlieren.»

Geht es um Direktzahlungen, müsse sich jeder Bauer bewusst sein, dass der Bund die Leistungen aus Sicht der Nachfrage sehe, der Landwirt dagegen beurteile seinen Arbeitseinsatz. «Und deshalb ist es wichtig, dass in Zukunft Lösungen gefunden werden, welche nicht das Zurverfügungstellen von Flächen abgelten, sondern die geleistete Arbeit entschädigen.» Hinter dieser Aussage steckt die heute gängige Praxis, dass Landwirte für Buntbrachen, die zwar dem Naturschutz dienen, aber kaum Arbeit verursachen, eine jährliche Entschädigung erhalten.
 

Eine Lanze für die Alpwirtschaft

Thomas Roffler brachte den Anwesenden die Berggebietspolitik näher und betonte, dass gerade im Bereich der Alpwirtschaft Schutz nur durch das Nützen der Fläche erreicht werde. Aus seiner Sicht sollte die Agrarpolitik über einen längeren Zeitraum beurteilt werden, «die ständigen Änderungen tragen zur Verunsicherung bei». Und zu den Direktzahlungen meinte der Gast aus dem Nachbarkanton: «Das Direktzahlungssystem sollte nicht dazu gebraucht werden, um Marktschwankungen auszugleichen.» Zudem warnte Thomas Roffler vor dem Abbau des Grenzschutzes, «die Landwirtschaft darf nicht das ‹Tauschgeld› für die Industrie sein.»

Für Lukas Kessler ist die Agrarpolitik des Bundes mit einem Versuchslabor vergleichbar. «Kein Bauer kann ohne Direktzahlungen überleben, und deshalb sind alle stark von der Politik abhängig.» Er wies unter anderem darauf hin, dass Landwirtschaft ein langfristiges Geschäft ist, auch wenn die Investitionen, als Folge des technischen Fortschrittes, schneller abgeschrieben werden müssen.

Vertieft wurde das Thema bei der Podiumsdiskussion unter der Leitung von Peter Nüesch bei der, nebst den Referenten, auch Nationalrat Walter Müller (FDP, Azmoos) mitwirkte. Er wies darauf hin, dass es beim Freihandel immer darum gehe, «was geben wir und was erhalten wir».


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