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Tagblatt Online, 5. Juli 2012, 06:48 Uhr

Ohne die bewährte Mannschaft

Verabschiedung Lehrer Zoom

Sicher wie auf einem Kursschiff soll die «Überfahrt» von der Oberstufe Häggenschwil zur SBW sein. Nicht dabei sind die bisherigen Lehrer. (Bild: Urs Jaudas)

HÄGGENSCHWIL. Die Oberstufenschule Häggenschwil verliert fast ihr gesamtes Lehrerteam. Zehn Lehrer waren nicht bereit, an die Privatschule SBW zu wechseln, und haben gekündigt – wegen einer Präsenzpflicht und geringeren Lohnaussichten.

NINA RUDNICKI

Zum letzten Mal traten die Lehrer der Oberstufe Häggenschwil an der Abschlussfeier am Dienstagabend gemeinsam auf. «Es ist schade, dass ausgerechnet die kompetentesten Lehrer gehen. Und das nach diesem Kampf», sagt etwa der Sek-Schüler Morris Bollhalter. Das trifft die Sache auf den Punkt. Nach den Sommerferien wird die Oberstufe als Filiale der Privatschule SBW Haus des Lernens weitergeführt. Und während es vor einem halben Jahr noch hiess, ein grosser Teil der Lehrer habe Interesse signalisiert, an die SBW überzutreten, sind nun gerade mal eine Lehrerin plus Schulleiterin Maya Boppart übriggeblieben. Zehn Lehrpersonen verlassen die Oberstufenschule.

Präsenzpflicht für Lehrer

Was ist passiert? Laut Boppart sind es persönliche Gründe, welche die Lehrpersonen dazu veranlasst haben, künftig nicht an der SBW zu unterrichten. Eine Rolle dabei spiele, dass ältere Lehrpersonen an der SBW weniger verdienen als im regionalen Vergleich. Auch die neuen Arbeitsbedingungen würden nicht allen passen. Hielt etwa eine Lehrperson bisher 28 Lektionen pro Woche, konnte sie sich die übrige Vorbereitungszeit frei einteilen und auch den Ort selbst bestimmen.

An der SBW hingegen gibt es eine Präsenzpflicht. «Ein grosser Vorteil des Lehrerberufs liegt ja gerade darin, dass man die Zeiteinteilung selber managen kann», sagt Stefan Ricklin, der 23 Jahre an der Oberstufe unterrichtete. Einen geringeren Lohn hätte er in Kauf genommen. Die Präsenzzeiten liessen sich aber nur schwer mit seinem Alltag vereinbaren. Daher habe er sich schweren Herzens für eine Kündigung entschieden.

Wie ein weisses Papier

Die neuen Lehrpersonen sind bereits gefunden und die Verträge unterschrieben. Dass nach den Sommerferien ein fast komplett neues Team in Häggenschwil unterrichten wird, habe zwei Seiten, sagt Stefan Schneider, Lernhausleiter Schweiz bei der SBW. «Ein neues Team ist wie ein weisses Papier. Es kann sich unvoreingenommen auf die neue Schulstruktur einlassen.» Die neuen Lehrpersonen sind laut Schneider «ein guter Mix» aus jüngeren Lehrern, die ein anderes System ausprobieren wollen. Hinzu kommen erfahrene Lehrer, die Lust hätten, die Pädagogik zu leben und eine neue Herausforderung anzupacken. So wird es nach den Sommerferien im Schulhaus etwa ein Lernatelier sowie vermehrt Lernblöcke statt Einzellektionen geben.

«Andererseits hätte ein bereits eingespieltes Team für die Eltern wahrscheinlich mehr Sicherheit bedeutet», sagt Schneider. Ob es daher nicht gegen die SBW spricht, dass so viele der bisherigen Lehrer nicht für einen Wechsel bereit waren? Das könne er nicht beurteilen, sagt er. Wahrscheinlich seien die Eltern geteilter Meinungen.

Schule mit «neuem Motor»

Reaktionen seitens der Eltern hat es laut Schulleiterin Boppart kaum gegeben. «Ich denke, dass hier ein grosses gegenseitiges Vertrauen besteht.» Ausserdem hätten sich die Eltern ja bewusst dafür entschieden, ihr Kind an der SBW anzumelden. Ein Vertrauen, das auch Schulratspräsident Alan Germann ausstrahlte. Als er während der Abschlussfeier seine Rede auf der als Schiff dekorierten Bühne hielt, sagte er: «Wir sind wie ein Kursschiff. Es hat zwar einen neuen Motor, dafür mit Maya Boppart aber eine bewährte Kapitänin.» Und nachdem der Applaus abgeklungen war, fügte er an: «Eine Bruchlandung wird es also nicht geben, denn wir haben zum Glück keinen Testosteron-lastigen Kapitän wie damals die Costa Concordia.»



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
FredyWick (06. Juli 2012, 00:33)
total ungenügende Recherche!

Wenn schon schon Facts auf dem Teller präsentiert werden sollten, dann bitte die richtigen! Es stimmt nicht, dass alle 10 Lehrer aus den besagten Gründen wie Präsenzplicht und geringerem Lohn die Anstellung gekündigt haben! Es gibt auch andere Gründe wie: eine Lehrperson möchte von 5 auf 4 Arbeitgeber reduzieren! Ich grüsse damit alle Wander-Musiklehrpersonen...! Eine weitere Anstellung bei der SBW-Schule hätte mir nichts ausgemacht - nur bereichert! Aber auf 4 verschiedenen Hochzeiten zu tanzen reicht. Ich geb meinem Vorreder recht: unseriöser Journalismus!
@Redaktions-Chef...zzz!

Gruss, 3. von rechts

PS: seit wann sind Primarlehrer auch an der SBW Häggenschwil?

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seppkeller (05. Juli 2012, 17:59)
Liebes Tagblatt

Wie schon so oft werde ich Zeuge von unseriösem Journalismus seitens des Tagblatts. Es werden Fakten verdreht oder Aussagen falsch wiedergegeben aber Hauptsache man kann so schnell wie möglich wieder aus der Mehrzweckhalle irgendeines Kaffs verduften. Das nächste Mal Frau Rudnicki nehmen Sie doch bitte ein Diktiergerät mit. Anscheinend sind Sie nicht in der Lage ihre fünf Stichwörter, die Sie sich notiert haben, korrekt in einen Text umzusetzen! Freundliche Grüsse von der Nummer 3, wenn ich mich recht erinnere.

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