Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 4. August 2012, 01:37 Uhr

Mit brasilianischer Lebensfreude

St. Gallen - Binationales Paar Serie Familie Santana Zoom

Sandro und Claudia Santana mit ihren Söhnen Luan und Leandro. (Bild: Ralph Ribi)

Sandro Santana ist in São Paulo geboren. Während eines Salsaabends verliebte er sich in Claudia. Mittlerweile haben die beiden eine Familie gegründet. Und in der Fasnachtszeit zieht Santana mit seiner Gruppe «Sambrasil» durch die Stadt.

NINA RUDNICKI

Wie ein kleines Paradies zwischen Bergen und Seen – das habe seine Mutter gesagt, als sie ihn zum ersten Mal in der Schweiz besucht habe. Sandro Santana sitzt zusammen mit seiner Frau Claudia in seiner Stube im Schoren und erzählt, wie alles mit ihnen beiden begann. Als Sandro Santana vor 20 Jahren für einen kurzen Aufenthalt in die Schweiz kam, stiess er hier auf eine für ihn fremde Welt. «In den brasilianischen Städten sieht man fast nirgends parkierte Autos am Strassenrand. Die sind alle hinter Toren eingeschlossen», sagt er. Vielleicht verliebte er sich gerade, weil ihm seine Heimat fehlte, zuerst in eine Brasilianerin. Denn seine Frau Claudia lernte er erst knapp zehn Jahre später kennen – an einem Salsaabend in der Bar Havanna. «Ich dachte zuerst, Sandro wäre ein Italiener», sagt Claudia, die selbst Halbitalienerin ist. Aber da Brasilianer und Italiener einiges gemeinsam hätten, wie etwa die Lebensfreude, habe das keine grosse Rolle gespielt.

Sprache als grösste Barriere

Dann ging alles ganz schnell. Nach eineinhalb Jahren heirateten die beiden und reisten anschliessend während sieben Wochen durch Brasilien. Claudia Santana lernte Sandros Familie in São Paulo und den Norden Brasiliens kennen. «Ich denke, jeder Mensch sollte sich mindestens mit zwei Kulturen auseinandersetzen», sagt Sandro Santana. Nur so lerne man, auch das andere und das Fremde zu respektieren. Und anders seien bereits Kleinigkeiten. «Das fängt beim Essen an», sagt Sandro Santana scherzend. Claudia esse am liebsten Pasta. In São Paulo hingegen gebe es nur sonntags Spaghetti. Unter der Woche werde meistens Bohneneintopf mit Reis gegessen. «Aber Brasilianer sind ja bekannt dafür, dass sie aus jeder Situation das Beste machen», sagt Claudia Santana. Deshalb koche sich Sandro den Bohneneintopf mittlerweile einfach selber.

«Das mit dem Essen ist eine lustige Anekdote», sagt die 37-Jährige. Es gebe aber Herausforderungen im Alltag eines binationalen Paares, die viel schwieriger zu meistern seien. Wie etwa die sprachliche Barriere. Nach zehn Ehejahren versteht Claudia Santana mittlerweile fast perfekt Portugiesisch. Nur mit dem Reden hapere es noch etwas, sagt sie. Und Sandro Santana spricht nach 20 Jahren in der Schweiz sowieso gut Deutsch. Die drei Kinder – der zweieinhalbjährige Leandro, der vierjährige Luan und der 16jährige Stanley aus Sandro Santanas erster Ehe – sprechen beide Sprachen. «Sie sind auch Bürger beider Länder», sagt Sandro Santana. So könnten sie später einmal wählen, in welchem Land sie leben wollten. Gerade bei der Kindererziehung würden sich übrigens die unterschiedlichen Mentalitäten bemerkbar machen, fügt Claudia Santana an. Sandro sei viel lockerer und würde mehr erlauben. «Das ist nicht typisch brasilianisch, sondern modern», verteidigt sich der 41-Jährige.

Feiern auf der Schwägalp

Claudia und Sandro Santana arbeiten beide bei der Post – er als Pöstler, sie am Schalter. Allerdings nicht bei derselben Geschäftsstelle. «Das wäre dann zu viel Integration», scherzt Sandro Santana. Skifahren in den Bergen und Kytesurfen auf dem See müsse ausreichen, um als Schweizer durchzugehen. Im Winter läuft Sandro Santana zudem an der Fasnacht mit seiner Musik- und Tanzgruppe «Sambrasil» mit. «Und meinen 40. Geburtstag habe ich in einer Hütte auf der Schwägalp gefeiert», sagt er. «Mehr Bilderbuch geht ja wohl nicht.»



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
keine
Morgen in der
1 Koch, 1 Stern, 18 Punkte
Spitzenkoch Wolfgang Kuchler hat aus der Dorfbeiz in Wigoltingen ein Gourmetrestaurant gemacht. Im Interview spricht er über sein Lieblingsessen und jodelnde Fische.
Verband verlässt Textilstadt
Textilverband Die St. Galler Geschäftsstelle des Schweizerischen Textilverbands wird im Sommer geschlossen.
Ungewisse Geothermie-Zukunft
500 Seiten In einer grossangelegten Studie wird das St. Galler Erdwärmeprojekt breit analysiert.
Es muss nicht immer eine CD sein
Weihnachten Geschenktips, die garantiert ein Lächeln ins Gesicht der lieben Verwandten zaubern.

Anzeige:

Gewinnspiel Tippen Sie mit

Tippen & Gewinnen

Ostschweizer Trauerportal

teaser-ROS-trauer

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg