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Tagblatt Online, 04. Februar 2012 12:06:00

Linke legt zu, Rechte steckt ein

Bürger der Stadt St. Gallen geben ihre Stimmen ab. Abstimmung am Sonntag im Rathaus St. Gallen. Das Abstimmungscouvert wird in die Urne eingeworfen. Zoom

Am 11. März werden im Kanton St. Gallen – also auch im Wahlkreis St. Gallen-Gossau – Parlament und Regierung neu gewählt. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Am 11. März wird das Kantonsparlament neu gewählt. Im Wahlkreis St.Gallen-Gossau geht es um dreissig Sitze. Die Resultate der Nationalratswahlen geben Hinweise darauf, welche Parteien dabei gewinnen und verlieren könnten.

RETO VONESCHEN

Für eine erste Aussage zum Wahlausgang muss man weder Prophet noch gewiefter Beobachter der Politik sein: Auch bei den Kantonsratswahlen 2012 wird im Wahlkreis St. Gallen-Gossau Stabilität Trumpf sein. Es wird Verschiebungen bei den Stimmanteilen der Parteien geben, Sitze selber werden aber nur vereinzelt die Hand wechseln. Politbeobachter sind sich einig, dass zwei, vielleicht drei der dreissig Sitze wackeln. Dafür, dass jemand einen Erdrutschsieg einfahren könnte, gibt es im Moment keine Indizien.

2008: Karten neu verteilt

Bei den Kantonsratswahlen von 2008 wurde erstmals der von 180 auf 120 Sitze verkleinerte Kantonsrat neu bestellt. Im Wahlkreis St. Gallen-Gossau waren 30 Mandate zu verteilen. Verlierer waren damals CVP und SP, SVP und FDP konnten je ein Mandat zulegen. Ebenfalls zugelegt haben damals Grüne, Junge Grüne und Grünliberale. Ihr Plus beim Stimmanteil konnten sie nicht in Sitzgewinne ummünzen. Das Resultat vom 16. März 2008 und damit die heutige Sitzverteilung im Wahlkreis: SVP 8, CVP 7, SP 6, FDP 6, Grüne 1, Grünliberale 1, EVP 1.

2011: Der Wind hat gekehrt

Das Resultat der Nationalratswahlen vom letzten Herbst deutet darauf hin, dass der Wind gekehrt hat. Stimmanteil verloren hat im Oktober 2011 auch im Wahlkreis St. Gallen-Gossau die SVP. CVP und FDP verloren leicht. SP, Grüne und Grünliberale legten zu – die ersten beiden nur beim Stimmenanteil, die Grünliberalen dank Listenverbindung mit der BDP und auf Kosten der SVP kantonal auch mit einem Sitzgewinn.

In der Stadt St. Gallen waren die Verschiebungen beim Stimmenanteil letzten Oktober pointierter: Die SP erreichte rekordverdächtig hohe 28,1 Prozent, die SVP landete um fast 9 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. CVP und FDP mussten kleinere Verluste hinnehmen, während auch Grüne und Grünliberale zulegten.

Wichtig sind bekannte Köpfe

Allerdings können die Resultate der Nationalratswahlen nicht einfach auf die folgenden Kantonsrats- und St. Galler Stadtwahlen umgelegt werden. Je lokaler die Wahl, desto wichtiger sind lokal bekannte und gut verankerte Persönlichkeiten auf den Listen. Und da sind in den ländlichen Gemeinden des Wahlkreises St. Gallen-Gossau CVP, FDP und SVP gegenüber ihrer linksgrünen Konkurrenz regelmässig im Vorteil. Anders in der Stadt St. Gallen: Hier ist im Grundtrend Links-Grün seit etwa zwei Jahrzehnten langsam, aber sicher auf dem Vormarsch, während der Stimmanteil der bürgerlichen Parteien ebenso langsam, aber sicher erodiert.

Prognose bleibt schwierig

Wenn man die bekannten Fakten berücksichtigt, ist es möglich, Aussagen über den Ausgang der Kantonsratswahlen vom 11. März im Wahlkreis St. Gallen-Gossau zu machen. Jede Prognose ist allerdings mit grossen Unsicherheiten behaftet: Kurzfristige politische Entwicklungen auf nationaler Ebene und allenfalls auch ein kantonal-regional geschickt geführter Wahlkampf können das Schlussresultat immer noch stark beeinflussen.

SVP wird kämpfen müssen

Die SVP hat die veränderte Ausgangslage nach den Nationalratswahlen in ihr Wahlziel eingebaut: Sie strebt im Wahlkreis nicht einen neunten Sitz an, sondern ist zufrieden, wenn sie die bisherigen acht verteidigt. Und dafür wird sie sich wahlkampfmässig anstrengen müssen: Ihr achter Sitz war 2008 ein Restmandat. Ein solches kann allein durch Pech oder Glück am Wahltag verlorengehen oder gewonnen werden. Kommt dazu, dass bei der SVP nur sieben von acht Bisherigen wieder antreten.

Aspiranten auf den achten Sitz der SVP gibt's in erster Linie zwei: SP und CVP haben von 2008 her eine Scharte auszuwetzen. Die SP wird am 11. März im Wahlkreis sicher beim Stimmanteil zulegen. Ob's zum Sitzgewinn reicht, wird letztlich aber davon abhängen, wie gross der Zuwachs im Vergleich zu den Einbussen der SVP ausfällt.

Wenig wahrscheinlich ist aufgrund des Resultats der Nationalratswahlen, dass es der CVP gelingen kann, am 11. März einen Sitz zuzulegen. Die FDP, die 2008 bei den Kantonsratswahlen im Wahlkreis St. Gallen-Gossau zu den Gewinnern gehörte, dürfte diesmal beim Stimmanteil leicht einbüssen, ihre Chancen sind aber intakt, die bisherigen Mandate über die Runde zu bringen.

Kann die EVP ihren Sitz halten?

National und kantonal im Aufwind sind die Grünliberalen. Ob sie ihre Mandate am 11. März im Wahlkreis St. Gallen-Gossau auf zwei verdoppeln können, ist offen. Das Gleiche gilt für die Grünen, die bei den Nationalratswahlen entgegen dem nationalen Trend gut abgeschnitten haben. Ein Restmandat hat 2008 die EVP errungen. Ob sie es verteidigt, ist offen. Dafür spricht, dass die Partei eine sehr treue Stammwählerschaft hat. Dagegen, dass in den letzten Jahren ihr Stimmanteil leicht rückläufig war.





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