Buchsbaumzünsler hat in der Stadt gewütet: Grosse Buchsbäume gefällt

SCHÄDLING ⋅ Der Buchsbaumzünsler ist in der Stadt auf dem Vormarsch. Bei seiner Bekämpfung verzichtet das Gartenbauamt auf Insektizide. Stattdessen kommt die Motorsäge zum Einsatz – wie diese Woche am Bernegghang.
02. Dezember 2017, 11:22
Christina Weder

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Die Motorsägen heulten am frühen Mittwochnachmittag ohne Vorwarnung auf. Mitarbeiter des städtischen Gartenbauamts fällten am Falkenburgweg, der als Treppe direkt zur Falkenburg hinaufführt, drei stattliche Buchsbäume. Eine Anwohnerin traute ihren Augen kaum. «Die Buchsbäume wurden einfach abrasiert», empört sie sich. Der Gartenliebhaberin tat der Anblick weh. Sie hätte weinen können.

Es habe sich um grosse, bis zu drei Meter hohe Sträucher gehandelt. Angesichts der Tatsache, dass Buchsbäume nur sehr langsam wachsen, schätzt sie deren Alter auf 30 bis 40 Jahre. Sie seien gesund gewesen, sagt sie und weist auf ein paar grüne Zweige, die sie auf die Seite gelegt hat.
 

«Warum muss man da gleich ‹Tabula rasa› machen?»

Um zu erfahren, warum die Büsche gefällt wurden, fragte sie bei den Arbeitern nach. Und erhielt zur Antwort, der Grund sei der Buchsbaumzünsler. Man werde auch noch an anderen Orten in der Stadt die Buchsbäume auf öffentlichem Boden entfernen, um die Ausbreitung des Schädlings zu verhindern.

Die Antwort überzeugte die Anwohnerin nicht. Eine «Totalrodung» sämtlicher Buchsbäume hält sie für übertrieben. «Ich frage mich, warum man gleich ‹Tabula rasa› machen muss.» Sie befürchtet, dass mit Verweis auf andere Baumkrankheiten auch weitere Bäume und Büsche verschwinden könnten. Es sei noch nicht lange her, dass eine Eiche und eine Eibe in der Nachbarschaft gefällt worden seien.

Dort, wo die Buchsbäume standen, lag tags darauf eine dünne Schneedecke. Sie überzog die frischen Baumstümpfe, als wäre nichts gewesen. Peter Schläpfer vom städtischen Gartenbauamt rechtfertigt die Fällungen. Sie seien nicht einfach grundlos gemacht worden, sagt er. Zum einen sei es auf der fraglichen Treppe immer nass und düster gewesen. Zum anderen seien die Buchsbäume tatsächlich vom Buchsbaumzünsler befallen gewesen. «Den mussten wir bekämpfen.» Insektizide zu verwenden, kam für Schläpfer an dieser Stelle aber nicht in Frage. «Wenn wir gespritzt hätten, hätten wir bestimmt auch Anrufe von Nachbarn erhalten, die sich beschwerten.»

Das Gartenbauamt rückt dem Buchsbaumzünsler erst seit kurzem zu Leibe. Vor zwei, drei Jahren tauchte der Schädling laut Schläpfer noch vereinzelt in der Stadt auf. Seither hat er sich aber massiv vermehrt. «Dieses Jahr hatten wir an vielen Orten einen Befall.» Da sei es nicht sinnvoll, überall zu spritzen. Trotz Einsatzes von Insektiziden lasse sich der Schädling nicht vollständig ausrotten. «Es ist vorhersehbar, dass er nächstes Jahr wieder kommt.»
 

Noch unklar, wo weitere Buchsbäume gefällt werden

Erfolgsversprechender ist es laut Schläpfer, die Buchsbäume zu entfernen und an ihrer Stelle etwas anderes zu pflanzen – etwa ein einheimisches Wildgehölz. «Dann hat man das Problem nicht mehr.» Dieses Vorgehen empfiehlt er auch Besitzern von Privatgärten, wo Buchsbäume häufiger vorkommen als im öffentlichen Raum. Ob es am Falkenburgweg eine Ersatzpflanzung geben wird, steht laut Schläpfer noch nicht fest. Ebenfalls unklar sei, wo in der Stadt noch weitere Buchsbäume gefällt werden. «Das schauen wir im Moment an.»


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