Fahrende sorgen für Verwirrung

Im Industriegebiet Gossau-Ost soll ein Durchgangsplatz für Fahrende entstehen. Erst war von «Schweizer Fahrenden» die Rede, nun sollen auch ausländische kommen dürfen. Der Quartierverein Winkeln hat Einsprache eingelegt.

17. Juli 2012, 07:45
DAVID GADZE

Eine Gruppe von Fahrenden hat wieder in St. Gallen Halt gemacht. Sieben Wohnwagen, etwa 30 Personen, alle aus Frankreich. Seit Samstag stehen sie im Breitfeld. Strom beziehen sie aus eigenen Aggregaten, Wasser holen sie mit Kanistern an der Tankstelle.

Sie wissen, dass sie hier nicht willkommen sind. Die Polizei sei bereits vorbeigekommen. Man duldet sie einen oder zwei Tage, dann müssen sie weiterziehen. «Doch wo sollen wir sonst hin?», fragt Carlos, einer von ihnen. «Wenn wir weggewiesen werden, dann suchen wir uns einen anderen Standplatz. Bis man uns auch dort wieder vertreibt.» Gelegentlich lassen sie sich auf dem Land von Bauern nieder, «natürlich gegen Bezahlung», wie sie betonen. Doch die Polizei habe sie auch von solchen Plätzen weggewiesen.

Schweiz bietet zu wenig Plätze

Die Wintermonate verbringen sie in Strassburg, den Rest des Jahres reisen sie durch Europa. Fast überall sonst biete man Fahrenden mehr Standorte und eine bessere Infrastruktur als in der Schweiz – und speziell in der Deutschschweiz. «In der Romandie gibt es mehr Plätze, aber auch mehr Toleranz. Hier ist es viel schwieriger. Gerade mit Kindern», sagt Carlos. Dabei würden sie nicht viel verlangen: «Strom, Toiletten, Duschen, Wasser und saubere Plätze, das ist alles. Wir zahlen auch dafür.»

Gerade in St. Gallen sei die Situation seit Jahren gleich schlecht. «Schon seit 20 Jahren wird erzählt, dass man einen Durchgangsplatz errichten möchte. Und noch immer hat man es nicht geschafft», sagt Carlos. «Wir haben Geduld, aber wir brauchen eine Lösung.»

Durchgangsplatz gibt zu reden

Eine solche Lösung wäre der geplante Durchgangsplatz am Rand des Industriegebiets Gossau-Ost. Doch ausgerechnet dieser sorgt zurzeit für grosse Verwirrung. In verschiedenen Dokumenten des Kantons St. Gallen und der Stadt Gossau hiess es, er werde «für Schweizer Fahrende» erstellt. Nun sollen ihn auch ausländische Fahrende benützen dürfen. Der Quartierverein Winkeln hat deswegen Einsprache eingelegt.

«Nach der Präsentation des Konzepts im Dezember 2008 waren wir für diesen Platz, auch wenn die Fahrenden durch Winkeln fahren müssten», sagt Quartiervereinspräsident Ramon Gubelmann. In der Auflage heisse es statt «ausschliesslich» jetzt jedoch nur noch «in der Regel». «Damit sind wir nicht einverstanden. Wir wollen eine klare Regelung, die besagt, dass nur Schweizer Fahrende auf den Durchgangsplatz kommen dürfen», fordert Gubelmann. «Was wird nur geschehen, wenn zehn Mercedes mit Anhängern unangemeldet vor dem Eingang stehen?». Gossau werde bestimmt keine Hotline einrichten. «Und dann landen sie in Winkeln».

Sachbeschädigungen und Abfall

Die ausländischen Fahrenden hätten eine andere Mentalität und hielten sich nicht an die Regeln, sagt Gubelmann. «In der Vergangenheit hat man immer wieder gehört, dass es Sachbeschädigungen gab oder Abfall liegengelassen wurde.» Das Quartier habe ohnehin schon genügend Probleme mit Littering und Vandalismus entlang der Herisauer Strasse.

«Wenn uns der Kanton St. Gallen und die Nachbarregion etwas versprechen, dann erwarten wir, dass kein Etikettenschwindel betrieben wird», sagt Gubelmann. Laufe der Betrieb erst einmal, heisse es plötzlich, die Spielregeln seien anders. «Dann können wir nichts mehr machen, ausser uns den Vorwurf gefallen lassen, wir hätten das verschlafen.»

Unterscheidung unrechtmässig

Cornelia Sutter vom Amt für Raumentwicklung und Geoinformation des Kantons St. Gallen bestätigt, dass auch ausländische Fahrende den Durchgangsplatz benützen dürften. «Wir können das Nutzungsrecht nicht ausschliesslich Schweizer Fahrenden vorbehalten. Dies käme einer Diskriminierung gemäss Bundesverfassung gleich.»

Man habe aber – auch auf Wunsch von Schweizer Fahrenden, die keine Durchmischung wünschten – bewusst versucht, den Durchgangsplatz möglichst klein zu halten und so für die ausländischen Fahrenden uninteressant zu machen. «Diese sind meist in grösseren Gruppen unterwegs. Die 10 bis 15 Plätze dürften für sie in der Regel zu wenig sein.»


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