Nicht alle Gemeinden sind bei den Hallenbädern solidarisch

REGIONAL ⋅ Eine Studie schlägt vor, regional genutzte Bäder auch regional zu finanzieren. Ein Finanzierungsmodell liegt vor, nun wird die Umsetzung ausgearbeitet. Einige Gemeinden wollen sich aber nicht beteiligen.
05. Dezember 2017, 05:19
Marlen Hämmerli

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Gossau, Wittenbach, Herisau und Speicher haben eines. Und in St. Gallen gibt es mit dem Volksbad und dem Blumenwies gar zwei Hallenbäder. Alle sind renovierungsbedürftig, mehr oder weniger defizitär und werden durch die Steuerzahler subventioniert. In Wittenbach wurde deshalb schon angedacht, von auswärtigen Bürgern, Vereinen und Schulen höhere Eintrittspreise zu verlangen. In einer Studie der Regio Appenzell AR-St. Gallen-Bodensee wird nun ein Verbundmodell vorgeschlagen (siehe Zweittext). Doch einige Gemeinden stellen sich dagegen.

Einiges spricht gegen das Verbundsystem

Toni Thoma, Gemeindepräsident von Andwil, stellt auf Anfrage hin fest, dass kein Gesetz vorschreibt, den Bürgern ein Hallenbad zur Verfügung zu stellen. Deshalb sei fraglich, ob Andwil das Bad einer anderen Gemeinde mitfinanzieren soll. Denn: «Bei einer solchen ‹Solidarisierung› von Kosten zahlen alle Steuerzahler für eine Minderheit von Nutzern.» Der Gemeinderat Andwil erkenne die Leistung von Gemeinden mit Hallenbädern an. Ziel müsse jedoch sein, die Betriebskosten über die Eintrittspreise zu finanzieren. Dass diese für Auswärtige allenfalls teurer werden, sei zwar bedauerlich, aber nachvollziehbar.

Gaiserwald stellt sich gegen ein Verbundmodell. «Wenn alle Gemeinden den Betrieb Einzelner mitfinanzieren sollen, muss ihnen bei Investitionsentscheiden auch ein Mitspracherecht eingeräumt werden», sagt Gemeindepräsident Boris Tschirky. Gaiserwald sei allerdings bereit, Bädern, die zum Beispiel fürs Schulschwimmen genutzt werden, «angemessene Beiträge zu zahlen». Denn anders als der Bau eines Bads ist der Schwimmunterricht vorgeschrieben. Hier sieht Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari einen entscheidenden Punkt: «Sollten die Eintrittskosten fürs Schulschwimmen gleich hoch bleiben, ist der Verbund nicht interessant und ein Beitritt entsprechend unwahrscheinlich.» Ein Tarifmodell ist noch nicht beschlossen, sondern erst angedacht. Der Gemeinderat Waldkirch werde erst über einen Beitritt zum Verbund entscheiden, wenn das Modell feststehe. «Je nachdem ist Waldkirch dabei oder wir nehmen die Mehrkosten bei den Einzeleintritten von 30 bis 40 Prozent in Kauf.»

Über den Verbund stimmen schlussendlich die Bürger ab

Anders ist die Situation in den Gemeinden, die geografisch näher bei Wittenbach liegen. Die Gemeindepräsidenten von Eggersriet, Häggenschwil, Mörschwil und Muolen teilen mit, dass sie nicht nur mit dem Verbundmodell, sondern auch mit der vorgeschlagenen Finanzierung einverstanden sind. Kommt der Verbund zu Stande, muss der jährlich wiederkehrende Betrag von acht Franken pro Einwohner ins Budget aufgenommen und den Bürgern vorgelegt werden. Für den Gemeindepräsidenten von Eggersriet, Roger Hochreutener, steht fest: «Der Gemeinderat wird sich auf jeden Fall für die regionale Solidarität aussprechen.» Ähnlich sieht dies Sandro Parissenti, Gemeindepräsident von Berg: Es sei nur solidarisch, als kleine Gemeinde jene mit Bädern zu unterstützen. «Wir profitieren auch von der Infrastruktur.»

Beschlossen wurde jedoch noch nichts, auch wenn die Studienautoren eines der vorgeschlagenen Finanzierungsmodelle favorisieren. Die «Regio» lässt eine weitere Studie erarbeiten, um das Tarifsystem und die Umsetzung zu klären. Alle Gemeinden mit Hallenbad, auch Gossau und Wittenbach mit dem «Rosenau» und dem «Sonnenrain», stellen sich hinter dieses Vorgehen. Der Wittenbacher Gemeindepräsident Fredi Widmer stellt fest: «Als Gemeinde mit Hallenbad sind wir interessiert, wenn sich möglichst viele Gemeinden anschliessen.» Ob sich Wittenbach ein Hallenbad leisten kann, ist unsicher, wie Regio-Geschäftsleiter Rolf Geiger kürzlich gegenüber der SDA sagte.

 


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