Velofahrer drängen auf Busspur

In St. Gallen dürfen Velofahrer nicht auf Busspuren fahren. Anders sieht es in Städten wie Bern oder Genf aus. Velofahrer fordern darum die Öffnung aller Busspuren in einer Testphase. Die VBSG sind dagegen, die Stadt ist für eine Teilöffnung.

18. August 2012, 08:54
RALF STREULE

Velofahrer der Stadt werden ungeduldig. «Busspur befahren verboten», heisst es für sie weiterhin. Zwar hat die Stadt schon 2008 angekündigt, die Situation «je nach örtlichen Gegebenheiten zu überprüfen», und diesen Satz im Richtplanentwurf wiederholt. Geändert hat sich seither aber nichts.

Nicht länger warten will Roman Weibel, ein städtischer Viel-Velofahrer und Mitglied bei der regionalen Sektion von Pro Velo. Um den Absichten der Stadt Vorschub zu leisten, hat er sich in 50 Städten und Städtchen der Schweiz umgehört. In einer aufwendigen Umfrage hat er erörtert, in welchen Städten Busspuren benutzt werden dürfen. Die Resultate, die Weibel auch dem Stadtrat vorgelegt hat, zeigen: In vielen Städten stehen die Busspuren zumindest teilweise den Velofahrern zur Verfügung. Die meisten dieser Städte haben angegeben, keine negativen Erfahrungen damit gemacht zu haben (Kasten).

Weiterer Vorstoss ist geplant

Velofahrer befänden sich in der Stadt oft in gefährlichen Situationen wieder, schreibt Weibel: «Im Sandwich zwischen Bus rechts und Autos links.» Im Anhang zu seiner Umfrage schlägt er darum vor, in einer Testphase alle Busspuren für Velos zu öffnen und danach ein Fazit zu ziehen. Die gleiche Forderung will Stadtparlamentarier Thomas Schwager (Grüne) auf politischer Ebene stellen. Zusammen mit weiteren Parlamentariern wolle er bald eine Vorlage einreichen, die eine ebensolche Pilotphase vorsehe, sagt er. Wenig begeistert davon ist – wie bereits 2008, als das Thema letztmals im Parlament behandelt wurde – Ralf Eigenmann, der Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG). Man müsse die Situation «differenziert und auch aus Sicht der Busbetriebe betrachten». Velofahrer auf Busspuren seien ein Hindernis. Einer Teilöffnung der Busspuren steht er darum skeptisch gegenüber, eine Testphase mit einer Velo-Mitbenützung aller Busspuren sei für ihn undenkbar. «Vor allem bei steilen und schmalen Stellen gäbe es gefährliche Überholmanöver», sagt er. Anderseits könnten die Busfahrer den Fahrplan nicht mehr einhalten, wenn sie Velofahrer vor sich hätten, die nicht überholt werden könnten. «Wir müssten den Fahrplan anpassen, allenfalls sogar Zusatzfahrten aufbieten», sagt er. «Eine Öffnung würde Geld kosten, wir brauchten einen Zusatzkredit der Stadt.»

Schwager und Weibel sehen die Situation anders. Beide sind sicher, dass eine Mitbenutzung nur selten zu Konflikten zwischen Velofahrern und Bussen führen würde und dass die Sicherheit für die Velofahrer gar erhöht würde.

Stadt bald mit Vorschlag

Die Stadt sei in diesem Thema nicht untätig geblieben in den vergangenen Jahren, sagt Stadtingenieur Beat Rietmann auf Anfrage. Man sei daran zu analysieren, in welchen Abschnitten eine Öffnung für Velos Sinn mache. Dass es vier Jahre lang keine Anpassungen gab, erklärt er damit, dass «eine Gesamtbeurteilung Zeit braucht». Es könne nicht einfach eine Busspur geöffnet werden, ohne die Auswirkungen auf Stauräume und den öffentlichen Verkehr genauer zu kennen. Vielmehr müsse ein Konzept aufzeigen, wo eine Eigentrassierung, ein Velostreifen oder eben eine Mitbenutzung der Busspur möglich sei. Die Städteumfrage müsse zudem im richtigen Zusammenhang gelesen werden, sagt Rietmann. «Viele Städte haben andere Voraussetzungen, was die Topographie oder die Breite der Busspuren angeht.»

Dass die Analyse der Stadt weit fortgeschritten ist, erklärt Stefan Pfiffner, beim Tiefbauamt verantwortlich für Veloverkehr. Das Ziel sei, bis Ende Jahr das Betriebskonzept mit Aussagen zu Busspuröffnungen für einen Teilabschnitt erstellt zu haben. Denkbar sei beispielsweise, den leicht abwärts führenden Bereich beim Kantonsspital auf der Rorschacher Strasse zu öffnen. Problematisch aber seien Steigungen und schmale Stellen. Darum sei eine gänzliche Öffnung heikel.

Bis dahin bleibt das Velofahren auf Busspuren verboten. Gemäss Stadtpolizeisprecher Benjamin Lütolf würden Velofahrer, die Busspuren benutzten, auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht. Dabei erkläre man ihnen auch, dass sie bei einem allfälligen Unfall bei späteren Rechtsfragen im Nachteil wären. Für die Velofahrer wohl ein Grund mehr, sich für die Öffnung von Busspuren einzusetzen.


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