Polizeichef Valier: «Illegale Party in St. Gallen unterschätzt»

Auch Alkohol spielte bei der Party im St.Galler Zentrum eine Rolle. Zoom

Auch Alkohol spielte bei der Party im St.Galler Zentrum eine Rolle. (Michel Canonica)

MIT VIDEOS ⋅ ST.GALLEN. Die Polizei hat nach eigenen Angaben die illegale Party vom Samstag in St.Gallen unterschätzt. Die Suche nach den anonymen Initianten, die via SMS und Whats App zur Teilnahme einluden, läuft. Die Überwachungskameras sollen Hinweise auf weitere Straftaten liefern.

16. Juli 2012, 16:50
Nach den Ausschreitungen von Samstagnacht an einer unbewilligten Party mit rund 500 Teilnehmern in der Stadt St.Gallen laufen gegen fünf 16- bis 24-Jährige Verfahren wegen Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die jungen Männer wurden vorübergehend inhaftiert und sind seit Sonntag wieder auf freiem Fuss.

Von den Aufzeichnungen der festinstallierten Überwachungskameras auf dem Bohl und von weiteren Video-Filmen erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft Hinweise auf weitere Straftäter. Dies sagte Pius Valier, Kommandant der Stadtpolizei St.Gallen, an einer Medienkonferenz vom Montag.

Die Auswertungen seien in Gang. Der Schaden der eskalierten Party lasse sich noch nicht beziffern, betrage aber mehrere zehntausend Franken. Die Polizei habe die Party unterschätzt. «Ein nächstes Mal würden wir von Anfang an mehr Einsatzkräfte aufbieten», sagte der Chef der Stadtpolizei.

(Corinne Riedener15.07.2012)


Polizei wusste von Party
Die Polizei habe seit Ende Juni von anonymen Aufrufen zur illegalen Party am Marktplatz Bohl gewusst. Via SMS und Whats App seien die Leute aufgefordert worden, Musik, Alkohol und gute Laune mitzubringen. «Die meisten Partygänger haben wahrscheinlich ein friedliches Happening erwartet», sagte Valier.

Die Polizei habe von Anfang an Präsenz markiert und sei um 20 Uhr mit einer nach damaliger Einschätzung «verhältnismässigen» Anzahl Polizisten in normaler Uniform vor Ort gewesen. Wieviele Polizisten es waren und wie gross das spätere Ordnungsdienst-Aufgebot war, wollte der Chef der Stadtpolizei nicht sagen.

(Corinne Riedener15.07.2012)


Alkohol und Gaffer
Um 21 Uhr seien 400 bis 500 Personen auf dem Bohl gewesen, die den Verkehr behinderten. «Viele Jugendliche waren stark alkoholisiert.» Zudem habe es zahlreiche Gaffer gegeben, sagte Einsatzleiter Walter Schweizer. Die meisten Personen seien friedlich gewesen. Ein Kern von zehn Personen habe jedoch die Stimmung aufgeheizt und die anwesenden Polizisten beschimpft.

Als rund 15 bis 20 Personen auf das Dach der Calatrava-Haltestelle kletterten und den Stromleitungen von Bus und Bahn gefährlich nahe kamen, wurde der Strom in den Fahrleitungen abgestellt. Die Gruppe wurde aufgefordert, vom Glasdach herunter zu steigen. Statt dem Befehl der Ordnungshüter Folge zu leisten, haben
die Partygänger die Polizisten mit Bier begossen und Flaschen hinuntergeworfen, wie Schweizer sagte.

Nach einer «illegalen» Party mit mehreren Schlägereien räumt die St.Galler Stadtpolizei den Bohl. (Corinne Riedener15.07.2012)


Gummischrot und Tränengas
Da es ausserdem zu mehreren Schlägereien unter Partygängern gekommen sei, habe er den Ordnungsdienst aufgeboten, sagte der Einsatzleiter. Als die mit Helmen und Schutzwesten ausgerüstete Truppe ausrückte, verliessen laut Schweizer die meisten Teilnehmer und Gaffer den Marktplatz.

Eine Gruppe Gewalttätiger sei jedoch geblieben. «Sie warfen Steine und Flaschen und gingen mit Metallstangen auf die Polizisten los», berichtete Schweizer. Erst als die Polizei Gummischrot und danach Tränengas eingesetzte, habe sich die Lage beruhigt. (sda)

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