Bohren, baggern, betonieren

DURCHMESSERLINIE ⋅ In etwas mehr als eineinhalb Jahren wird der Ruckhaldetunnel der Appenzeller Bahnen eröffnet. Mehr als die Hälfte ist gegraben, im Sommer erfolgt der Durchstich. Bis der erste Zug fährt, bleibt aber viel zu tun.
20. März 2017, 05:36
David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Wasser rinnt entlang des Weges, immer wieder stapft man durch knöcheltiefen Schlamm. Die Luft ist kühl und feucht, es riecht modrig, Stimmen vermischen sich mit Geräuschen von Maschinen. Baustellenfahrzeuge, die aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten, fahren durch das rund siebeneinhalb Meter hohe und sechseinhalb Meter breite Loch. Hier, tief drin im Ruckhaldetunnel, rund 40 Meter unter der Oberfläche, ist man in einer eigenen Welt.

29 Bauarbeiter und drei Kaderleute stehen derzeit im Einsatz, um das 700 Meter lange Jahrhundertprojekt der Appenzeller Bahnen zu verwirklichen. Im Hintergrund arbeiten nochmals so viele mit. Ab April 2018, wenn die Schienen verlegt werden, die neue Brücke über die Oberstrasse erstellt wird und diverse andere Arbeiten erfolgen, werden bis zu 80 Arbeiter die Baustelle bevölkern.

Einen Meter pro Tag in den Berg hinein

Seit Juli graben sich die Arbeiter von Norden her immer tiefer in die Ruckhalde. Rund 360 Meter weit sind sie bereits in den Hügel eingedrungen und befinden sich derzeit im Bereich der Solitüdenstrasse. Seit November wird auch von Süden her gegraben. Etwas mehr als 80 Meter sind hier ausgehöhlt, bis kurz vor dem Nestweiher. Etwa einen Meter legen die Arbeiter pro Tag und Richtung zurück. Noch rund 250 Meter bleiben, der Durchstich ist für Mitte Juli geplant. Wo genau, ist noch offen. Das hängt davon ab, wie schnell die Arbeiten von beiden Seiten vorankommen.

Überraschungen gibt es zwar praktisch keine. «Dank geologischer Abklärungen wissen wir ziemlich genau, was uns erwartet», sagt Bauleiter Thomas Looser. Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Im nördlichen Tunnel­abschnitt sei die Geologie momentan schwierig: «Das Material ist so feinkörnig, dass es praktisch davon schwimmt, sobald es in Kontakt mit Wasser kommt.» Und dieser lässt sich kaum vermeiden, obwohl das Grundwasser konstant abgesenkt wird: Etwa zehn Liter pro Sekunde, insgesamt die Hälfte des Gübsensees in rund zweieinhalb Jahren Bauzeit. Doch die Schichten, die jetzt abgetragen werden müssen, enthalten viel Wasser, das beim Abbruch austritt. Die Folge ist, dass die sogenannte Ortsbrust – die Fläche, die beim Vortrieb abgetragen wird – derzeit nicht als Ganzes, sondern in Teilflächen abgegraben werden kann.

Ein Rundgang durch die Baustelle des Ruckhaldetunnels in St.Gallen zeigt, wie weit die Bauarbeiten schon fortgeschritten sind. Noch braucht es aber einiges, bis der Tunnel der Appenzellerbahn fertig ist. (Bilder: Benjamin Manser)

Ein Schutzschirm aus Rohren

Damit die Tunneldecke beim Vortrieb nicht einstürzt, entsteht ein Rohrschirm, der in Etappen von jeweils 15 Metern trichterförmig aneinandergereiht wird. Dabei werden Metallrohre oben ins Erdreich gepresst und mit Zement verfüllt. So entsteht eine Art Dach, unter dem der Tunnelvortrieb weitergeführt werden kann. Nach jedem Meter wird ein Ring aus massgefertigten Stahlbögen installiert, der die Statik über den ganzen Kreis schliesst.

Acht Prozent beträgt die Steigung im Ruckhaldetunnel. Es wird die steilste Strecke sein auf dem Stammnetz der Appenzeller Bahnen, also ohne die Strecken Gais–Altstätten oder Rorschach–Heiden. «Das ist gerade an der Grenze dessen, was wir ohne Zahnradbetrieb bewältigen können», sagt Mediensprecher Alexander Liniger. Zum Vergleich: Die Kurve bei der Verzweigung Linsebühlstrasse/Speicherstrasse, einer der steilsten Abschnitte auf der Strecke St. Gallen–Trogen, hat eine Steigung von etwas unter acht Prozent. 30

Tag des offenen Tunnels

So, 10 bis 18 Uhr; Führungen in Gruppen von zehn Personen an beiden Tunnelportalen

www.modernisierung-ab.ch


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