Und plötzlich war da ein Loch

RORSCHACH ⋅ Unter dem Trottoir der Löwengartenstrasse - gleich neben der Baugrube - ist ein unterirdischer Hohlraum entstanden. Bauarbeiter schütten ihn in den nächsten Tagen zu. Eine Gefahr habe nicht bestanden.
25. November 2017, 07:50
Janina Gehrig

Janina Gehrig

janina.gehrig@tagblatt.ch

Es rattert in der Baugrube beim Löwengarten-Areal. Ein Kran balanciert eine Art Trichter über die behelmten Köpfe hinweg. Bagger schaufeln Erdmaterial zu einem Haufen zusammen, ein Betonmischer leert seinen Inhalt aus. Schaulustige strecken die Köpfe über die rostigen Zäune und beobachten die rund 20 Männer, die da unten arbeiten.

Abgesperrt ist aber nicht nur die Baugrube, sondern seit kurzem auch ein Teil der Löwengartenstrasse samt Trottoir. Zwischen der Greina- und der Kamorstrasse ist die Fahrbahn nur einseitig befahrbar. Hinter der Abschrankung klafft ein Loch im Boden, Leitungen und Röhren sind freigelegt. Was ist passiert?

Fünf Meter tiefes Loch entstanden

«Während der Bauarbeiten ist ein unterirdischer Hohlraum entstanden», sagt Otto Fitzi, Bauherrenvertreter der Firma Uze AG, Eigentümerin und Bauherrin des Projekts. Bemerkt habe man das Loch vergangene Woche, als plötzlich Erdmaterial unten an der Bauwand in die Grube ausgeschwemmt sei.

Zunächst habe man den Asphaltbelag an der Löwengartenstrasse geöffnet. Dabei habe sich herausgestellt, dass das Erdmaterial unter der Asphaltdecke abgerutscht war. Das entstandene Erdloch war um die fünf Meter tief. «Der zuständige Tiefbauer hat den Hohlraum nun wieder bis auf etwa einen Meter unterhalb der Strasse aufgefüllt», sagt Fitzi. Nun müssten die Werke noch die Strom- und Gasleitungen kontrollieren, bevor das Trottoir und die Strasse wieder freigegeben werden könnten. Das dauert laut Fitzi noch rund eine Woche.

«Stabilität war jederzeit gewährleistet»

Eine Gefahr für Autofahrer oder Fussgänger habe nicht bestanden, sagt Fitzi. «Die Strasse hat sich keinen Millimeter bewegt.» Die Stabilität sei dank der Baugrubenwand, die aus Stahlträgern und Betonelementen besteht, gewährleistet gewesen. Und: «Der Strassenbelag mit dem darunterliegenden Schotter wäre ohnehin nicht eingebrochen.»

Der Hohlraum sei entstanden, weil das Material im Untergrund sehr durchnässt war. Deshalb sei dieses an der schwächsten Stelle unten an der Baugrube ausgeschwemmt worden.

Auf das Ereignis waren Fitzi sowie die zuständigen Bauunternehmen vorbereitet. Bei so anspruchsvollen Baugruben wie jener auf dem Löwengarten-Areal – sie misst derzeit 12 Meter Tiefe – seien die Risiken schon im Voraus bekannt gewesen und dokumentiert worden, sagt Fitzi. «Deshalb konnten wir auch sofort reagieren.» So werde der Wasserstand im Untergrund sowie allfällige Bewegungen rund um die Baustelle permanent überwacht.

Auf dem Löwengarten-Areal entstehen in den nächsten zwei Jahren fünf neue Gebäude mit gut 80 Wohnungen, unterirdischen Parkplätzen sowie Ladengeschäften, Büros und einem Restaurant. Der Aushub wird schliesslich 13 Meter tief sein. Ist das Fundament erst erstellt, wird in einem nächsten Schritt eine zweistöckige Tiefgarage gebaut.


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