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Tagblatt Online, 9. August 2012, 06:17 Uhr

Erst Black Box bringt Klarheit

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Bei der Bruchlandung des Jets wurde ein Teil des am Pistenende liegenden Maisfeldes mit Kerosin verunreinigt. Die Erde wird abgetragen und im Zementwerk Untervaz verbrannt. (Bild: Rudolf Hirtl)

Am Montag ist ein Passagierjet beim Airport über die Landebahn hinausgerast. Mittlerweile deutet zwar vieles auf einen Pilotenfehler hin, definitive Antworten wird aber erst die Auswertung des Flugdatenschreibers liefern.

RUDOLF HIRTL

ALTENRHEIN. Der über die Piste hinausgeratene Passagierjet der Dalia Air wird in einem Hangar des Airports St. Gallen-Altenrhein von Fachleuten untersucht. Laut Florian Reitz, Untersuchungsleiter der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust), wurde die Crew über den Vorfall befragt. Nun würden die vom Piloten geschilderten Abläufe mit den Daten der Black Box (*) verglichen.

«Über die Unfallursache kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Angaben machen. Erst wenn alle Puzzleteile zusammengefügt sind, wird sich eine komplettes Bild ergeben», sagt Seitz.

Bericht erst in einem Jahr

Während sich der Untersuchungsleiter mit Aussagen zur Ursache zurückhält, deutet nach Recherchen des Schweizer Fernsehens vieles auf einen Pilotenfehler hin. Am Montag herrschte starker Rückenwind auf der 1500 Meter langen Westpiste, wie der Rheinecker Aviatikexperte Hansjörg Bürgi in «Schweiz aktuell» sagte. Ein Landeanflug auf der entgegengesetzten Ostpiste wäre daher besser gewesen, erklärt der Chefredaktor des Fachmagazins «SkyNews.ch». Laut der Fluggesellschaft Dalia Air in Casablanca handelt es sich bei der Crew allerdings um erfahrene Piloten. Nur dank ihres richtigen Verhaltens habe Schlimmeres verhindert werden können.

Laut Florian Reitz dauert es erfahrungsgemäss ein Jahr, ehe ein Untersuchungsergebnis vorliegt, das Klarheit über den Vorfall bringen wird. «Wir müssen parallel an anderen Fällen arbeiten, ausserdem werden externe Experten beigezogen, erfolgt eine Rücksprache beim Flugzeughersteller und müssen Fristen für Stellungnahmen eingehalten werden», so Reitz zur Frage, weshalb dies so lange dauert.

Erde wird verbrannt

Der über die Landebahn hinausgeschossene zweistrahlige Jet hat einen massiven Drahtzaun durchbrochen und ist hundert Meter nach der Piste stark beschädigt in einem Maisfeld liegengeblieben. Weil dabei einige Quadratmeter Ackerboden mit Kerosin verunreinigt wurden, muss die Erde nun abgetragen werden. Laut einer Vertreterin des Amtes für Umwelt und Energie St. Gallen, wird die Erde dem Zementwerk Untervaz zugeführt. «Bei 2000 Grad werden alle organischen Stoffe verbrannt. Was an Bestandteilen übrigbleibt, können wir für die Herstellung von Zementklinker brauchen», sagt Markus Hepberger, Mediensprecher des Zementwerkes.

 

(*) Der umgangssprachlich als Black Box bezeichnete Flugschreiber ist ein von Flugzeugen mitgeführtes Aufzeichnungsgerät, das Flug- und Flugzeugdaten speichert. Ein Stimmenrecorder gibt zusätzliche Möglichkeiten, den Unfallhergang nachzuvollziehen.



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