"Der reinste Schweinestall": Streit um ein Rorschacher WC

AUFRUHR AUF FACEBOOK ⋅ Claudia Bänziger ist wütend und hat deshalb Bilder von verdreckten Toiletten der Siddhartha Buddha Lounge ins Internet gestellt. Ein Mitglied der Geschäftsleitung drohte ihr mit einer Anzeige.
24. November 2017, 08:37
Arcangelo Balsamo

Arcangelo Balsamo

arcangelo.balsamo@tagblatt.ch

Vor der Türe liegen grüne Papiertücher. Sie lassen erahnen, was weibliche Gäste auf den Toiletten erwartet: Der Abfallkübel neben dem Lavabo quillt über, in den Kabinen liegen aufgebrauchte WC-Papier-Rollen und Hygienebeutel. Auch dort sind die grünen Tücher überall verstreut. In der Facebookgruppe «Du bisch vo Rorschach, wenn...» machen solche Bilder die Runde. Entstanden sind sie vor zwei Wochen am Samstagabend in der Siddhartha Buddha Lounge in Rorschach. Gemacht hat sie die Rorschacherin Claudia Bänziger. Ihre Bildbeschreibung auf Facebook: eklig. Viele geben ihr in den Kommentaren recht, einige finden es jedoch auch daneben, dass sie die Bilder ins Internet stellt.

Eine der Kommentierenden gibt auf Anfrage an, dass die Toiletten in der Lounge praktisch immer so vorzufinden seien. Zwar verkehre sie nicht regelmässig im Lokal, doch ihre Eindrücke seit dessen Eröffnung seien folgende: «Toilettenpapier auf dem Boden verteilt und auch in Massen in den Toiletten selber. Überall sind Handtücher – selten im Kübel. Teilweise habe ich sogar Windeln neben dem Abfalleimer gefunden, da dieser überfüllt war.» Sie fügt an, dass sie das Lokal an und für sich sehr schön finde, aber der Zustand der Toiletten überhaupt nicht in Ordnung sei.

«Ich hatte Angst, mich mit etwas anzustecken»

Claudia Bänziger regt sich auf: «Es war der reinste Schweinestall. Ans Pipi machen war nicht zu denken. Ich hatte gar Angst, mich mit etwas anzustecken.» Schliesslich benutzte sie die Männertoilette. Diese sei sauberer gewesen als jene der Damen. Sauer ist sie auch, weil der Geschäftsführer nicht darüber diskutieren wollte und er ihr den Rücken gekehrt habe, sagt sie. «Hauptsache eine schöne Fassade und der Umsatz stimmt. Was im Innern vor sich geht, ist egal», hat sie vor dem Lokal geschrien.

In der Lounge ist man alles andere als glücklich über den Facebook-Post Bänzigers. Nach der Veröffentlichung schrieb ihr ein Mitglied der Geschäftsleitung deshalb eine Nachricht. In dieser wird sie aufgefordert, die Bilder vom Netz zu nehmen. Ansonsten sei man dazu gezwungen, Anzeige zu erstatten, wird ihr gedroht. Bänziger denkt gar nicht daran, den Post zu löschen: «Schliesslich habe ich nichts Verbotenes gemacht.»

Zeki Ok, Geschäftsinhaber der Siddhartha Buddha Lounge, sagt, dass sicherlich keine Anzeige erstattet wird. «Die Nachricht wurde von meinem Sohn geschrieben, als sich dieser extrem aufgeregt hatte», sagt er. Bänziger reagierte auf die Nachricht mit dem türkischen Wort «serefsiz». Auf Deutsch bedeutet dies ehrlos. «So eine Antwort geht überhaupt nicht und ist eine Frechheit. Ausserdem ist es daneben, dass sie an jenem Abend und danach im Internet meinen Sohn als frechen Türken bezeichnet hat. Dabei sind wir gar keine», sagt Ok.

Bänziger sei an jenem Abend um 0.20 Uhr ins Lokal gekommen und betrunken gewesen, sagt Ok. «Um 1 Uhr schliessen wir jeweils und ab etwa 0.30 Uhr gibt’s keine Getränke mehr.» Er geht davon aus, dass sich Bänziger aufregte, weil man sie aufgefordert habe, ihr Getränk in einem Plastikbecher mitzunehmen und ihr kein weiteres ausgeschenkt habe. Als Vorwand nehme sie nun die Bilder der Toiletten. Zu deren Zustand sagt Ok: «Kurz vor Feierabend kann man in einer Bar kein perfektes WC erwarten. Wir kontrollieren es am Freitag- und Samstagabend jeweils drei- bis viermal. Die letzte Runde machen wir um 23 Uhr. Danach nochmals eine zu machen, macht keinen Sinn, da wir es am nächsten Morgen gründlich reinigen. Das macht man in anderen Lokalen auch so.»

«Mein Sohn hat sich bei der Frau noch am selben Abend entschuldigt, doch sie wollte nicht zuhören und hat sich stattdessen lieber aufgeregt und rumgeschrien. Deshalb hat er ihr dann auch den Rücken gekehrt», sagt Ok. Dass seine Söhne und er schlechte Gastgeber seien, sei eine Unterstellung. «Wir haben langjährige Erfahrung und unsere Lounges sind jedes Wochen­ende ausgebucht. Unsere Gäste kommen zum Teil von weit her: Beispielsweise aus Basel oder München. Offenbar machen wir nicht alles falsch. Wem es bei uns nicht passt, kann gerne zu Hause bleiben», sagt Ok.


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