Schwerer Unfall stoppte Übung

RHEINECK-THAL-LUTZENBERG ⋅ Die Feuerwehrübung war eine Art Abschiedsfest. Zunächst verlief alles wunschgemäss. Doch ein Alarm wegen eines schweren Unfalls stoppte die Übung jäh.
20. November 2017, 06:34
Gert Bruderer
Indem die bittere Realität der Feuerwehr Rheineck-Thal-Lutzenberg am Samstag einen Strich durch die Rechnung machte, konnte sich die wichtige Blaulichtorganisation umso mehr beweisen.
Das Strassenrettungsteam hatte eben erst das Material ausgepackt, das auf dem Übungsplatz benötigt wurde, als der Alarm einging. Auf der Appenzellerstrasse in Rheineck waren zwei Autos frontal zusammengestossen. Später meldete die Kantonspolizei, dass alle drei Menschen, ein 21-Jähriger sowie ein 73-Jähriger mit seiner Gattin, in den Autos schwer verletzt worden seien. Die Strasse war stundenlang gesperrt.

Auto mit Anhänger in dichtem Rauch

Bis dahin hatte Alarmstufe 2 im Rahmen der Hauptübung gegolten. Das heisst: Die Feuerwehr war praktisch mit allen 110 Feuerwehrleuten zur Stelle. Bei der Tankstelle auf dem Sefar-Platz war ein Auto mit Anhänger in Rauch gehüllt. Zwanzig Meter entfernt, vor einem Stand mit Pommes-Chips und Getränken, filmte das gespannte und vergnügte Publikum fleissig mit Handys das Wirken der Feuerwehrleute.

Übt die Feuerwehr, ist alles möglichst nahe an der Ernstfall-Wirklichkeit. Es ging in diesem Fall um ein Chemie-Ereignis. Zuverlässig und Schritt für Schritt erklärte Vizekommandant Patrick Rüesch dem Publikum, was geschah. «Soeben ist der Einsatzleiter angekommen.» Aufgrund seiner Beobachtung erhöhte der Einsatzleiter die Alarmstufe von 1 auf 2. Kurz darauf trafen verschiedene Fahrzeuge ein, auch der Hubretter. «Das Gebiet wird abgesperrt», sagte Rüesch, «der Atemschutz versucht, die Leute, die im Fahrzeug sind, herauszuholen.» Es waren zwei. Bald waren sie in Sicherheit, und von den Samaritern wurden sie dem «Hundertvierevierzgi» übergeben.
«Die Rettung kommt immer zuerst, sie ist das Wichtigste», sagte Rüesch. Auf einer anderen Seite des Sefar-Firmengebäudes gab es übungshalber noch mehr Menschen zu retten, denn dort war der erwähnte Unfall für die Feuerwehr-Hauptübung vorbereitet worden.

Abschied vom Feuerwehrdepot

Für die Feuerwehr ging es explizit darum, ganz von Anfang an alles richtig zu machen. Wie die Mutter, die zu ihrem Kind schaut, wenn es morgens in die Schule darf. Sie fordert es bei schlech-tem Wetter nicht nur auf, den Regenmantel anzuziehen, sondern prüft zudem ein wenig später, ob das Kind ihn trägt.

Enzo Termine bediente sich dieses Vergleichs vor dem Übungsbeginn im Feuerwehrdepot in Rheineck. Hier wird der Besucher schon draussen von einer grossen Aufschrift daran
erinnert, dass die drei Gemeinden Rheineck, Thal und Lutzenberg die Feuerwehr jetzt zusammen betreiben und ein gemeinsames Depot in Thal bekommen. Der Gast liest: «Am 30. Juni 2018 wird es eröffnet.» – ein Termin, der unumstösslich ist, wie der Rheinecker Gemeindepräsident Hans Pfäffli versichert.

Das in Rheineck bestehende Depot war zum letzten Mal der Treffpunkt vor dem Üben. Insofern war der Anlass vom Samstag auch ein Abschied.

Das Publikum löschte ebenfalls

Die Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich auf dem Übungsplatz in Thal eingefunden hatten, wurden Zeugen blitzschneller Arbeit und sahen bestätigt, wovon sie ohnehin ausgegangen waren: dass die Feuerwehr ihr Handwerk versteht.

Während das Strassenrettungsteam sich daran machte, beim schweren Unfall auf der
Appenzellerstrasse zwischen Lutzenberg und Rheineck seinen Job zu machen, wandte sich das Publikum Vergnüglichem zu. Die Firma Sefar bewirtete alle mit einer feinen Wurst vom Grill, sodass man sich bei geselligem Beisammensein austauschen und ohne Eile ebenfalls einen Brand löschen konnte, nämlich jenen in der Kehle.

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