Mehr Eltern wollen ihr Baby in Kita bringen

BETREUUNG ⋅ Während Rorschach eine lange Warteliste führt, gibt es in Untereggen noch keine Nachfrage. Eine Umfrage zeigt: Nicht alle Kita-Plätze sind gleich gefragt. Am begehrtesten sind Plätze für Babys.
05. Dezember 2017, 05:19
Jolanda Riedener

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Eine behütete Umgebung, kompetente, zuverlässige und liebevolle Betreuerinnen: Das wünschen sich Eltern. Überhaupt einen Platz für den Nachwuchs in einer Kita zu finden, ist jedoch in Gemeinden der Region gar nicht so einfach. Zwar wurde das Kinderbetreuungsangebot im Kanton St. Gallen in den vergangenen Jahren ausgebaut. Im Vergleich zum Rest der Schweiz ist es aber unterdurchschnittlich. Pro 100 Kinder stehen im Kanton sechs Vollzeitplätze zur Verfügung. Zu diesem Schluss kommt eine vom Kanton in Auftrag gegebene Analyse des Forschungsbüros Infras.

Die Kindertagesstätte in Goldach verfügt über 24 Krippenplätze. Kinder von drei Monaten bis vier Jahren werden in altersgemischten Gruppen betreut. «Wir sind ziemlich gut ausgebucht», sagt Kita-Leiterin Margot Müntener. Teilweise gebe es lange Wartelisten. Besonders für Babys seien Krippenplätze sehr gefragt. Dies, weil die Kita nur eine beschränkte Anzahl Säuglinge aufnehmen könne und dürfe.

Plätze für Babys sind begehrt

Auch Marina Rageth, Leiterin der Kinderkrippe Zwerglihuus in Thal beobachtet die erhöhte Nachfrage für die Betreuung von Babys: «Für drei bis 18 Monate alte Kinder erhalten wir viele Anfragen», sagt sie. «Vermutlich ist die Geburtenzahl in unserer Region gerade hoch.» Fürs kommende Jahr ist sie aber zuversichtlich: «Einige wechseln dann in den Kindergarten.»

In Goldach, wie in allen Krippen der Region, werden einheimische Kinder bei der Aufnahme bevorzugt. «Wenn man flexibel ist, und die Kinder an verschiedenen Tagen in die Kita bringen kann, ist es einfacher, einen Platz zu kriegen», sagt Müntener. Seit Sommer dieses Jahres hat die Kita Goldach an der Haini-Rennhasstrasse 2 ein zusätzliches Stockwerk für schulpflichtige Kinder gemietet, da viel Bedarf für schulergänzende Betreuung besteht.

Für Margot Müntener ist auch die Planung schwierig: «Für Krippenplätze haben wir eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Wenn jemand aber auf der Warteliste steht, ist es schwierig abzuschätzen, wann ein Platz frei wird.» Für Eltern, die keinen Betreuungsplatz erhalten, empfiehlt sie eine Tagesmutter (siehe Zweittext) oder einen Kitaplatz in einer anderen Gemeinde. «Das ist jedoch eine Kostenfrage», sagt Müntener. Denn Auswärtige zahlen in Krippen mehr, als einheimische Steuerzahler. Weiter unterscheiden sich die Betreuungskosten nach Einkommen.

Die Betreuungsstätte der Gemeinden Thal und Rheineck ist gemäss Leiterin Marina Rageth zu 90 Prozent ausgelastet. Sie bietet Platz für 24 Kleinkinder und zwölf Schüler. Nachfrage und Angebot würden sich in Thal mehrheitlich die Waage halten.

Bis zu zwei Jahre auf Krippenplatz warten

Deutlich schwieriger, einen Krippenplatz zu ergattern, ist es in Rorschach. Die Kindertagesstätte der Gemeinde Rorschacherberg sowie der Stadt Rorschach bietet 44 Tagesplätze an. Bis zu zwei Jahren ist man auf der Warteliste für einen Betreuungsplatz. Um die langen Wartelisten in der Kita Rorschach-Rorschacherberg zu verkürzen, seien die Gemeinden bereits miteinander im Gespräch. «Die meisten Kinder kommen zwei bis drei Tage die Woche zu uns. Am liebsten dienstags und donnerstags», sagt Tagesstätten-Leiterin Lea Joller. Entsprechend sind diese beiden Tage besonders ausgebucht.

Für Unteregger Eltern scheint die Betreuung ihrer Kinder in einer Krippe bisher keine Option zu sein. Dennoch mache man sich Gedanken zum Thema, etwa an der vergangenen Klausurtagung des Gemeinderats: «Wir prüfen allenfalls einen Vertrag mit einer Krippe in St. Gallen oder Goldach einzugehen», sagt Gemeinderatsschreiber Norbert Näf. Bisher sei das Bedürfnis in Untereggen aber schlicht nicht vorhanden gewesen.

Die Situation in Untereggen bestätigt die Einschätzung von Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG, die in der Stadt St. Gallen und umliegenden Gemeinden neun Krippen betreibt – unter anderem in Tübach und Steinach. «Die Nachfrage nach Krippenplätzen in der Region ist moderat gestiegen. Gleichzeitig wurde das Angebot in den vergangenen Jahren teilweise ausgebaut», sagt Hefti.

Die Gemeinden Horn, Steinach und Tübach betreiben seit 2016 gemeinsam zwei Tagesstätten. In Steinach wurde eine bestehende Krippe in die Fiorino Gruppe überführt, in Tübach ist eine neue Kita entstanden, beide verfügen über jeweils zwölf Betreuungsplätze. In nur anderthalb Jahren seien beide Krippen bereits gut ausgelastet: «Im kommenden Jahr werden beide Standorte zu beinahe 100 Prozent ausgelastet sein», sagt Hefti. Normalerweise dauere das drei Jahre. Das zeige, dass das neue Betreuungsangebot einem klaren Bedürfnis der Bevölkerung entspreche. «Für die Standortattraktivität einer Gemeinde ist neben der Steuer- und Wohnsituation heute auch die ausserfamiliäre Kinderbetreuung entscheidend», sagt Hefti.

Gemeinden entscheiden über Kita-Ausbau

Wird also neben den Kitas in Tübach und Steinach auch bald Horn über eine eigene Kita verfügen? Das will Jacques Hefti nicht ausschliessen. «Die Tagesstätten in Tübach und Steinach sind auch für Horner zentral gelegen und gut erschlossen», sagt er. Deshalb könne es auch finanziell sinnvoll sein, etwa die Kita in Tübach auszubauen, statt einen zusätzlichen Standort zu eröffnen. Entscheiden würden das aber die Gemeinden, welche die Fiorino AG beauftragt hätten.

Mehr finanzielle Unterstützung in der Kinderbetreuung würde sich Jacques Hefti von der Politik wünschen. Insbesondere wenn mehrere Kinder einer Familie von einer Tagesstätte betreut werden müssen, gehe das ins Geld. Chancengleichheit im Beruf stehe dann oft im Widerspruch zu finanziellen Aspekten, sodass dann ein Elternteil gar nicht mehr arbeitet.

«Unsere Kinder sind unser wichtigstes Gut und unsere Zukunft. Ist es richtig, dass einzelne Gemeinden mehr Geld für die Schneeräumung als für die Kinderbetreuung ausgeben?», gibt Hefti zu bedenken.


Leserkommentare

Anzeige: