Internet

Rundgang auf dem digitalen Dorfplatz

07. Dezember 2017, 05:20
Arcangelo Balsamo

Was haben Untereggen, Sargans und Winterthur gemeinsam? Überhaupt rein gar nichts; könnte man meinen. Doch nicht so voreilig. Die drei Gemeinden verbindet tatsächlich etwas. Und zwar haben sie einen Dorfplatz im Internet. Dort können Privatpersonen, Vereine und die Gemeinde ihre Anliegen präsentieren. «Ziel ist es, das Potenzial unseres Dorfes aufzuzeigen und die Leute zu vernetzen», wird der Unteregger Gemeinderat André Habermacher auf der Plattform zitiert. Er ist auch Präsident der Kommission Dorfleben, die das Projekt initiiert hat. Der digitale Stammtisch Untereggens existiert seit Ende August. Seither können sogenannte Artikel erfasst und kommentiert werden. Klingt nach einer guten Sache. Doch wird das Angebot auch genutzt? Erfährt man wirklich, was in Untereggen läuft? Zeit für einen Rundgang.

Auf der Piazza angelangt, fällt sogleich auf, dass es kunterbunt zu und her geht. Eine verlorene Kinderschaufel wird als vermisst gemeldet, es wird Werbung für die Tupperwareaktionen gemacht und Gerhard Riedener sucht einen Mieter für einen 3,5-Zimmer-Hausteil. Ob sich dafür schon jemand gemeldet hat? «Bisher noch nicht. Aber das liegt wohl daran, dass der Artikel erst seit zwei Tagen online ist», sagt Riedener. Lea von Moos sucht keine Mieter, sondern einen neuen Hundesitter für ihren Jack Russel Mischling Sunny.

Und was hat die Gemeinde zuletzt auf der Piazza mitgeteilt? Ihr letzter Eintrag weist auf die Neujahrbegrüssung auf dem Parkplatz Spielbüel hin. Ob deshalb mehr Leute kommen, als in den Jahren zuvor? In einem Monat wissen wir mehr. Die Kommission Dorfleben hat auch einen Kanal. Zuletzt hat sie aufgeführt, wo welches Adventsfenster geöffnet wird. Heute ist das Fenster beim Kindergarten Rank am Zug.

Wer sich Kommentare und regen Austausch unter den Artikeln erhofft, wird enttäuscht. Es werden zwar fleissig Artikel erfasst, Interaktionen halten sich jedoch in Grenzen. Dennoch ist die Kommission Dorfleben bisher «sehr zufrieden», sagt Habermacher. «Das Feedback der Bevölkerung ist durchs Band positiv. Die Leute finden es eine gute Idee und nutzen die Plattform.» Besonders erfreulich sei, dass auch ältere Personen den Weg auf die Piazza fänden, sagt er. Die Kommission stellt fest, dass noch ein wenig der Mut fehle, eine Meinung auf der Piazza zu äussern. «Es könnte ruhig ein wenig politischer sein. Mir ist lieber, wenn jemand Kritik äussert, als wenn die Bürger die Faust im Sack machen», sagt Habermacher. Er sei zuversichtlich, dass es mit der Zeit zu einem regeren Austausch komme.

Der Verein 2324.ch zeigt sich ebenfalls zufrieden mit den ersten drei Monaten. Der Verein stellt der Gemeinde die Plattform zur Verfügung und moderiert. «132 Personen haben sich bisher registriert. Das sind mehr als zehn Prozent der Einwohner: ein extrem guter Wert», sagt Nicolas Hebting, der Co-Geschäftsführer des Vereins. Ein Profil benötigen nur Personen, die Artikel erfassen und kommentieren möchten. Auf der Seite rumstöbern kann jeder. «Bisher haben 2000 Personen die Piazza Untereggens besucht», sagt Hebting. Verglichen mit dem Start in Winterthur und Sargans, sei das Engagement der Unteregger bisher am Grössten. «Das liegt eventuell an der Einwohnerzahl und auch an der Kommission, die sehr engagiert ist und den Leuten bei Problemen hilft», so Hebting.

Und was sagen die Vereine? Egal ob Frauenrunde, Bürgermusik, Jugendtreff oder Joggerrunde, alle finden es eine «gute Sache». Auch wenn keiner von ihnen dadurch neue Mitglieder gewonnen hat. Die Zeit wird zeigen, ob sich dies ändert. Bis dahin werden weiter munter Artikel verfasst.




Arcangelo Balsamo

arcangelo.balsamo@tagblatt.ch


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