Bauen ohne böse Überraschung

BAUHERRENBERATUNG ⋅ Hohe Mehrkosten, verspätete Abrechnungen, nachträgliche Zusatzkredite: Bei öffentlichen Bauten häufen sich Probleme. Das lasse sich vermeiden, sagen Bauherrenberater aus der Region.
04. Dezember 2017, 07:07
Fritz Bichsel

Fritz Bichsel

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Protest und Boykottaufruf: So reagierten Architektenverbände auf die Ausschreibung des Projekts für Umbauten im Kornhaus Rorschach. Der Stadtrat hat sich jedoch abgesichert – durch Beizug eines Fachmanns als Bauherrenberater. Auch private Bauherrschaften lassen sich durch solche Spezialisten beraten oder vertreten, wie für die angelaufene Grossüberbauung «Löwengartenareal» in Rorschach. Das sind aber eher Ausnahmen.

«Leider wenden sich Behörden oder private Bauherrn oft erst an uns, wenn etwas schief läuft und gestritten wird», sagt der Rorschacherberger Hansruedi Stoll. Er absolvierte als Bauunternehmer das Nachdiplomstudium zum Immobilienökonom. Dann gründeten er und der Wittenbacher Architekt Rolf Hebeisen, der diese Zusatzausbildung an der Fachhochschule St. Gallen zur gleichen Zeit durchlaufen hatte, das Immobilien-Kompetenzzentrum IKZ suisse mit Sitz zuerst in Rorschach und inzwischen in Wittenbach. Seit 14 Jahren begleiten diese Spezialisten Bauprojekte als Berater von Bauherrschaften oder als ihre Vertreter gegenüber Planern, Bauunternehmern und Handwerkern.

«Bauherrschaft hat selber auch Verantwortung»

Streiten muss derzeit zum Beispiel der Kanton St. Gallen um Arbeiten am bereits 2013 bezogenen Neubau der Fachhochschule. Oder die Stadt St. Gallen wegen jahrelang verspäteter Bauabrechnungen mit Mehrkosten, die erst geregelt werden können, wenn zuständige Leute nicht mehr im Amt sind. Und in der Seeregion die Gemeinde Goldach wegen Mehrkosten von gegen 3 Millionen Franken beim Ausbau des Seniorenzentrums bei einem Kredit von 16 Millionen. Bei Kanton und Gemeinden ist Fachwissen für Bauten vorhanden – in der Bauverwaltung und meistens auch in Behörden. Warum gibt’s trotzdem Probleme? Hansruedi Stoll nennt als Hauptursache fehlende Kapazität: «Diese Fachleute haben zu wenig Zeit, um neben ihren laufenden Aufgaben noch Bauprojekte zu überwachen».

Bauleistungen seien rasch bestellt, «aber die Abwicklung erfordert viele Gespräche, Kontrollen und Zwischenberichte.» Dafür empfehle sich, Spezialisten beizuziehen. «Die Finanzen stehen im Zentrum, es gilt aber, ein Bauvorhaben gesamthaft zu beurteilen», sagt Rolf Hebeisen, «bis hin zu Lage und Umfeld». Deshalb sollten Bauherrenberater von Beginn weg dabei sein. «Wir arbeiten für den ganzen Lebenszyklus eines Bauwerks», erläutert Hansruedi Stoll: «Von Planung und Bau über Nutzung und Betrieb, durch die ganze Lebensdauer bis zum Rückbau.» Dabei gehe es nebst den Kosten auch um Gewähr, dass Umfang, Qualität und Termine ebenfalls der Bestellung entsprechen.

Der Kanton geht gegen Handwerker und die Gemeinde Goldach gegen den Architekten vor. «Bauherrschaften haben auch selber Verantwortung», sagt Hansruedi Stoll dazu. Berater beizuziehen, kostet etwa ein bis zwei Prozent der Bausumme. Das lohne sich, sagen diese Fachleute. Es stelle zuerst sicher, dass nur Nötiges und Finanzierbares geplant werde, alle Positionen in den Kostenvoranschlag kommen und eine Ausschreibung gesetzeskonform erfolge – was bereits Mehrkosten und Verzögerungen vermeiden kann. Dann werde der Baufortschritt und die Qualität laufend überwacht. Seien trotzdem mehr Arbeiten nötig, könne der Berater rechtzeitig Budgetbeschlüsse beantragen. Schliesslich stelle er sicher, dass auch die Abrechnung vollständig und termingerecht erfolge.

Als aktuelles Beispiel für ein vom IKS suisse umgesetztes Werk nennt Rolf Hebeisen den Neubau des Kirchgemeindehauses und die Sanierung der Kirche in Wittenbach: Für knapp 6 Mio. Franken projektiert, für 30'000 Franken weniger gebaut und sofort abgerechnet.


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