Das Jugendnetzwerk im Mittelrheintal ist auf dem richtigen Weg

WIDNAU ⋅ Vor 20 Jahren hat die Schweiz die UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben. Wie das Beispiel des Jugendnetzwerkes der Sozialen Dienste Mittelrheintal zeigt, bestehen richtige Ansätze.
05. Dezember 2017, 07:33

Die Jugendkommission Widnau beschäftigt sich damit, einen ­geeigneten Platz für Jugendliche in der Öffentlichkeit zu ermöglichen. Das Jugendnetzwerk SDM bot sich an, diesen Prozess zu begleiten und zwischen Gemeinde und Jugendlichen zu vermitteln.

Begegnung auf Augenhöhe

«Es ist wichtig, dass man den ­Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet, ihre Anliegen respektiert und auf ihre Wünsche und Ideen eingeht», sagt Roger Märkli, ­Bereichsleiter Jugendnetzwerk SDM. 1997 hat die Schweiz die UN-Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1989 anerkannt. Bis heute haben alle Staaten der Welt, ausgenommen die USA, die Vereinbarung unterschrieben – was die UN-Kinderrechtskonvention zum UNO-Vertragsrecht mit der weltweit grössten Akzeptanz macht.

Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention spricht jedem Kind das Recht zu, seine Meinung zu allen seine Person be­treffenden Angelegenheiten und Entscheidungen frei zu äussern. Dabei gehe es gemäss Märkli nicht nur um Meinungen, Wünsche und Ansichten, sondern auch darum, auf welchem Weg sich Kinder überhaupt ein Bild eines Sachverhaltes machen können. Jugendliche erhalten dadurch kein ausdrückliches Mit­bestimmungsrecht, aber: «Die Sicht der Kinder muss grundsätzlich überall dort mitberücksichtigt werden, wo Kinder direkt betroffen sind», sagt Märkli. Zum Beispiel in der Familie, in der Schule, im Wohnumfeld, bei der Quartierentwicklung oder bei der Gestaltung von Schulwegen und Spielplätzen. Häufig werden die Anliegen von Jugendlichen nicht in die Überlegungen von Behörden oder Eigentümern einbezogen, obschon sich dieses Recht aus der UN-Kinderrechtskonvention ableiten liesse.

Einige junge Widnauerinnen haben kürzlich auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht (Bericht im «Rheintaler» vom 8. November). Sie wünschten sich mehr Anteilnahme und Dialog, gerade, wenn es um die Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raumes geht.

Die Juvenir-Studie der Jacobs Foundation zeigt das Bild einer Schweizer Jugend, die lernt, sich selbstständig in der Öffentlichkeit zu bewegen, das öffentliche Mit- und Nebeneinander auszuhandeln, Toleranz zu üben und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. «Der öffentliche Freiraum ist also ein Lernraum», sagt Märkli. Er diene dazu, sich selbst zu präsentieren, die eigene Wirkung auf andere zu testen und auszuloten, wie man ankommt. Laut Juvenir-Studie bietet sich Jugendlichen im öffentlichen Raum die Möglichkeit, ihre Kompetenzen für demokratische Beteiligung zu stärken. «Daher sollten Jugendliche bei Projektrealisierungen nicht aussen vor gelassen, sondern miteinbezogen werden, wie im Fall von Widnau», sagt der Bereichsleiter. Gemeinsam mit den Jugendlichen soll eine nachhaltige Lösung angestrebt werden, die für alle beteiligten Gruppen akzeptabel sei.

 

Benjamin Schmid


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