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Tagblatt Online, 27. Juni 2012, 07:22 Uhr

Weiterfahren als Ständerätin

St. Gallen - Ständerätin Karin Keller-Sutter FDP  in ihrem neuen Büro Zoom

Karin Keller-Sutter in ihrem neuen Büro. (Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Die Politik lässt Karin Keller-Sutter nicht los. Zwölf Jahre gehörte sie der St.Galler Regierung an, nun engagiert sie sich im Ständerat – als Sachpolitikerin und überzeugte Föderalistin.


Gradlinig. So heisst die Skulptur im neuen Büro von Karin Keller-Sutter im Museumsquartier in St. Gallen. Das Abschiedsgeschenk ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bunte Röhren und ein Stein von der Baustelle für das neue Verwaltungszentrum am Oberen Graben. Karin Keller-Sutter ist beim Umzug nicht dabei; Ende Mai ist sie nach zwölf Jahren aus der Regierung ausgeschieden. Die St. Galler Stimmberechtigten hatten die Wilerin im Herbst mit einem Glanzresultat als neue Ständerätin gewählt.

Zwischen zwei Übeln

Sie sei erst das zweite Mal hier, sagt Karin Keller-Sutter ohne Umschweife. Die restliche Zeit war sie in Bern. Sommersession, Kommissionssitzungen (sie gehört drei an) – ihr Wechsel nach Bern war fliegend. Und nahrhaft. Sie stellt es nüchtern fest, ohne jammernden Unterton. So, wie sich St. Gallerinnen und St. Galler ihre Reden und Auftritte gewohnt sind: überlegt, korrekt, sachlich. Karin Keller-Sutter wurde zuhauf mit Etiketten versehen – «Hardlinerin», «Eiserne Lady», «Blocher im Jupe». Es hat ihr nicht geschadet. Feinde wie Freunde, rechts wie links attestieren ihr Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Wie schafft sie das in Zeiten, in denen es um das Image der Politiker nicht zum besten steht? Sie habe stets das gemacht und entschieden, was sie jeweils für das Beste hielt – «oft war es die Wahl zwischen zwei Übeln», lacht sie. Und dann fügt sie an: «Ich habe eine innere Stärke entwickelt.» Sie sei heute resistenter gegen Anfeindungen, und es sei ihr immer weniger wichtig, was andere über sie denken. «Ich bin gesetzter geworden», sagt die 48-Jährige.

Auf ihr Temperament mag dies zutreffen, nicht aber auf ihr Engagement. Dieses scheint bei ihr wichtigen Anliegen schier grenzenlos – und hat ihren Namen über die Kantonsgrenzen hinausgetragen. Zwei Stichworte: häusliche Gewalt und Sicherheit an Sportveranstaltungen. Das nationale Hooliganismus-Konkordat trägt ihre Handschrift; das St. Galler Kantonsparlament hat es in der Sommersession verabschiedet. Schnellverfahren, Stadionverbote, Kombi-Tickets – «Ich werde bei den Hooligans lebenslänglich beliebt bleiben.» Ohne Polizeischutz betritt sie schon länger kein Stadion mehr.

Ihr unzimperlicher Umgang mit Hooligans in Fussball- oder Eishockeyspielen trug ihr Sympathien von rechts ein. Jene von links erhielt sie, als sie sich für gesetzlich geregelte Massnahmen bei häuslicher Gewalt starkmachte – eine nationale Pionierleistung und eines ihrer ersten Geschäfte als Regierungsrätin. «Es ist doch nicht mehr als sinnvoll, dass derjenige gehen muss, der Gewalt ausübt», sagt sie. Bis diese Einsicht überall gereift war, hatte sie unzählige Gespräche geführt. «Es war ein aufwendiges Geschäft, vielleicht sogar das aufwendigste meiner Amtszeit», sagt sie. Und dann: «Der Gestaltungsspielraum in der Exekutive war grösser als nun im Parlament.»

Bitzi und Bildung

Nach aussen weniger spektakulär, ihr aber ebenso wichtig ist die Umgestaltung der Toggenburger Strafanstalt Bitzi in eine Massnahmenanstalt. «Heute gibt es Wartelisten. Das <neue> Bitzi ist etabliert, das Konzept anerkannt.» Genauso wie jenes der Polizeischule Ostschweiz in Amriswil – das Ergebnis ihres jahrelangen Einsatzes für eine gesamtschweizerisch harmonisierte Ausbildung für Polizeibeamte.

Kantone nicht aushöhlen

Karin Keller-Sutter machte als Ständerätin rasch von sich reden – in der Ostschweiz. Gemeinsam mit Paul Rechsteiner lancierte sie die Idee des Bahn-Y. Ein neues Dreamteam, wie da und dort gescherzt wird? «Wir haben keine Berührungsängste. Wir respektieren unsere anderen politischen Werthaltungen.»

Mehr Mühe bereitet ihr «der Drang in Bern, alles einheitlich zu regeln – von Rorschach bis Genf». Sie ist überzeugte Föderalistin, und sie wehrt sich gegen Zentralisierungsbestrebungen. «Die Kantone werden laufend ausgehöhlt.» Im Stöckli, der Vertretung der Kantone, scheint sie angekommen zu sein.

Regula Weik



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