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Tagblatt Online, 5. Juli 2012, 09:03 Uhr

Pro Natura bekämpft Solartestanlage

SCHWEIZ EKZ PHOTOVOLTAIK KRAFTWERK Zoom

Projektskizze der Photovoltaikanlage im Steinbruch Schnür. (Bild: EKZ)

Das Solarprojekt am Walensee ist ein Musterfall: Darf man geschütztes Gebiet ausserhalb der Bauzone für die Energiegewinnung nutzen? – Pro Natura St. Gallen-Appenzell will bereits die Testanlage verhindern.

MARC ALLEMANN

QUINTEN. Die Solarkraftanlage beim ehemaligen Steinbruch Schnür in Quinten soll elf Fussballfelder gross werden; so sieht es die Projektidee der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) jedenfalls vor. Auf einem Bruchteil dieser Fläche – auf nur gerade 40 Quadratmetern – will die EKZ nun eine Mess- und Testanlage bauen. Mit der Anlage sollen Ertrags- und Einstrahlungsmessungen vorgenommen werden. Ausserdem will das EKZ die Reflexion des Walensees und Wetterdaten analysieren.

Kanton muss entscheiden

Pro Natura St. Gallen-Appenzell hatte schon früh Widerstand gegen die Solarambitionen des EKZ angemeldet. Kürzlich hat die Organisation nun Einsprache gegen die Testanlage eingereicht. «Das Baugesuch ist fehlerhaft», bemängelt Christian Meienberger, Geschäftsführer der Pro-Natura-Sektion. Aus seiner Sicht gibt es keine rechtliche Möglichkeit, die Testanlage zu bewilligen.

Ob der Naturschützer recht hat, wird das kantonale Amt für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg) entscheiden müssen. «Die Gemeinde Amden wird dem Kanton einen Antrag stellen», sagt Urs Roth, Gemeindepräsident von Amden.

Dass die Bewilligung vom Areg und nicht nur von der Gemeinde erteilt werden muss, hat mit dem Standort zu tun. Der ehemalige Steinbruch Schnür bei Quinten liegt ausserhalb der Bauzone. Ausserdem ist das Gebiet vom Bund als schützenswert eingestuft worden.

Die Testanlage soll laut dem EKZ nicht im Felsen, sondern auf dem darunterliegenden Schotterkegel in Seenähe gebaut werden. Von der gegenüberliegenden Seeseite wäre die Anlage, welche 20 bis 30 Module umfasst, ohne Feldstecher kaum zu sehen, schreibt das EKZ. Warum hat Pro Natura bereits gegen ein Testprojekt Einsprache eingereicht? «Die danach geplante Solaranlage ist ein schwerwiegender Eingriff in die Natur», sagt Meienberger. Pro Natura verlange in der Einsprache, dass die EKZ zuerst ein Gutachten von der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission einhole.

Ja zu Testbetrieb in Amden

Das gleiche Vorgehen hat Pro Natura bereits bei einem anderen Solarprojekt in Amden gewählt, bei dem Panels an Lawinenverbauungen angebracht werden sollten – auch hier eine Testanlage. Das schliesslich eingeholte Gutachten empfahl, das Testprojekt gutzuheissen.

Wie das Areg entscheiden wird, ist beim Walensee-Projekt offen. Das EKZ ist weiterhin zuversichtlich, dass sein Testprojekt eine Bewilligung erhalten wird. Die Erkenntnisse daraus seien nicht nur für ein späteres Projekt am Walensee von Bedeutung, sondern auch für andere Photovoltaikanlagen in der Schweiz wertvoll, heisst es.



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Leser-Kommentare:
3 Beiträge
Marcoka (06. Juli 2012, 11:31)
Energiewende JA, aber dazu gibt es bessere Wege

Warum eine Testanlage stellen, wenn das Kraftwerk nicht gebaut werden kann (BLN)?! Zuerst alle bestmöglichen Dächer mit PV bestücken, dann kann man wieder über solche Prestige-Objekte diskutieren. Aber offensichtlich passt die Dezentralisierung der Stromgewinnung nicht ins Konzept "unserer" Stromkonzerne...Wieso wohl?

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PriskaNebel (05. Juli 2012, 15:21)
Absender richtig nennen

Scheinbar fehlen dem Journalisten einige Fakten. So wird die Testanlage im Steinbruch Schnür auch von der SAK, als dem St Galler Elektrizitätswerk mitgetragen und mitgeplant. Das heisst es handelt sich um die erste grosse Anlage im Kanton, für den Kanton. Von der Testanlage auf die ganzen Anlage zu schleissen ist falsch. es gibt nämlich viele Möglichkeiten als Umweltverband aktiv bei der MItgestaltung ein zu wirken. Nehmen Sie doch diese Chance wahr, Herr Meienberger, statt einfach zu blockieren. Die Energiewende geht uns allen an.

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nubera (05. Juli 2012, 15:01)
Solange der Strom aus der Steckdose kommt...

Es ist schon erstaunlich, dass jedes Energieprojekt der Schweiz schon in den Kinderschuhen erstickt werden muss. Wie sollen dann die 40 % Atomstrom ersetzt werden? Oder sind Leute, die GEGEN Solarstrom sind etwa FÜR Atomstrom?

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