Eggersriet kämpft ums Geld

Die Gemeinde Eggersriet hofft, einen grossen Teil des Schadens von der Revisionsgesellschaft zurückerstattet zu erhalten. Zoom

Die Gemeinde Eggersriet hofft, einen grossen Teil des Schadens von der Revisionsgesellschaft zurückerstattet zu erhalten. (Hanspeter Schiess, Archiv)

EGGERSRIET. Die Gemeinde Eggersriet hatte ihre ehemalige Revisionsgesellschaft auf knapp drei Millionen Franken betrieben. Eine erste Verhandlung vor Gericht mündete in Vergleichsverhandlungen.

15. Juni 2012, 15:12
UMBERTO W. FERRARI
Die politische Gemeinde Eggersriet war von einem ihrer Mitarbeiter im Jahre 2007 um insgesamt 2,16 Millionen Franken betrogen worden. Weder die Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde noch die von ihr beauftragte Revisionsgesellschaft mit Sitz im Kanton Bern hatten die Veruntreuungen bemerkt. Sie flogen erst auf, als sich der Mitarbeiter in Begleitung seiner Anwältin bei der Polizei selber anzeigte. Der Mann wurde vor rund drei Jahren zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.

Das Geld ist weg
Die Deliktsumme von über zwei Millionen Franken war weg, ausgegeben für Geldspielautomaten, Lotto und vor allem Spielcasinos. Einen Tag nachdem sich der Angestellte angezeigt hatte, legte die von der Gemeinde beauftragte Revisionsgesellschaft ihr Mandat nieder. In der Folge sah sie sich mit einer Betreibung von knapp drei Millionen Franken konfrontiert. Darin enthalten sind nebst der Deliktssumme von 2,16 Millionen Franken aufgelaufene Zinsen und Verfahrenskosten.
Die Gemeinde Eggersriet war und ist der Ansicht, die Revisionsgesellschaft hätte diese Veruntreuungen bei ihren Kontrollen entdecken müssen. Das tat sie nicht. In der Folge klagte die Gemeinde gegen die Revisionsgesellschaft.

Erste Hauptverhandlung
Am Donnerstag fand vor der Zivilabteilung des bernischen Regionalgerichts Emmental-Oberaargau die erste Hauptverhandlung statt. Schon Jahre zuvor hatten die beiden Parteien Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um ihren Standpunkt zu untermauern. Diese kamen zu divergierenden Aussagen, worauf das Gericht ein eigenes Gutachten in Auftrag gab. In der Verhandlung vom Donnerstag forderte das Gericht die Parteien auf, in Vergleichsverhandlungen zu treten, um damit ein kompliziertes Beweisverfahren zu umgehen.

Erste Verhandlungen geführt
Die beiden Parteien haben noch am gleichen Tag erste Vergleichsverhandlungen aufgenommen, wie Markus Peter, Gemeindepräsident von Eggersriet, auf Anfrage bestätigte. «Über den Inhalt der Vergleichsverhandlungen wurde Stillschweigen vereinbart», erklärten Peter und der Anwalt der Revisionsgesellschaft übereinstimmend. Sollten sich die beiden Parteien in den Verhandlungen einigen, wäre das Verfahren abgeschlossen. Wenn nicht, wird vor dem bernischen Gericht das Beweisverfahren durchgeführt. Der Gerichtspräsident machte bei der Hauptverhandlung am Donnerstag deutlich, dass dies ein langwieriges Verfahren werden könnte.

2 Millionen – 5 Steuerprozente
Für Eggersriet geht es um viel Geld. Alleine die Summe der Veruntreuungen entsprechen nämlich rund fünf Steuerprozenten während der Dauer von zehn Jahren. Zählt man die Zinsen und die weiteren Kosten hinzu, sind es sogar nahezu 15 Jahre.
Seitens der Gemeinde Eggersriet muss der Gemeinderat abschliessend einem allfälligen Ergebnis der Vergleichsverhandlungen zustimmen.

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