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Tagblatt Online, 8. August 2012, 07:06 Uhr

Auch der Bär wäre willkommen

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Hier hat es dem Bären einst gefallen: Im Drachenloch oberhalb von Vättis wurden 1917 Knochen von Höhlenbären gefunden. (Bild: pd)

Nach dem Wolf ist es möglich, dass auch der Bär M13 in den Kanton St. Gallen einwandert. Die Verantwortlichen nehmen es gelassen – und verlassen sich auf die Erfahrungen der Bündner Kollegen.

JANINA GEHRIG

ST. GALLEN. Die Reaktionen auf die Nachricht fielen gelassen aus: Nach 150 Jahren ist der Wolf in den Kanton St. Gallen zurückgekehrt. Auf der Alp Ramuz im Sarganserland riss er zwei Schafe.

Munter und wohlgenährt ist derzeit auch ein Bär mit dem Namen M13 unterwegs. Ende Juni war er von Touristen im Oberengadin gesehen worden. Zuvor hatte er Schlagzeilen gemacht, weil er um die Häuser zog, in Abfalleimern wühlte, sich an Bienenstöcken vergriff oder im Unterengadin mit einem Wagen der Rhätischen Bahn zusammenstiess.

«Wir würden ihn begrüssen»

Dass nach dem Wolf auch der Jungbär im Kanton St. Gallen zu Besuch kommt, hält Markus Brülisauer durchaus für möglich. Für den Abteilungsleiter Jagd beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen würde das allerdings keine Katastrophe bedeuten: «Dann würden wir ihn hier begrüssen», sagt Brülisauer gelassen. Man stehe in ständigem Kontakt mit der Bündner Jagdverwaltung, die den Bären über einen GPS-Sender überwacht. Zuletzt ist der Bär im Grenzbereich zwischen Italien und der Schweiz geortet worden, zwischen Veltlin und dem Puschlav. «Ich gehe davon aus, dass wir informiert werden, wenn er in die Nähe der Kantonsgrenze kommt», sagt Brülisauer.

Auch Hannes Jenny, Wildbiologe beim Bündner Amt für Jagd und Fischerei, hält es für möglich, dass der Bär bis in den Kanton St. Gallen wandert. «Er legt pro Tag etwa 20 bis 30 Kilometer zurück», sagt er. Meist schlage das Tier zufällig eine andere Richtung ein. «Um nach St. Gallen zu gelangen, müsste er allerdings die Autobahnen und den Rhein überwinden.»

Bärenkonzept seit 2006

Welche Vorkehrungen dann getroffen würden, entscheide sich kurzfristig, sagt Brülisauer. «Wir würden dann zum Beispiel Imker und Bauern informieren, damit sie ihre Haus- und Nutztiere schützen können.» Jeder Bärentyp erfordere ein unterschiedliches «Management», heisst es im schweizerischen Bärenkonzept, das bereits 2006 erarbeitet und veröffentlicht wurde. Das Konzept ist auch für den Kanton St. Gallen verbindlich. Es strebt ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Bären an. Verhält sich ein Bär unauffällig und menschenscheu, lanciert der Bund mit den Betroffenen regionale Schadenpräventionsprojekte, informiert die Bevölkerung und die Touristen. Problembären, die regelmässig materielle Schäden verursachen oder gar in Siedlungen eindringen, werden eingefangen, mit einem Sender versehen und systematisch vergrämt.

So handelte auch der Kanton Graubünden im Falle von M13. Mit Gummischrot, Elektrozäunen und bärensicheren Abfallbehältern versuchten die Wildhüter, den Jungbären von Menschen und Nutztieren fernzuhalten.

Wichtig, eine Strategie zu haben

An eine breit angelegte Informationskampagne für den Kanton St. Gallen denkt Brülisauer momentan nicht. Die bringe erst dann etwas, wenn der Bär tatsächlich in der Nähe sei. Dennoch: «Es ist natürlich wichtig, eine Strategie zu haben und Bauern oder Tourismus-Regionen sukzessiv mit Informationen zu versorgen.»

Jenny hofft indes, dass das «kleine Erziehungsprogramm» – die Vergrämungsaktionen mit Gummischrot – den Bären künftig von den Dörfern fernhalten wird. Für die Vorarbeit der Bündner ist Brülisauer dankbar: «Wir müssen nichts Neues erfinden, käme der Bär zu uns.» Dringlicher sei derzeit aber das neu erarbeitete Wolfkonzept.



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