Nach Hefenhofen: Mehr Tierschutzfälle, mehr Beschwerden, mehr Drohungen im Kanton St.Gallen

ST.GALLEN ⋅ Im Nachgang zum Fall Hefenhofen hat die St. Galler Regierung Stellung zur Situation des Tierschutzes im Kanton genommen. Die Auskünfte zeigen, dass sowohl die Strafanzeigen als auch die Beschwerden gegen Massnahmen zunehmen. Immer wieder gibt es Drohungen.
08. November 2017, 13:44
Nach dem Fall Hefenhofen wolle er einen Überblick über die Situation im Kanton St. Gallen gewinnen, schrieb Kantonsrat Martin Sailer, parteiloses Mitglied der SP-Grüne-Fraktion, in seinem Vorstoss, den er in der Septembersession einreichte.

Inzwischen liegen die Antworten der Regierung auf die detaillierten Fragen vor. Darin wird etwa erklärt, wie die Kontrollen ablaufen und wer dafür zuständig ist. Dazu gibt es Zahlen zu den verschiedenen Verfahren.

2016 hat das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) 136 Strafanzeigen gegen St. Galler Tierhalter eingereicht. Die Zahl steige seit Jahren kontinuierlich an, heisst es in der Stellungnahme der Regierung.


Aufwendige Verfahren wegen Beschwerden

Der Aufwand für den Vollzug der Tierschutzgesetzgebung habe in den letzten Jahren ständig zugenommen und diese Entwicklung gehe ungebrochen weiter: «Ein unaufhörlicher Trend» bestehe darin, dass sich die betroffenen Personen häufiger gegen die Massnahmen der Behörden bis vor Gericht wehrten oder mit Gewalt drohten.

Drohungen gegen Kontrolleure kämen wöchentlich vor, heisst es in der Stellungnahme. Die erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten in vielen Fällen heikle Situationen entschärfen. Ungefähr 20 Mal im Jahr würden sie jedoch mit ernsthaften Drohungen konfrontiert oder sogar tätlich angegangen.


Höchste Verurteilungsquote

Gute Noten gibt es für die Staatsanwaltschaft, die die Verfahren beim kantonalen Untersuchungsamt zentralisiert habe und sie mit zwei Spezialisten bearbeite. Eine Statistik des Bundes zeige, dass im Kanton St. Gallen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die Verurteilungsquote am höchsten sei: 2016 waren es 174 Verurteilungen in Tierschutzfällen.

In der ausführlichen Antwort werden auch Probleme eingeräumt. So könne es Monate oder sogar Jahre dauern, bis ein Tierhalteverbot rechtskräftig werde. Einer der Gründe: In der Regel werde ein solcher Erlass auf eine strafrechtliche Verurteilung abgestellt. Im Falle einer sofortigen Beschlagnahmung der Tiere fielen während den Rekurs- und Beschwerdeverfahren «enorme Kosten» für die Unterbringung an.


Acht Tierhalteverbote im letzten Jahr

Durchschnittlich werden pro Jahr zehn Tierhalteverbote ausgesprochen. 2016 waren es acht, im Jahr davor 12. Die Verbote werden im Abständen von ein paar Jahren kontrolliert, wobei es nicht immer gelinge, die Personen ausfindig zumachen.

Die Regierung hält in ihrer Antwort fest, dass die Tierschutzkontrollen durch das AVSV im Heim- und Nutztierbereich «ausnahmslos unangemeldet» stattfänden.

Zu überprüfen gibt es allerdings viel, dies zeigen weitere Angaben: Im Kanton St. Gallen gibt es unter anderem 5'200 Nutztierhaltungen, 400 Alpbetriebe und geschätzte 50'000 Heimtierhaltungen. Weiter werden 70 Tierheime, 32 Zoofachgeschäfte, vier Wildparks und Zoos gezählt. Zudem sind zwei Tierversuchshaltungen registriert. (sda)

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