Millionen-Betrüger will geringere Haftstrafe

ST.GALLEN ⋅ Ein Schweizer hat während zehn Jahren bei Bekannten, Freunden und Geschäftspartnern über 3,5 Millionen Franken für vermeintliche Anlagen erschwindelt. Er möchte am Kantonsgericht eine Reduktion seiner Strafe erwirken.
22. November 2017, 12:43
Claudia Schmid
Der heute 46-jährige Beschuldigte gab sich als vermeintlicher Börsenspezialist aus. Er versprach ihnen hohe Renditen. In Wahrheit handelte es sich um ein Schneeballsystem im Stile des sogenannten Ponzi-Tricks. Er investierte das meiste Geld nicht wie angegeben in Anlagen. Einerseits befriedigte er Kunden, die auf die Auszahlung ihrer Investitionen pochten, mit den Einlagen neuer Anleger. Andererseits finanzierte er sich seinen aufwendigen Lebensstil.
 

Deliktsumme beträgt über drei Millionen Franken

Die Gesamtdeliktsumme beträgt bei 57 Geschädigten rund 3,54 Millionen Franken. Das Kreisgericht Wil sprach ihn im Januar dieses Jahres des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs, der Urkundenfälschung und des versuchten Prozessbetrugs schuldig. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren. Im Berufungsverfahren verlangt der Beschuldigte nun eine Reduktion dieser Sanktion um ein Jahr.

Der Mann, der sich seit 2016 im vorzeitigen Strafvollzug befindet, bestritt seine Taten nicht und akzeptierte die Schuldsprüche der Vorinstanz. Er habe an den Erfolg seiner selbständigen Tätigkeit geglaubt, betonte er in der Befragung des Kantonsgerichts St.Gallen. Auf die Idee kam er, nachdem er seinen Job als Koch aufgegeben hatte und neu bei einer Finanzberatungsfirma arbeitete.

Der vorsitzende Richter hielt ihm vor, dass er selbst dann noch weitergemacht habe, als bereits ein Untersuchungsverfahren gegen ihn eröffnet worden sei. Er habe stets geglaubt, dass sein Geschäftsmodell irgendwann funktioniere, antwortete der Beschuldigte. So habe sich die Spirale immer weiter gedreht. Die Illusion habe ihn bis zu seinem vorzeitigen Strafvollzug nie losgelassen. Heute könne er nicht mehr sagen, welchen Teufel ihn geritten habe. „Ich schäme mich fast zu Tode.“ Er wolle nie wieder in der Treuhand- oder Finanzbranche tätig sein.
 

Einstellung zur Tat geändert

Der Verteidiger beantragte eine Reduktion der Strafe um ein Jahr. Es handle sich um einen aussergewöhnlichen Fall, was den Wandel des Beschuldigten und die Einstellung zu seiner Tat anbelange. Lange Zeit habe er sich nicht mit seinem Verhalten auseinandersetzen können. Heute aber habe er eingesehen, dass sein Handeln absolut inakzeptabel gewesen sei und er vielen Menschen grossen Schaden zugefügt habe. Die Tat habe viel mit dem beruflichen Wechsel in die Finanzbranche zu tun. „Er ist zum Zahlenmensch geworden und hat die Menschen dahinter nicht mehr gesehen.“

Die Staatsanwältin beantragte mit Anschlussberufung eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf sechs Jahre. Sie betonte, der Beschuldigte habe aus Geldgier skrupellos gehandelt. Er hatte mehr als zwei Mio llionen Franken der ihm anvertrauten Gelder für private Zwecke verwendet. Pro Jahr zweigte er so rund 200‘000 Franken für sich ab. Er lebte mit seiner Familie in einer 1,4 Millionen Franken teuren Villa, leistete sich ein Ferienchalet in den Tiroler Alpen und kaufte alle 18 Monate einen neuen Mittelklassewagen. Das Urteil des Kantonsgerichts steht noch aus. 

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