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Tagblatt Online, 19. Juni 2012, 01:03 Uhr

Wieder sterben Fische

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Algen, Gülle oder Chemikalien können die Ursache sein, wenn Fische plötzlich sterben. Wie hier im Hallerbach im vergangenen Herbst. (Bild: Archivbild: pd)

WALDKIRCH. Tote Fische im Hallerbach und tote Fische im Sornbach – Untersuchungen zeigen aber, die beiden Fälle hängen nicht zusammen. Beim Hallerbach steht man noch immer vor einem Rätsel.

NINA RUDNICKI

Tote Fische im Sornbach – diese Meldung geht bei der Polizei am Sonntagmorgen ein. Ein Anwohner hat die auf dem Wasser treibenden Tiere entdeckt. Der Vorfall ist zwei Wochen her, gibt aber noch immer zu reden. Denn in den Sornbach fliesst der Hallerbach, und dort fanden Anwohner erst im vergangenen Herbst tote Fische. (Ausgabe vom 17. Januar) Bis heute ist nicht geklärt, weshalb die Bachforellen damals verendet und aus dem Hallerbach verschwunden sind, wie Thomas Rüdiger vom kantonalen Amt für Umwelt und Energie bestätigt. Es liegt also nahe, dass die Ursache für das Fischsterben im Sornbach im Hallerbach zu suchen ist.

Mit Strom Fische suchen

Doch dieser Verdacht ist falsch. Nicht Wasser aus dem Hallerbach sei schuld am Fischsterben im Sornbach, sondern eine Sickerleitung, die aus einem Firmengelände in den Sornbach führe, sagt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen. Rüdiger präzisiert: «Durch eine defekte Schmutzwasserleitung gelangte Gift in die Sickerleitung.»

Abflussrohre durchgeätzt

Der Fischereiaufseher Christoph Birrer ist an jenem Sonntag vor Ort. Mit Hilfe der Elektroabfischung stellt er fest, dass es auf einem Abschnitt von 200 Metern nach dem Zufluss der Sickerleitung keine Fische mehr gibt. «Das konnten wir anhand von Gleichstrom-Stössen messen», sagt er. Daher habe man ausschliessen können, dass der Hallerbach die Ursache sei. Mehrere Dutzend Mal rücken die kantonalen Fischereiaufseher im Jahr wegen Vorfällen wie jenem im Sornbach aus. «Fast immer ist die Zivilisation schuld», sagt Birrer. Aber auch natürliche Ursachen wie Blitzschlag oder Algen könnten ein Fischsterben verursachen. Nur seien das sehr seltene Fälle.

Geschockt ist nach eigenen Angaben auch der Firmeninhaber, als er vor zwei Wochen erfährt, dass ausgerechnet auf seinem Firmengelände Gift entwichen ist. «In meinem privaten Teich züchte ich selber Bachforellen. Die Fische sind meine Leidenschaft», sagt er. Er wolle saubere Abflüsse. Als er vor drei Jahren das Firmengelände übernommen habe, habe man ihm das auch versichert. Als er von den toten Fischen im Sornbach erfährt, lässt er alle Anlagen abschalten und Sanitärfachleute kommen. «Diese haben festgestellt, dass die Abflussrohre von der Pulverbeschichtungsanlage, in der wir Aluminium waschen, durchgeätzt sind. So konnte das Gift in die Sickerleitung geraten», sagt er. Thomas Rüdiger vom Amt für Umwelt und Energie bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit der Firma «sehr kooperativ» gewesen sei. Was derweil auf die Firma zukommt, ist noch nicht klar. «Die Ermittlungen laufen», heisst es seitens der Kantonspolizei.

Wie Cappuccino-Schaum

Der Vorfall im Sornbach ist «gut» ausgegangen. Anders als im Hallerbach, der noch immer schäumt. Vor gut einer Woche hat Fischereiaufseher Birrer hier ein paar tausend junge Bachforellen ausgesetzt. «Die Fische sind die Indikatoren des ganzen Systems», sagt Birrer, der im Herbst überprüfen wird, ob die Fische überlebt haben. Ist das der Fall, sollten sie mit fünf Zentimetern doppelt so gross sein wie bei ihrer Aussetzung. Thomas Rüdiger fügt an: «Wir sind zuversichtlich, dass das klappt.» Aber hundertprozentig wissen könne man das nicht. Ein Rätsel sei auch, weshalb sich der Schaum in jüngster Zeit verändert habe. Rüdiger sagt: «War dieser früher dicht und stabil wie ein Cappuccino-Schaum, besteht er jetzt aus <grusigen> Blasen.»



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