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Tagblatt Online, 19. Januar 2012 01:03:00

Wie Pärke entstehen

Mooswiesstrasse Gossau Zoom

Die Mooswisen mitten in der Stadt: Gossaus Stadtentwickler schlägt vor, hier einen neuen Stadtpark zu gestalten. (Bild: Urs Bucher)

GOSSAU. Wil hat den Stadtweier, Rapperswil-Jona die Rosengärten und St. Gallen den Stadtpark. In Gossau fehlt eine zentrale Erholungsfläche. Warum eigentlich? Und wie sind die Parkanlagen andernorts entstanden? Experten geben Antwort.

RAFAEL ROHNER

Bauland in Gossau ist knapp. Die Stadt ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen und damit auch urbaner geworden. Ein Beispiel dafür ist die im Jahr 2009 fertiggestellte Überbauung «Perron 3» beim Bahnhof. Die Entwicklung hin zu einem städtischen Gossau könnte weitergehen. Kürzlich hat Gossaus Stadtentwickler Clemens Lüthi den Vorschlag geäussert, in Gossau einen Stadtpark zu gestalten (Ausgabe vom 5. Januar).

Die Idee kommt für Andrea Näf, Leiterin der Abteilung Ortsplanung im Amt für Raumentwicklung und Geoinformation, wohl wenig überraschend. «Wenn ursprünglich dörflich oder landwirtschaftlich geprägte Siedlungsstrukturen wachsen, dann stellt sich irgendwann die Frage nach grösseren Frei- und Naherholungsräumen», sagt sie.

Gossau hatte mal einen Park

Bis heute entspannen sich die Gossauerinnen und Gossauer vornehmlich ennet der Stadtgrenze, im nahen Grünen. Im Ortskern hingegen gibt es nur wenige Erholungsflächen. Zum Beispiel den Andreaspark. Was die wenigsten wissen: Bis vor gut hundert Jahren war das anders. Gossau pflegte einen Park mitten im Zentrum. «Bis 1911 hatte es auf dem Stadtbühlhügel, südlich der StadtbühlBrauerei, eine hübsche und schattige Parkanlage», sagt Karl Schmuki, Mitautor des Buchs Gossau im 20. Jahrhundert. Der Park sei aber aufgegeben worden, als die Eisenbahnlinie St. Gallen–Zürich mitten hindurch gebaut worden sei. «Leider hat man nie einen gleichwertigen Ersatz geschaffen», sagt Schmuki. Dies, obwohl sich die Bevölkerungszahl seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts mehr als verdoppelt hat.

Orte ohne spezifischen Nutzen

Die Einwohnerzahl sei ohnehin nicht die massgebende Grösse dafür, ob sich in einer Stadt das Bedürfnis nach einer Parkanlage entwickle oder nicht, sagt Landschaftsarchitekt Roland Raderschall der Raderschall Partner AG. Entscheidend sei die vorherrschende Siedlungsstruktur. Insbesondere in urbanen Gebieten sei es wichtig, Freiräume zu schaffen, die keinen spezifischen Nutzen aufweisen, sagt er. «Orte, an welchen sich die Leute treffen oder einfach nur sein können.»

Stadtpärke würden meistens auf zwei Arten entstehen, sagt Andrea Näf vom Amt für Raumentwicklung und Geoinformation. «Entweder besteht von Anfang an ein Stadtentwurf, auf welchem Freiflächen vorgesehen sind, oder eine Stadt wächst aus einer ländlichen Struktur heraus und Pärke werden dort gebaut, wo noch Platz ist.» In beiden Fällen würden Stadtpärke aber häufig um repräsentative oder öffentliche Anlagen herum entstehen, sagt sie. Raderschall sieht es ähnlich. Der Stadtpark St. Gallen sei aus einer grosszügigen privaten Parkanlage entstanden. Ähnlich sei es häufig auch in grösseren europäischen Städten gewesen, wo sich viele Parkanlagen, um grössere Feudalhäuser herum entwickelt hätten. Es gebe aber auch Anlagen, die in bereits bestehenden urbanen Räumen, bewusst als Erholungsflächen geplant worden seien. Als Beispiele dafür nennt Raderschall die Seeuferanlagen in Zürich oder auch vereinzelte Pärke in Paris. «Zentrale Parkanlagen stehen aber auch kleineren Städten gut an», sagt Raderschall. «Das zeigt sich an den Beispielen in Wil oder Rapperswil-Jona, wo die Parkanlagen wichtige Standortfaktoren sind.»

Bedürfnis ist entscheidend

Dass ein Stadtpark nicht nur kostet, sondern auch Vorteile mit sich bringt, sagt auch Andrea Näf. Ein Park könne Identität stiften, den öffentlichen Raum aufwerten und Erholung bieten. Ob ein Park aber sinnvoll ist, sei vor allem eine Frage des Bedürfnisses. Nur wenn dieses klar ausgewiesen sei, mache ein Park Sinn. Es müsse zudem geklärt werden, auf welche Zielgruppen ein Park ausgerichtet werden soll. Ob für Kinder, Spaziergänger oder Arbeiter während der Mittagspause beispielsweise.





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