Tagblatt Online, 31. Januar 2012 08:03:00
Mehr Kinder – mehr Schulgeld
Der Schule Andwil-Arnegg stehen kostspielige Jahre bevor: Auf dem Schulareal Ebnet ist ein Neubau geplant. (Bild: Benjamin Manser)
ANDWIL-ARNEGG. Steigende Schülerzahlen, Renovation, Neubau: Die Schule Andwil-Arnegg braucht mehr Geld. Der Gemeinderat sieht deshalb den Steuerfuss in Gefahr. Doch radikales Sparen auf Kosten der Qualität sei kein Thema, sagt der Schulpräsident.
ADRIAN VÖGELE
Im Grunde ist die Lage äusserst erfreulich. Andwil hat, was viele andere Gemeinden nicht haben: genügend Nachwuchs. Auf 100 Haushalte kommen 43 Schulkinder. Das ist mehr als in Gossau und Arnegg (siehe Grafik) und liegt über dem kantonalen Durchschnitt. «Unsere Schülerzahl wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen», sagt Emanuel Kummer, Präsident der Schulgemeinde Andwil-Arnegg. Die Konsequenz: mehr Klassen. Bereits für das nächste Schuljahr ist mindestens eine halbe Klasse zusätzlich nötig.
Gemeinde fordert Massnahmen
Das kostet. Kommt hinzu, dass auch die Zahl der Oberstufenschüler aus Andwil zunimmt, für welche die Gemeinde der Stadt Gossau Schulgeld bezahlt. «Allein dieser Betrag wird bis 2016 um eine halbe Million steigen», sagt Kummer. Ab 2016 schlagen dann – gemäss jetziger Planung – auch der Neubau sowie die Renovation das Traktes C auf dem Schulareal Ebnet zu Buche.
Kurz: Es kommen teure Jahre auf die Schulgemeinde zu, und damit auf die Politische Gemeinde Andwil, die gut die Hälfte der Kosten für die Schule zu übernehmen hat. Gemäss der überarbeiteten Finanzplanung steigt der Finanzbedarf der Schule in den nächsten Jahren von 9,18 Millionen (2012) auf 10,5 Millionen (2016).
Angesichts dieser Zahlen zeigte sich der Gemeinderat alarmiert: Der Finanzbedarf der Schulgemeinde gefährde den Steuerfuss von aktuell 137 Prozent, gab er Ende des vergangenen Jahres im Mitteilungsblatt bekannt. Der Gemeinderat habe deshalb den Schulrat gebeten, «alle finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen», um den Finanzbedarf zu reduzieren. So sollen etwa die Schulgeldverträge überprüft und «gegebenenfalls neu verhandelt» werden. Nicht, dass diese Verträge in die Jahre gekommen wären: Der Vertrag zwischen der Schulgemeinde Andwil-Arnegg und der Stadt Gossau wurde in gemeinsamen Gesprächen – im Beisein der politischen Entscheidungsträger der Gemeinde Andwil – ausgearbeitet. Das Jahr 2011 ist das erste, welches nach diesem neuen Vertrag abgerechnet wurde.
Unterstützung vom Kanton
Kummer ist sich bewusst: «Die steigenden Schulkosten sind für Andwil eine gewaltige finanzielle Belastung.» Der Schulrat komme der Forderung des Gemeinderates nach und suche zurzeit nach Möglichkeiten, den Finanzbedarf zu senken. «Radikale Massnahmen, die zulasten der Qualität unserer Schule gehen, stehen aber nicht zur Diskussion», stellt Kummer klar. Die Schülerzahlen pro Klasse massiv anzuheben, um die Anzahl Klassen tief zu halten, komme zum Beispiel nicht in Frage.
Immerhin: Etwas finanzielle Entlastung erhält Andwil vom Kanton. Denn dieser unterstützt Gemeinden mit überdurchschnittlicher Kinderzahl mit Zahlungen an deren Schulgemeinden. «Andwil hat im Jahr 2011 etwa 750 000 Franken erhalten», sagt Kummer. Er fügt an, dass die Kosten pro Schulkind in Andwil – anders als die Schülerzahlen – deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt lägen.
Aufgrund der steigenden Schülerzahlen gerät die Schule spätestens im kommenden Sommer definitiv in Platznot. Zudem befinden sich das Otmarschulhaus und der Trakt C im Ebnet in derart schlechtem baulichem Zustand, dass sich die Schulgemeinde gezwungen sieht, zu handeln: «Wir kommen um ein Bauprojekt nicht herum», sagt Kummer. Zur geplanten Bau- und Renovationsvariante wollte der Schulrat eigentlich diesen Frühling einen Projektierungskredit vors Volk bringen. «Doch darauf verzichten wir nun vorläufig», sagt der Schulratspräsident. Grund sei aber nicht die überarbeitete Finanzplanung, sondern die spärliche öffentliche Diskussion: «Das Bau- und Renovationsvorhaben wurde bisher in der Bevölkerung nicht wirklich thematisiert.» Kummer betont: «Wir haben keinen Plan B für den Fall, dass das Vorhaben an der Urne abgelehnt wird.» Aus finanziellen Gründen darauf zu verzichten, sei ebenfalls keine Option: «Das würde bedeuten, dass wir Provisorien erstellen müssten. Diese kosten aber ebenfalls Millionen – ohne bleibenden Gegenwert.»
Neue Studie zu Schülerzahlen
Neubau und Renovation für insgesamt circa 9,4 Millionen Franken wurden auf Basis der aktuellen Kinderzahlen in Andwil und Arnegg geplant. Diese Planung berücksichtigt die Kinder, welche bis 2016 eingeschult werden. «Zur längerfristigen Bevölkerungsentwicklung in den beiden Dörfern werden wir demnächst eine Studie in Auftrag geben», sagt Kummer. Die Resultate sollen Aufschluss geben darüber, mit wie vielen Schülerinnen und Schülern die Schulgemeinde in der weiteren Zukunft rechnen kann.
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