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Tagblatt Online, 27. Juni 2012, 08:23 Uhr

Der Bescheidene

Gossau - Neuer Kantonsrat und Arzt Bruno Dama Zoom

«Als Stadtpräsident wäre ich ungeeignet»: Bruno Damann im Ärztehaus, wo er seit 1992 praktiziert. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Nach langem Zögern hat Bruno Damann zugesagt. Er will für die CVP einen zweiten Sitz im Stadtrat erobern. Überraschend ist seine Kandidatur nicht. Damann ist in Gossau seit längerem einer der profiliertesten Politiker.

RAFAEL ROHNER

Während der Debatten im Gossauer Stadtparlament verhält sich Bruno Damann meist ruhig. Ein Vielredner ist er nicht. Ergreift er dann aber das Wort, hören ihm Parlamentarier von links bis rechts zu. Und nicht selten folgen sie seiner Empfehlung. Damann wird von seinen Parlamentskollegen geschätzt. Das zeigt unter anderem seine Wahl 2009 zum Parlamentspräsidenten. Sie fiel einstimmig aus.

Die Wahl zum höchsten Gossauer ist nicht das einzige Glanzresultat des CVPlers. Bei den Kommunalwahlen 2008 erhielt er in Gossau die meisten Stimmen überhaupt. Und erst kürzlich wurde er mit einem guten Resultat in den Kantonsrat gewählt. Die Gossauer scheinen Bruno Damann, dem Arzt, zu vertrauen. Hinzu kommt, dass der 56-Jährige aufgrund seines Engagements in Vereinen und für den Walter-Zoo in Gossau bestens vernetzt ist und zu den bekanntesten Köpfen der Stadt zählt.

Gründe für das Zögern

Angesichts dieser Tatsachen scheint die Stadtratswahl am 23. September bereits gelaufen. Erwin Sutter von der Flig (Freie Liste Gossau) – der bisher einzige Gegenkandidat – hat zumindest einen schweren Stand. Damann freilich sieht das anders. Er bleibt bescheiden. «Bei zwei Kandidierenden liegen meine Wahlchancen bei 50 Prozent», sagt er. Gleichwohl geht der Arzt gelassen in den Wahlkampf. Falls er nicht gewählt werde, sei das halb so schlimm. «Ich bin glücklich in meinem Beruf.» Damann arbeitet zusammen mit fünf Medizinern im Ärztehaus. Dass er dort im Falle einer Wahl kürzertreten müsste, sei einer der Gründe gewesen, weshalb er mit einer Zusage für eine Kandidatur lange gezögert habe.

Ein weiterer Grund für Damanns Zögern: Stadtpräsident Alex Brühwiler kandidiert im Herbst für eine vierte Amtsdauer. Gut möglich, dass er nach einer weiteren Amtszeit zurücktreten wird. Da drängt sich die Frage auf, ob Damann bereits heute mit einem Auge Richtung Stadtpräsidium schielt. Doch Damann winkt ab. «Als Stadtpräsident wäre ich ungeeignet», sagt er. «Dafür müsste ich die Arbeit in der Verwaltung besser kennen.» Diskutiert worden sei aber die Frage, ob es für die CVP in vier Jahren schwierig werden könnte, mit zwei amtierenden Stadträten auch noch das Stadtpräsidium zu erobern.

Doch das ist Zukunftsmusik. Ein Geschäft, das Damann bei einer Wahl zum Stadtrat eher beschäftigen könnte, ist das Projekt «Wohnen im Alter». Der eingeschlagene Weg Gossaus mit der Gründung der Sanafürstenland AG sei richtig, sagt Damann. Die AG könne flexibler reagieren als ein Zweckverband. Eine weitere Herausforderung, die ihn als Stadtrat beschäftigen würde, sei die finanzielle Lage Gossaus. Aufgrund des neuen Finanzausgleichs und des Sparpakets kämen diverse Mehrkosten auf die Stadt zu. «Dennoch müssen wir investieren. Beispielsweise in die Sportstätten.»

Kontakt zur Kantonsregierung

Vor wenigen Wochen hatte Damann seine erste Session als Kantonsrat. Für Gossau wäre es laut Damann ein grosser Vorteil, wenn die Exekutive im Kantonsrat vertreten wäre. Er habe dort gesehen, wie nützlich informelle Kontakte zu Regierungsräten oder anderen Kantonsräten sein könnten.

Mandate abgeben

Bruno Damann hat fünf Kinder, engagiert sich in mehreren Vereinen, ist Arzt, Kantonsrat und will nun auch noch Stadtrat werden. Wie will er das alles unter einen Hut bringen? Damann antwortet: «Fragen Sie meine Frau.» Und fährt dann etwas ernster fort: Natürlich müsse er sich bei einer Wahl überlegen, welche Mandate er abgeben würde.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
unangan (26. Juni 2012, 18:46)
"engagiert sich in mehreren Vereinen, ...ist Arzt"

mal ehrlich.. Ärzte sind für mich in vielen Fällen die "Abzocker" im Gesundheitswesen. Nicht die Hausärzte... sondern überdotierte Fachärzte.. die dem Volk ihre überzogenen Ärztehonore schmackhaft machen wollen ...!!!...
Und wenn sich ein Arzt mit dem "Herz-Lungen-Horchgerät" als Politprofi ablichten lässt, so leuten bei mir die Alarmglocken....!!!..

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