«Saalmieten bleiben dennoch überteuert»

GOSSAU ⋅ Der Fürstenlandsaal ist für viele Vereine eine kostspielige Angelegenheit. Alternativen gibt es zwar, damit gibt sich aber der Flig-Präsident nicht zufrieden.
17. November 2017, 06:56
Angelina Donati

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angelina.donati

@tagblatt.ch

Unterhaltungsabende, Haupt­versammlungen oder Konzerte: Für Grossanlässe, welche die Gossauer Vereine durchführen, braucht es auch die entsprechenden Lokalitäten. Eine solche wäre der Fürstenlandsaal. Für Miete, Bestuhlung, Bühne, Garderobe und Geschirr müssen die Vereine aber tief in die Tasche greifen. Eine Interpellation von Flig-Parteipräsident Alfred Zahner bringt die schon lange geführte Diskussion wieder ins Rollen («Tagblatt» vom Mittwoch).

Ein Vergleich mit anderen Gemeinden, etwa Andwil, Waldkirch, Wittenbach und Mörsch­wil, zeigt, dass dort gleich mehrere Lokale bestehen, die für ­Anlässe genutzt werden können. Kommt hinzu, dass sie die Mieten um ein Vielfaches günstiger gestalten als diejenige des Fürstenlandsaals. Im Ebnetsaal in Andwil beispielsweise finden 300 bis 400 Leute Platz. Ortsansässigen Vereinen wird der Saal mit Bestuhlung für eine Mietgebühr von 130 Franken angeboten. Bei Anlässen mit einheimischen Kindern und Jugendlichen ist die ­Benützung der Anlagen sogar kostenlos. Weiter heisst es, dass einheimischen Benutzern, die ­einen gemeinnützigen Zweck verfolgen, der im öffentlichen Interesse steht, die Gebühr reduziert oder gar erlassen werden kann. Einzig Auswärtige bezahlen für den Saal zusätzlich 600 Franken und für die Bühne 300 Franken. «Diese Grundgebühren für Auswärtige haben wir eingeführt, da vermehrt Leute aus anderen Kantonen ihr Geburtstagfest bei uns feiern wollten», sagt Hauswart Marcel Egger.

Fürstenlandsaal ist nicht kostendeckend

Obwohl seit 2012 drei Preiskategorien für die Miete des Fürstenlandsaals in Gossau eingeführt wurden, bleibt es in den meisten Fällen nicht nur bei der Saalmiete. Hinzu kommen zahlreiche Nebenkosten, die sich rasch summieren. «Trotzdem kann der Saal nicht kostendeckend geführt werden», sagt Stadtschreiber Toni Inauen. Im vergangenen Jahr etwa standen Ausgaben von 500000 Franken Einnahmen von 300000 Franken gegenüber. «Abschreibung und Verzinsung sind dabei noch nicht einmal eingerechnet», sagt Inauen. Vereine mit Hunderten Mitgliedern sind wegen ihrer Grösse auf den Fürstenlandsaal angewiesen und können nicht in kleinere Säle wechseln. Für kleinere Vereine oder Gruppen gibt es laut dem Stadtschreiber aber zahlreiche Ausweichmöglichkeiten: etwa in Räumen der Kirchgemeinden, Gymnasium Friedberg, Marktstübli, Mehrzweckgebäude Arn­egg, Musikschulzentrum, Sportlerbeiz Buechenwald, Mehrzwecksaal im Feuerwehrdepot, die Markthalle im Sommer oder auch Säle in Restaurants.

Auf die Alternativen angesprochen, sagt Interpellant Al­fred Zahner: «Das ist schön und recht.» Der Flig-Parteipräsident will nicht einsehen, weshalb ein Verein sich in Räumen der Kirche oder von Gastronomiebetrieben einmieten und damit auf die Möglichkeit der Stadt verzichten soll. «Das Problem mit den überhöhten Gebühren der Stadt ist damit nicht gelöst.» Ausserdem sei nicht jeder Saal auch automatisch mit der entsprechenden Infrastruktur ausgestattet. «In keiner Gemeinde können Säle und Sportanlagen kostendeckend betrieben werden.»

Obwohl im Leitbild der Stadt Gossau festgehalten sei, dass die Vereine unterstützt werden, geschehe für Vereine im kulturellen Bereich nicht viel. «Dabei müsste es im Interesse der Stadt liegen, wenn vor allem auch ältere Leute die Gemeinschaft pflegen und beispielsweise an einem Adventsstamm für Jahrgänger mitfeiern können», sagt Zahner. Doch genau diese eine Veranstaltung im Fürstenlandsaal reisse ein riesiges und unnötiges Loch in die Vereinskasse.


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