Feuerwerk im Eispalast

GOSSAU ⋅ Es ist eine bizarre Welt zwischen «Feuer & Eis», die die Gäste des Tingel-Tangel ab heute erwartet. Nicht nur für viele Walter-Zoo-Besucher ist das Variété ein Höhepunkt im Jahreskalender, sondern auch für Federers.
16. November 2017, 06:43
Corinne Allenspach

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Für Jeannine Gleichmann-Federer ist es eine ihrer Lieblingswochen im Zoojahr: Die letzte Woche vor der Premiere für das neue Tingel-Tangel-Variété. Wenn die Nervosität und Vorfreude ihren Höhepunkt erreichen. Wenn zusammen mit allen Mitwirkenden täglich die Choreografie geübt wird. Wenn das Team, das bis Ende Januar fast jeden Abend gemeinsam auftreten wird, langsam zusammenwächst. Und wenn zum Schlafen kaum Zeit bleibt. «Die letzte Woche vor der Premiere üben wir von 8.30 Uhr morgens bis nach Mitternacht», sagen Jeannine Gleichmann-Federer und Gabi Federer Greulach. Denn auch beim 15. Tingel-Tangel unter dem Motto «Feuer & Eis» muss wieder ­jedes Detail stimmen. «Wir sind einfach Perfektionisten», sagen Mutter und Tochter unisono. Genau dieser «Spass am Detail», wie Jeannine Gleichmann es formuliert, ist zusammen mit der offensichtlichen Leidenschaft, mit der alle Beteiligten ans Werk gehen, eines der Erfolgsrezepte des Tingel-Tangel.
 

Von ursprünglich 7 Aufführungen auf 48

Dabei hat alles ganz klein angefangen. Damit die Kasse doch noch etwas klingelt, nachdem im Hitzesommer 2003 nur wenige Leute den Zoo besucht hatten, entwickelte Gabi Federer eine Wintershow mit Menu. Sie wurde an sieben Abenden aufgeführt, und zu Beginn war die Idee, jedes Jahr das gleiche Variété zu zeigen. Nach drei Ausgaben war aber klar: Die Show braucht jedes Jahr ein neues Motto. «Damit war der Aufwand natürlich viel grösser als ursprünglich gedacht», sagt Gabi Federer. Von den Kostümen über das Bühnenbild, die Tischdeko, den Eingangsbereich, das Menu bis zur Gestaltung der Toiletten kreieren die Verantwortlichen seither Jahr für Jahr alles neu. «Der Aufwand lohnt sich», sind sich Federers einig. Auch wenn die Vorbereitungen jeweils schon Anfang Jahr beginnen und die letzten Tage vor der Premiere «uh streng» sind, wie Gabi Federer einräumt. «Wenn man dann sieht, was von den Gästen an Freude und Komplimenten alles zurückkommt, füllt es einem das emotionale Depot rasch.» Dass das Tingel-Tangel-Variété für viele Leute mittlerweile einen fixen Platz im Jahreskalender hat, zeigt sich auch an den Besucherzahlen. Standen 2003 noch 7 Aufführungen auf dem Programm, sind es inzwischen 48. Bis Ende Januar werden über 4500 Personen das Stück «Feuer & Eis» gesehen haben. «In der Regel sind wir jeweils bis zu 99 Prozent ausverkauft.» Auch diesmal gibt es bereits vor der Premiere vor allem für die Wochenenden kaum mehr Tickets.

Den jahrelangen Erfolg sehen Federers nicht als selbstverständlich. «Wir sind uns bewusst, dass das Angebot an Veranstaltungen heutzutage riesig ist», sagen sie. «Man muss den Leuten etwas bieten, damit sie wirklich kommen.» Was viele Gäste am Tingel-Tangel schätzen, sei das Persönliche, das gepflegt werde. «Für viele ist es eine Art Heimkommen», weiss Gabi Federer. «Klein und fein, aber professionell», das wolle man darum auch weiterhin bleiben. Und wer sich einen Tag vor der Premiere im und ums Zoorestaurant umschaut, erkennt: Die Ideen sind bei Federers auch dieses Jahr nur so gesprudelt. Und dies, obwohl es ziemlich schwierig gewesen sei, das Motto «Feuer & Eis» so umzusetzen, dass man beiden Elementen gerecht werde.
 

Mutter und Tochter mit zwei jungen Büsis

Ganz besonders freuen sich Mutter und Tochter auf die gemeinsame Katzennummer. Gabi Federer, deren Lieblinge schon immer Katzen waren, hat dafür seit Wochen Büsis dressiert, die inzwischen gut halbjährig sind («Tagblatt» vom 30. September). «Die Tiere haben viel Spass an der Nummer», ist die Zoodirektorin überzeugt. Wie die Büsis an der heutigen Premiere reagieren, wenn «all die Energie der Leute auf die Bühne schwappt», darauf ist auch Gabi Federer gespannt. «Katzen spüren das sehr genau.» Sollten sie dann lieber schmusen wollen als Kunststücke zeigen, ist das auch okay. Denn Emotionen sind im Tingel-Tangel mindestens so wichtig wie Perfektion.

www.walterzoo.ch/tingel-tangel


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