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Tagblatt Online, 6. Juli 2012, 06:12 Uhr

«Sommerfest» seit 25 Jahren

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Am ersten «Out in the Green» 1987 stand die Bühne am selben Ort wie heute. Gezeltet wurde, wo es einem beliebte: Zwischen der Ochsenfurt und bis 80 Meter vor der Bühne. Heutzutage wäre das unvorstellbar. Im Hintergrund sind die Tribünen der Pferderennbahn zu sehen. (Bild: pd/Stadtarchiv Frauenfeld)

FRAUENFELD. Nur ein grösseres Sommernachtsfest hätte es werden sollen, 1987, auf der Grossen Allmend. Der FC Frauenfeld brauchte nach dem missglückten Ausflug in die Nati B Geld. Grafikbüro-Inhaber Ermano Conti aus Frauenfeld wollte mal etwas Neues versuchen. Das erste Frauenfelder Open Air ward geboren. Vor 25 Jahren.

Mathias Frei

Bilderstrecke: Open Air Frauenfeld: Die Besucher

Vom 6. bis zum 8. Juli fand in Frauenfeld wieder das grösste Hip-Hop-Festival Europas statt. Hier einige Impressionen aus dem Publikum. (Bilder: Mario Testa)

Heute startet das Bühnenprogramm des 18. Festivals, das mittlerweile als grösstes Hip-Hop- Open-Air Europas gilt. Am «Frauenfelder» geben sich auch dieses Jahr die höchstdotierten Urban Acts die Ehre. Bis 2000 brachte das «Out in the Green» neben den Rolling Stones (1998) viele Rock- und Popstars auf die Allmend. Dem musikalisch härteren «Ministry of Rock» war auf der Pferderennbahn nur ein kurzes Zwischenspiel beschieden.

Eintrittsgeld in Schubkarren

«In den ersten Jahren herrschte Goldgräberstimmung», erzählt Andreas Anderegg (55), der zwischen 1987 und 2000 Sicherheitschef am Open Air war. Wenige hätten damals den Vorverkauf benutzt. Die Kassenhäuschen seien bestürmt worden. In Jutesäcken seien die Eintrittsgelder mit Schubkarren ins Festivalbüro abtransportiert worden.

«Frauenfeld erlebte begeisterndes Open Air» war am 13. Juli 1987, am Montag nach dem ersten «Out in the Green» in der Thurgauer Zeitung zu lesen, von «30 000 zufriedenen Besuchern» und einem «grossen, friedlichen Volksfest». Gerade mal 4000 Besucher waren 1987 mit dem Zug angereist. Marillion, Jimmy Cliff oder Status Quo waren damals zu sehen. Auf der Rockbeiz-Bühne konzertierte die Frauenfelder Aumühli-Band.

«Wir waren erschlagen vom Erfolg», sagt Anderegg. 1987 reichten 80 Sicherheitsleute, 2000 waren es über 600. Andereggs grösste Befürchtung: «Dass etwas Unvorhersehbares passiert und Menschen zu Schaden kommen. Aber wir hatten immer Glück.» 1991, beim dritten «Out in the Green», stauten sich die Fahrzeuge auf der Autobahn bis Winterthur. 50 000 Menschen waren auf dem Platz. «Eine spannende Zeit.»

Open-Air-Gründer und Macher

Dem pflichtet Ernst Huber (53) bei. Als FCF-Vorstandsmitglied leitete er 1987 bis 2000 das Festivalbüro. «Die einen trauten uns diese Kiste nicht zu, die anderen wollten mitverdienen», erinnert er sich. Der Fussballclub war zu dieser Zeit Veranstalter des Open Airs. «Doch ohne Ermano Conti gäbe es heute kein Open Air Frauenfeld», sagt Huber. Der Open-Air-Gründer habe den Kontakt nach Frauenfeld abgebrochen, ist heute in Hergiswil gemeldet. Conti sei ein Macher gewesen, aber am Schluss vielleicht ein wenig naiv. Huber spricht das finanziell desaströse «Out in the Green» 1998 an, das Conti in den Konkurs trieb. Gleichwohl: «Ich bin stolz, dass ich dabei war.»



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