Nordafrikanische Häftlinge bedrohen Gefängnispersonal

Auch Ostschweizer Gefängnisse - im Bild jenes des Kantons Thurgau in Frauenfeld - haben mit renitenten Häftlingen aus Nordafrika zu kämpfen. Zoom

Auch Ostschweizer Gefängnisse - im Bild jenes des Kantons Thurgau in Frauenfeld - haben mit renitenten Häftlingen aus Nordafrika zu kämpfen. (Archiv/Donato Caspari)

Ostschweizer Haftanstalten haben grosse Probleme mit Insassen nordafrikanischer Herkunft. Sie bedrohen und beleidigen das Personal – und setzen teils sogar arbeitswillige Mithäftlinge unter Druck.

17. August 2012, 05:56
Daniel Walt
Häftlinge aus Nordafrika sind gewaltbereiter als andere, und es kommt vermehrt zu Beschimpfungen und Beleidigungen gegenüber dem Gefängnispersonal: Mit diesem Hilfeschrei auf Radio DRS hat Thomas Freytag, Präsident des Haftanstalten-Vereins «Freiheitsentzug Schweiz», am Mittwoch für Schlagzeilen gesorgt. Die Probleme mit Insassen aus Ländern wie Tunesien, Marokko oder Libyen halten auch das Personal von Ostschweizer Haftanstalten auf Trab

Saxerriet: «Die schwierigste Gruppe»
«Häftlinge aus nordafrikanischen Staaten sind die schwierigste Gruppe, mit der wir bisher zu tun hatten.» Das sagt Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt im st.gallischen Saxerriet, wo rund ein Zehntel der 120 Insassen aus Nordafrika stammt. Probleme gibt es laut Vinzens insbesondere, wenn sich Häftlinge gleicher Herkunft zusammentun und in Gruppen auftreten. Zu kämpfen hat das Saxerriet-Personal insbesondere mit der zunehmenden verbalen Aggression von Nordafrikanern – es sei sogar schon zu Morddrohungen gekommen, sagt Vinzens. Aber auch sonst stellt das Verhalten der Nordafrikaner das Personal vor grosse Probleme: «Es gibt auch Ausnahmen. Aber die Nordafrikaner treten, gerade in Gruppen, oftmals frech und fordernd auf», führt Martin Vinzens aus und nennt ein Beispiel: Viele hätten das Gefühl, sie könnten ihre Strafe absitzen, ohne arbeiten zu müssen oder im Rahmen des Strafvollzugs zu kooperieren. Sie versuchten teils sogar, Druck auf arbeitswillige Insassen auszuüben. «Wir müssen diesen Leuten dann klarmachen, dass wir keine Servicestation sind», sagt Martin Vinzens.

Gmünden: «Sehr belastend»
Auch in der Strafanstalt im ausserrhodischen Gmünden sowie im angegliederten Kantonalgefängnis sind Probleme mit Nordafrikanern an der Tagesordnung. Direktor Kurt Ulmann berichtet von verbalen Drohungen - «teils sind sie massiv», sagt er. Ihm sei es ein Anliegen, dass es in solchen Fällen zu einer Aussprache komme - «im Optimalfall nimmt der Insasse die Drohung zurück. Andernfalls kann es zu einer Versetzung in eine andere Anstalt oder einer Anzeige kommen.» Den Eindruck von Thomas Freytag vom nationalen Verband der Haftanstalten, dass Nordafrikaner im Strafvollzug schwieriger als Osteuropäer seien, teilt Kurt Ulmann: «Sie sind oft sehr fordernd und auch laut», hält er fest. Ulmann berichtet auch von einem nordafrikanischen Ausschaffungshäftling im Kantonalgefängnis, der seine Zelle in Brand gesteckt habe. Generell hält er fest, die Respektlosigkeit in der heutigen Gesellschaft sei eine Tatsache – und durch die zusätzlichen Probleme mit nordafrikanischen Häftlingen sei die Arbeit für das Personal sehr belastend geworden. Umso dankbarer ist Ulmann, dass das Thema interkultureller Austausch in der Ausbildung des Personals eine grosse Rolle spielt. «Aber für Intensivschulungen speziell zum Thema Nordafrikaner haben wir derzeit keine Ressourcen», bedauert Ulmann. Seine Schlussfolgerung in Anbetracht der aktuellen Situation: «Wir bräuchten mehr Personal.»

Frauenfeld: «Absolut respektlos»
Rund ein Fünftel der 60 Insassen des Kantonalgefängnisses in Frauenfeld stammt aus dem nordafrikanischen Raum. Stephan Felber, Generalsekretär des Departements für Justiz und Sicherheit: «Probleme mit Gewalt und Drohungen gegenüber dem Personal kennen wir weniger.» Ein Grund: Die Polizei befindet sich in unmittelbarer Umgebung der Haftanstalt und wird frühzeitig beigezogen, wenn sich ein Konflikt anbahnt. Trotzdem haben auch die Thurgauer ihre Probleme mit Insassen aus Nordafrika: «Sie wollen teils nur Leistungen konsumieren und sind absolut respektlos im Umgang mit dem Personal», sagt Felber. Das Resultat: Ein Gefühl von Ohnmacht bei den Gefängnisangestellten. Diesen könne durchaus der Gedanke kommen, wo ihre eigenen Rechte blieben im Vergleich mit jenen der Gefängnisinsassen, so Felber.
 

Häftlinge verletzen sich selbst

Der Präsident des Haftanstalten-Vereins Schweiz ortet eine starke Neigung von nordafrikanischen Gefangenen, sich selbst Verletzungen zuzufügen. Diese Erfahrungen macht auch das Personal von Ostschweizer Haftanstalten. Stephan Felber, Generalsekretär des Thurgauer Justiz- und Sicherheitsdepartements: «Es kommt immer wieder vor, dass sich Häftlinge aus Nordafrika verletzen oder damit drohen.» Ihm pflichtet Kurt Ulmann von der Strafanstalt Gmünden im Kanton Appenzell Ausserrhoden bei. «Die Selbstverletzungen sind zwar nicht lebensbedrohlich. Für unser Personal ist es aber belastend, wenn sich jemand in den Bauch oder den Arm schneidet und alles voller Blut ist», sagt er. Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, ist ebenfalls mit dem Thema Selbstverletzungen konfrontiert. «Bei uns verhalten sich Nordafrikaner diesbezüglich aber nicht auffälliger als Angehörige anderer Kulturräume», sagt er. (dwa)

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