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Tagblatt Online, 16. Juli 2012, 07:34 Uhr

Gallus vom Gotthard bis Nevada

Zoom

Die Galluskirche am «Campo S. Gallo» in der Nähe des Markusplatzes in Venedig. (Bild: Peter Erhart)

Gallus international. Weltweit gibt es mindestens 1400 Orte, die einen Bezug zu Gallus haben. Das St.Galler Stiftsarchiv hat sie aufgespürt und legt seine Recherche in einer attraktiven Publikation vor.

JOSEF OSTERWALDER

Peter Erhart

Das müsste sich doch finden lassen, 1400 Orte, die auf irgendeine Weise mit Gallus verbunden sind. So dachten sich Peter Erhart und Jakob Kuratli Hüeblin vom St. Galler Stiftsarchiv. Als sie den Organisatoren des Gallusjubiläums von ihrem Plan erzählten, wussten sie noch nicht, auf was sie sich da einliessen. Die 1400 Orte gibt es tatsächlich, aber sie liegen verstreut, von Nevada bis Ostafrika. «Es brauchte zuweilen fast kriminalistischen Spürsinn, um alle diese Gallusorte aufzustöbern», sagen der Leiter des Stiftsarchivs und sein Stellvertreter.

Trouvaillen

Das Ergebnis dieser detektivischen Recherche liegt in einer vom Atelier TGG attraktiv gestalteten Publikation vor; ihr Titel: «1400× Gallus». Eine Tabelle listet die 1400 Orte auf, drei Karten zeigen, wo sie liegen. Im Textteil findet sich Geschichtliches und Anekdotisches. Hinzu kommen elf Bildtafeln, jedesmal zu einem besondern Thema: Gallusbilder, Gallustore, Gallusäbte. Besonders charmant die kleine Galluskirche, die sich am «Campo S. Gallo» in der Nähe des Markusplatzes in Venedig befindet, besonders gross die älteste Urkunde, die das Gebiet des heutigen Österreich betrifft und im Stiftsarchiv aufbewahrt wird.

Der Bezug zu Gallus wird in der Schrift unter fünf verschiedenen Gesichtspunkten dargestellt. Gut tausend Ortschaften fühlen sich darum Gallus verbunden, weil sie in den Urkunden des Stiftsarchivs erstmals erwähnt werden. Andere haben Gallus als Kirchenpatron gewählt. Eine dritte Beziehung entstand durch die Eigenkirchen, die Gutsherren auf ihrem Land gegründet, später aber dem Kloster anvertraut haben. Mit andern Orten war man durch die Verbrüderungsbücher verbunden oder weil aus ihnen Mönche für das Galluskloster stammten. Mit begleitenden Texten wird die Bedeutung des Gallusbezugs ausgeleuchtet. Ein Titel heisst zum Beispiel: «Ein Elsässer namens Gallus», um nach dieser überraschenden Wendung so weiterzufahren: «Der einzige Gallus aus dem ostfranzösischen Elsass kam (…) am 11. März 1719 nach St. Gallen (…).» Eine Eigenkirche, die der Abt selber auf seinem Territorium errichtet hat, war Appenzell. Dieser Ort zeichnete sich früh durch besondere Spendenfreudigkeit aus, die dem Pfarrer ein mehr als sorgenfreies Leben ermöglichte. Als der Abt davon hörte, leitete er die Spenden in seine Kasse und setzte für den Pfarrer ein Jahresgehalt fest.

Auf dem Weg nach Rom

Die Schrift gibt überraschende Hinweise, zum Beispiel, dass das bekannteste Gotteshaus der Schweiz, das Kirchlein von Wassen, Gallus geweiht ist. Er ist damit auch ein wenig Patron der Gotthardbahn, die sich rund um das Kirchlein in die Höhe windet. Gallus in Prag, in Venedig, in Süddeutschland, am Zürichsee – in all diesen Regionen stellten sich Menschen unter den Schutz des Gallus.

So zum Beispiel auch ums Jahr 740 eine Alemannin namens Beata, die zahlreiche Güter an das Kloster St. Gallen verkaufte, um ihre Wallfahrt nach Rom zu finanzieren. Sie starb wenig später, vermutlich auf der Reise, worauf ihr Sohn Lambert sein Erbe dem Galluskloster übergab. Reisen nach Rom waren damals eine gewagte Angelegenheit: Das wusste der Schreiber, der im neunten Jahrhundert auf altirisch in einen Codex schrieb: «Nach Rom gehen: Viel Mühe, wenig Nutzen! Der König, den du dort suchst, wenn du ihn nicht mitbringst, wirst du ihn nicht finden.» Dieser Schreiber hatte Verständnis, dass Gallus nicht mit Kolumban über die Alpen ziehen wollte.

Für 1400 Rappen

Seit gut zwei Monaten ist die Schrift erhältlich. Bereits treffen im Stiftsarchiv Hinweise auf weitere Gallusorte ein. Die Liste ist bei rund 1430 angelangt. Beim nächsten Jubiläum kann es darum «1500× Gallus» heissen. Die Schrift kostet 1400 Rappen und ist im Besucherzentrum an der Gallusstrasse und im Büchershop der Stiftsbibliothek erhältlich.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
unangan (16. Juli 2012, 13:27)
wen wundert`s....

Gallus..... übersetzt:, "der Hahn".
Sommerlochartikel zum "heiligen Hahn" von St.Gallen.... grins.....

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