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Tagblatt Online, 2. Juli 2012, 06:50 Uhr

Die Maus lacht zuletzt

Florence and the machine Zoom

Deadmau5 setzte in der Samstagnacht auf seine Maske und eine aufwendige Lichtshow. (Bild: Coralie Wenger)

ST.GALLEN. Die Stars der elektronischen Tanzmusik sind 2012 auf der grossen Bühne angekommen. Nicht alle kamen mit der neuen Umgebung gleich gut zurecht, am besten gelang es Deadmau5.


Im Bacardi-Dome, dem Partyzelt oberhalb der kleinen Sternenbühne, ist die elektronische Tanzmusik schon lange angekommen. Auf den beiden Bühnen aber war sie am St. Galler OpenAir noch nie so präsent wie 2012: Nach Mitternacht dominierte die Musik aus den Clubs das ganze Festival.

Einzelkämpfer auf der Bühne

Dabei sind Elektromusiker meist Einzelkämpfer, an Keyboards und Samplern im Studio, hinterm Mischpult in den Clubs. Damit dies auf der grossen Bühne funktioniert, müssen sie einige Übersetzungsarbeit leisten. Eine Arbeit, die Paul Kalkbrenner am Freitagabend auf der Hauptbühne nicht gelingen will. Ein Mann der lauten Töne war er nie. Oft herrscht beinahe Stille, in die hinein er langsam seine Stücke aufbaut. Nur reicht es nicht zu Höhepunkten, nicht einmal bei «Sky & Sand», dem Hit mit seinem Bruder Fritz Kalkbrenner. Auf der Bühne gibt es wenig zu sehen. Auf einem Bildschirm hinter dem deutschen Produzenten werden spärliche Visuals eingeblendet, und auf den Bildschirmen neben der Bühne sieht man manchmal, wie Kalkbrenners Hände am Mischpult schrauben. Nur, wer weiss, was er da genau macht?

Gleichzeitig versuchen Modestep auf der Sternenbühne eine andere Art der Übersetzung. Sie setzen den englischen Stil Dubstep mit Liveband samt Gitarren um. Das klingt dann zwar mehr wie Open-Air-tauglicher Rock, vom Sound aus den englischen Kellerclubs bleibt aber wenig übrig. Vielleicht liegt es ja an der Musik. Anders als Paul Kalkbrenner setzte Sebastian schon immer auf brachiale Töne. Mitte der Nullerjahre war er einer von denen, die mit verzerrten Bässen von Frankreich aus viel Wirbel machten. Und wie wenn es immer noch 2007 wäre, hält er am frühen Samstagmorgen eine Stunde lang das Gaspedal durchgedrückt. Trotz des dick aufgetragenen Grande-Nation-Patriotismus kann das an einem Open Air auch 2012 noch viel Spass machen, zumindest auf der Sternenbühne: Unter deren Zelt wähnt man sich fast schon im Club.

Die leuchtende Maske

Wer die grosse Bühne erobern will, muss dem Publikum etwas zu sehen geben. Kaum einer weiss das besser als Deadmau5. Der Kanadier füllt Stadien – in Amerika, wo Elektro bislang einen schweren Stand hatte. Rauch und Lichter jagen in der Samstagnacht über die Bühne, in deren Mitte wackelt seine Mausmaske aus Leuchtdioden. Darauf zucken mal Blitze, mal die Anonymous-Maske, und immer wieder lacht das Mausgesicht über das Publikum. Aus den Geräten um ihn herum holt Deadmau5 eine Pop-Version der verzerrten Bässe aus Frankreich. Stunden zuvor schien über dem Gelände ein Gewitter aufzuziehen, doch die Wolken zogen vorbei. Nun bricht es doch noch los. Kaspar Enz



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