Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 15. Juni 2012, 06:03 Uhr

«Alle wollen einen Kalender»

Zoom

Daniela (links) und Manuela stehen beim Casting für den Bauernkalender vor der Kamera. (Bild: www.bauernkalender.ch)

Sie kennen sich schon länger und wollten bereits früher in den Bauernkalender – in diesem Jahr hat es nun endlich geklappt: Die Thurgauerinnen Manuela Jäger aus Hüttwilen und Daniela Jud aus Wängi werden für den Bauernkalender 2013 fotografiert.

MARIA KOBLER-WYER

«Cool», dachte sich Daniela Jud, als sie den ersten Bauernkalender sah – und wollte als eine der jüngsten Bewerberinnen mitmachen. «Dann kam ein Töffunfall dazwischen», sagt die 19-Jährige. «Mit Schrammen im Gesicht wollte ich nicht teilnehmen.» Anfang dieses Jahres hat sie dann an der «Tier&Technik» in St.Gallen ein Angebot erhalten, beim Casting für den Bauernkalender 2013 mitzumachen. «Es brauchte noch etwas Überzeugungsarbeit meines 14-jährigen Bruders, bis ich mich für die Anmeldung entschied», sagt die angehende Autolackiererin aus dem thurgauischen Wängi.

Fasziniert von Motoren
Sich vor der Jury zu präsentieren, machte der blondhaarigen Frau dann richtig Spass. Beim Casting posierte Jud mit einem Schwyzerörgeli. «Wir sollten zum Casting einen privaten Gegenstand mitbringen, der uns etwas bedeutet», so die 19-Jährige. Schwyzerörgeli ist eines ihrer Hobbies. Noch viel lieber hätte Daniela Jud aber einen Traktor mitgenommen. «Mich fasziniert alles, was einen Motor hat», sagt sie gegenüber Tagblatt Online. So überrascht es nicht, dass Jud von Traktoren und Landmaschinen schwärmt.

Landmaschinenmechanikerin war denn auch ihr Traumberuf. «Für eine Frau ist die Arbeit zu schwer», sagt die 19-Jährige. Auf Motoren muss sie dennoch nicht verzichten. Sie macht eine Ausbildung zur Autolackiererin. «Gleich gegenüber unserem Haus hat es einen Autolackierer», sagt sie. «Dort habe ich geschnuppert – und mich dann für diesen Beruf entschieden.»

Mit Traktor auf Foto
Als Daniela Jud 13-jährig war, liessen sich ihre Eltern scheiden. Sie zog mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Wängi. Ihr Vater lebt auf dem Bergbauernhof in Rufi bei Schänis, wo Jud ihre Kindheit verbrachte. «Ich bin immer noch gerne dort oben», sagt sie. Deshalb möchte sie am liebsten in den Bergen fotografiert werden  - mit einem Traktor.
Zoom

Manuela Jäger aus Hüttwilen.
(Bild: www.bauernkalender.ch)


Sie kennen sich
Auch Manuela Jäger aus Hüttwilen wird auf einem Kalenderblatt zu sehen sein. «Ich war bereits letztes Jahr beim Casting», sagt die 18-Jährige. Damals hat sie es nicht geschafft. «Dieses Jahr habe ich mir überlegt, wieder mitzumachen», sagt die Thurgauerin. «Zudem hat Daniela Jud mich angerufen und mich um Tipps gebeten, weil sie sich anmelden wollte.» Die beiden Frauen kennen sich nämlich schon länger – Daniela ist die Ex-Freundin von Manuelas Bruder.  

Positive Rückmeldungen
«Ich habe mich mega gefreut, dass es dieses Mal geklappt hat», sagt Jäger. Auch aus ihrem Umfeld hat die Singlefrau nur positive Rückmeldungen erhalten. «Alle wollen einen Kalender haben.»  Ans Casting hat sie einen Zopf und Wein mitgebracht. «Vor meiner Lehre habe ich oft Kuchen und Zopf gebacken – weil es einfach fein ist», sagt die Dunkelhaarige. Und der Wein stammt vom Hof ihrer Eltern. Da die Milchwirtschaft nicht mehr rentabel war, haben ihre Eltern den ehemaligen Kuhstall in eine Weinstube verwandelt. Dort wird der Wein vermarktet, der aus den eigenen Reben hergestellt wird. Und wenn Manuela Jäger im nächsten Jahr ihre Ausbildung zur Schreinerin abschliesst, darf sie ein Möbelstück für die Stube herstellen. «Es gibt vielleicht eine neue Bar.»
Zoom

Daniela Jud aus Wängi.
(Bild: www.bauernkalender.ch)


Auf dem Hof – einem von vier Erlebnishöfen in der Schweiz – leben auch Hängebauchschweine, Ziegen, Hühner, Hasen, Katzen und Hunde. «Um die Tiere kümmere ich mich, wenn meine Eltern nicht zu Hause sind», sagt sie. Ansonsten geht sie im Sommer gerne baden, spielt Volleyball oder ist mit Kollegen unterwegs. «Am meisten geniesse ich es, einfach daheim zu sein», sagt Manuela Jäger.

Shooting im Emmental
Das Shooting für die 16 Kalendergirls – auf einem Blatt werden drei Frauen zu sehen sein –  findet vom 15. bis 17. Juni im Emmental statt. Manuela Jäger und Daniela Jud werden am Sonntag im Heimatmuseum in Trubschachen abgelichtet. Manuela posiert im Bett, Daniela mit einer Handorgel. (maw)


Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
2 Beiträge
unangan (16. Juni 2012, 21:26)
Lach....

Pirelli lässt grüssen... und es Bauernlust ist nicht mehr auf "Heidi mit dem Almöhi" zu befriedigen.
Nur... ehrlich... eine Alpweide mit saftigen Gräsern abgelichtet... bringt nachhalitigeren "Lustgewinn"...
Bauern sind anscheinend nicht nur Subventionsempfänger... und am Abend der Arbeit müde.

Aber ob diese abgelichteten Damen, auch eine Heuernte einbringen können ???...grins....

Beitrag kommentieren

deich (15. Juni 2012, 09:08)
Bauernregeln

Das Outfit dieser beiden "rustikalen Nachteulen" aus Wängi und Hüttwilen ginge glatt an der Zürcher Langstrasse durch: Hier macht sich quasi eine intime Globalisierung zwischen ländlich und städtisch breit. Nur "Hängebauchschweine" sieht man, wie gemeldet, derzeit wohl noch eher auf dem flachen Land! Viele finden solche Inszenierungen "mega". Daher muss wohl zumindest der Bauernkalender nicht subventioniert werden. Ist ja auch schon was! Prüde können sich den Bezug zur Landwirtschaft nach wie vor an den überkommenen Bauernregeln festmachen. Diese entsprechen allerdings auch nicht immer der Realität!

Beitrag kommentieren

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg