Hanf-Läden haben keine Angst vor Kiosk-Konkurrenz

LEGALES CANNABIS ⋅ Seit Montag kann man CDB-Blüten auch am Kiosk kaufen. Fürchten die kleinen Hanf-Geschäfte die Konkurrenz grosser Anbieter? Im Gegenteil, sagen die Besitzer.
03. Oktober 2017, 17:44
Adrian Lemmenmeier
Um CBD-Blüten zu erwerben, muss man nicht mehr in ein Spezialgeschäft gehen. Anfang dieser Woche hat der Handelskonzern Valora das legale Cannabis in sein Sortiment aufgenommen. Nun kann man Blüten der Marke Black Widow an K-Kiosken, beim Avec und in den Press & Books-Filialen kaufen. Die Migros-Tochter Denner ist schon im August ins legale Cannabis-Geschäft eingestiegen. Im Coop steht seit längerem CBD-Hanf im Regal. Allerdings nicht als Blüten, sondern in Form der Thurgauer Hanf-Zigarette «Heimat».

Im letzten Jahr sind Geschäfte, die CBD-Produkte verkaufen, wie Pilze aus dem Boden geschossen, auch in der Ostschweiz. Verschwinden sie wegen der Konkurrenz der Detailhandelsriesen ebenso schnell, wie sie gekommen sind?
 

«Denner und Coop sind keine Gefahr»

Roman Gschwend, Inhaber des Breakshops im St.Galler Linsebühl, winkt ab. «Grossverteiler wie Denner, Coop oder Valora sind für uns keine wirkliche Gefahr.» Denn zum einen würden die grossen Läden die legalen Blüten nicht besonders günstig anbieten. Zum andern hätten sie ein viel schmaleres Sortiment als die spezialisierten Geschäfte. «Bei uns finden Sie 50 Indoor- und 20 Outdoor-Hanfsorten im Angebot. Da kann ein Kiosk nicht mithalten.» Ähnlich sieht das Stoja Bogicevic. Ihr gehört der Laden «Royal Green» in der Metzgergasse. «Es kann schon sein, dass einige Leute, die CBD ausprobieren möchten, sich in Zukunft am Kiosk versorgen.» In ihrem Laden biete sie aber nicht nur verschiedenste legale Cannabis-Sorten an, sondern man könne sich auch zu einzelnen Produkten beraten lassen. Gleich sieht dies Anita Sarafin. Sie betreibt den Laden «Hemp Basement» in Romanshorn. «Viele Kunden wollen nicht einfach eine Sorte CBD kaufen, sondern an den Blüten riechen und verschiedenes ausprobieren.»
 

Mehr Konkurrenz bedeutet mehr Akzeptanz

Kommt dazu, dass die meisten Hanf-Geschäfte bei weitem nicht nur Rauchwaren anbieten. Viele verkaufen auch Öle, Tinkturen und Nahrungsmittel. Die «Hanftheke» etwa, welche Filialen in Herisau und Kreuzlingen betreibt, legt ihren Fokus auf CBD-Öle, -Tropfen und biologische Lebensmittel. Der Verkauf von Blüten sei nicht das primäre Geschäft. Auch bei der Firma Mmedics, die in Frauenfeld ein Geschäft unterhält, steht die Produktion von CBD-Öl im Vordergrund. Für viele Ladenbesitzer ist die Konkurrenz der grossen Konzerne deshalb nicht Fluch, sondern Segen: «Wenn man CBD am Kiosk kaufen kann, steigt die Akzeptanz für solche Produkte weiter», sagt Roman Gschwend vom «Break Shop». Anita Sarafin von «Hemp Basement» pflichtet bei: «Es führt dazu, dass Hanferzeugnisse in der Gesellschaft nicht mehr verteufelt werden.»
 

Immer mehr Produkte zugelassen

Am Angebot gemessen sind legale Cannabis-Blüten bereits bestens akzeptiert: 276 Sorten sind derzeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAV) zugelassen, hergestellt von 129 Firmen. Legal sind die Blüten dann, wenn sie weniger als ein Prozent des psychoaktiven Stoffes Tetrahydrocannabinol (THC) aufweisen. Der Stoff Cannabidiol (CBD), ein weiterer von gut 400 Wirkstoffen in der Hanfpflanze, hat eine beruhigende Wirkung. CBD unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

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