Hans Hurni: Der St.Galler Stadionvater, der aus Basel kam

NACHRUF ⋅ Kantonalbank-Direktor, FCSG-Präsident, Verkehrsvereinschef: Hans Hurnis Leben spielte sich im Schaufenster der Öffentlichkeit ab, war aber längst nicht nur von eitel Sonnenschein geprägt.
07. Dezember 2017, 20:39
Marcel Elsener
Als langjähriger Kantonalbankdirektor, FCSG-Präsident und «Stadionvater» der neuen Arena in Winkeln zählte Hans Hurni zu den bekanntesten Persönlichkeiten in der Region St.Gallen. Legendär auch sein Alterswohnsitz zuoberst in dem von ihm mitgeplanten Casino-Hotel Radisson Blu, den Hurni allerdings nach einer Operation an der Wirbelsäule verlassen musste; seit einem Jahr lebte er im Alters- und Pflegeheim Vita Tertia in Gossau. Dort ist Hans Hurni nun im Alter von 91 Jahren verstorben. 

Dem kontaktfreudigen Menschen und unermüdlichen Schaffer, Vernetzer und «Anreisser» vieler Projekte fiel der Rückzug aus der Öffentlichkeit nicht  leicht. Im Alterszentrum liess er sich vom Gedanken der Endlichkeit nicht bedrücken, doch fehlte ihm das Stadtleben, wie er unserer Zeitung erzählte. Er vermisste die «Vielseitigkeit», aber auch die Freiheit, sich ins Auto zu setzen und ins Appenzellerland oder an den Bodensee zu fahren. Die Matchbesuche in «seinem» Stadion wurden seltener: Weil Hurni als massgeblicher Motor die neue Arena des FC St. Gallen angetrieben hatte, wurde er liebevoll «Stadionvater» genannt. «Du hättest doch Zeit», sagte 1996 der damalige FCSG-Präsident Thomas Müller zum Vorgänger. Hurni nahm die Herausforderung an und gleiste das Projekt mit der Stadion St. Gallen AG auf – ausgerechnet er, der Basler, der 1963 aus der Rheinstadt in die Ostschweiz gekommen war.

Entsprechend stolz war er, dass der Bau mit Mantelnutzung trotz aller Schwierigkeiten klappte und das Stadion 2008 bezogen werden konnte. Umso grösser freilich auch seine Enttäuschung, als der Club 2010 in eine lebensbedrohliche Finanzkrise  geriet und die Schuldigen bei den Stadionbauern geortet wurden. Hurni wehrte sich gegen die «Verdächtigungen und Verleumdungen», räumte aber Missgriffe ein: «Wir machten Fehler zu Gunsten eines Komforts, der für eine moderne Fussballarena dazugehört. Und wir hätten transparenter kommunizieren sollen.» Der FC St. Gallen war dem Neuzuzüger früh ans Herz gewachsen; Anfang der 90er-Jahre gehörte er zu jenen Leuten, die den Verein vor dem Konkurs retteten, von 1993 bis 1996 waltete er als Vereinspräsident. Den Ruf als «Stadionvater» in Ehren, wollte er die Arena nicht als sein «Denkmal» bezeichnen. Er habe als Direktor «auch bei der Kantonalbank viele Dinge angestossen, die heute selbstverständlich sind», sagte er und nannte etwa «einen der ersten Bankomaten der Schweiz». 

Hurnis bewegte Lebensgeschichte lässt sich im Buch «Vom Telegrammboten zum Stadionvater» nachlesen, das 2011 zu seinem 85. Geburtstag erschien. In Gesprächen mit der ehemaligen Stadträtin Liana Ruckstuhl blickt er auf seine Ämter vom Verkehrsvereinschef über den Bankdirektor bis zum FC-Präsidenten zurück. Es ist ein Leben, das sich oft im Schaufenster der Öffentlichkeit abspielte, aber längst nicht nur von eitel Sonnenschein geprägt war. Vaterlos und in bitterer Armut aufgewachsen, wusste Hurni auch in späteren Jahren stets um die Härten des Schicksals. Bewegend erzählt er im Buch von der Krankheit seiner Frau Dorli: Wie viele Uhrenarbeiterinnen im Jura hatte sie ihr Kopfweh mit Tabletten bekämpft, die zu schweren Nierenschädigungen und letztlich zu einem frühen Tod führten.

Weggefährten schildern Hans Hurni, der seinen Sohn Roland hinterlässt, als zielstrebigen, verständnisvollen, aber auch ungeduldigen, ehrgeizigen Zeitgenossen. Gewiss war er weit über St.Gallen hinaus ein geschätzter Gesprächspartner: Als Beispiel nur seine leidenschaftlichen Gespräche im Espenmoos und in der AFG-Arena mit «Monsieur Xamax» Gilbert Facchinetti; die beiden verstanden sich sehr gut – mal auf Deutsch, mal auf Französisch. Vielleicht nimmt die Stadt ja die vor zehn Jahren diskutierte Idee, eine Arena-Passerelle über die Autobahn nach Hurni zu benennen, wieder auf. Eine posthume Ehrung würde ihn sehr freuen, sagte der «Stadionvater»  2016: «Hans-Hurni-Weg – doch, das würde mir gefallen.»

Leserkommentare

Anzeige: