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Tagblatt Online, 31. Juli 2012, 06:41 Uhr

Wälder nach Typen sortieren

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Biologe Jacques Burnand macht sich abseits der Wege ein Bild von den Wäldern. Mit dem Stab werden Bodenproben genommen. (Bild: Bilder: rf)

AUSSERRHODEN. Seit vier Jahren wird in Appenzell Ausserrhoden an einer Waldkarte gearbeitet. Dieser Tage nehmen Biologen die letzten Flächen unter die Lupe. Die neue Karte soll den Förstern Infos für eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder liefern.

ROGER FUCHS

Der 66jährige Jacques Burnand ist über dem linken Ohr verletzt. «Nichts Schlimmes», sagt er, «ich bin letzte Woche in einem steilen Tobel ein wenig gerutscht.» Ein Ast habe ihn gestreift; doch es sehe schlimmer aus, als es sei. Jacques Burnand ist selbständiger Biologe; unter anderem steht er einem achtköpfigen Team vor, das seit vier Jahren Ausserrhodens Wälder durchstreift und dabei notiert, wo welche Bäume wachsen oder aufgrund der Bodenbeschaffenheit geeignet sind. Das gesamte Datenmaterial, das ab kommendem Jahr auf dem Geoportal öffentlich zugänglich sein soll, dient den Förstern für ihre Waldplanung. «Bislang war die Waldplanung sehr erfahrungsabhängig», sagt Ausserrhodens Oberförster Heinz Nigg. Dank der Waldkartierung sei der darin abgebildete Detaillierungsgrad nicht mehr nur den Spezialisten vorenthalten.

Heidelbeere als Säurezeiger

Jacques Burnand führt hinein in den Wald namens Heldholz zwischen Wolfhalden und Lachen, einen der letzten noch nicht kartierten Wälder. Es knackst und knistert. Der Biologe bevorzugt, für die Bestimmung eines Waldes – es wird zwischen 70 verschiedenen Waldtypen unterschieden – abseits der Wege zu marschieren. Pflanzen vermitteln ihm einen ersten Eindruck der Bodenbeschaffenheit und des Waldtyps. Heidelbeere und Hainsimse beispielsweise gelten als Säurezeiger und sind Indiz dafür, dass besagte Umgebung für Buchen geeignet ist. Helfen die Pflanzen nicht weiter, macht der Biologe eine einfache Bodenprobe. Dazu sticht er mit einem langen, hohlen Stab in die Erde. Deutlich sind nach dem Herausziehen die einzelnen Erdschichten sichtbar.

Wie Jacques Burnand erzählt, ist er seit 1976 immer wieder bei Waldkartierungen dabei. Rund um Appenzell Ausserrhoden hätten alle Kantone eine solche, wobei jedoch der Nachbarkanton Appenzell Innerrhoden auf eine Methode gesetzt habe, die nicht mit dem Rest der Schweiz kompatibel sei. Burnand ist überzeugt, dass eine Kartierung Sinn macht. Dank einer solchen lasse sich das Potenzial des Bodens besser ausnutzen. Förster wüssten so exakt, wo sich beispielsweise feuchtere Böden befänden. «An solchen Standorten sollten Buchen oder Rottannen nicht gefördert werden», sagt der Biologe. Weisstannen hingegen könnten den nassen Boden besser durchwurzeln.

Buchenwälder am häufigsten

Auf einer 1:5000-Karte (1 Zentimeter gleich 50 Meter) notiert Jacques Burnand sämtliche Feststellungen und hält die Waldtypen fest. Sobald er im Besitz der Notizen seiner Kollegen ist, die ebenfalls durch die Wälder streifen, wird das Material vereinheitlicht und auf einen anderen Plan übertragen. «Ein Kollege scannt diese Pläne dann ein und digitalisiert sie», sagt Jacques Burnand. «Anschliessend werden die Daten ans Oberforstamt von Appenzell Ausserrhoden weitergeleitet.»

In Ausserrhoden am häufigsten zu finden sind Buchenwälder in unterschiedlichen Formen: Waldhirsen-Buchenwälder, Bingelkraut-Buchenwälder und Tannen-Buchenwälder. Ganz nasse Gebiete, in denen sich nur noch Eschen oder Bergahorn wohl fühlten, seien im Kanton selten. Ebenfalls selten zu finden seien Föhrenbestände, die an steilen Hängen mit klebrigem Lehm wurzelten. Im Urnäschtobel hat es gemäss Burnand einige solche.

Obschon Jacques Burnand nun vier Jahre in Ausserrhodens Wäldern unterwegs war, will er sich kein Urteil über deren Zustand anmassen. Viel mehr interessiert habe ihn stets der Boden, fasst er nochmals zusammen. Durchblicken lässt Burnand einzig, dass die neue Krankheit «Eschenwelke» auch in hiesigen Gegenden um sich greift. Dabei handle es sich um einen vor einigen Jahren in die Schweiz übertragenen Pilz, der innert kürzester Zeit Bäume absterben lasse.



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